Der Etikettenschwindel mit dem Plus: CI+ und HD+

Ich hab’s zugegebenermaßen erst für einen Aprilscherz gehalten, aber augenscheinlich ist der Golem-Bericht keiner (lokale Hervorhebung):

Herausgekommen ist bei den nun konkretisierten Plänen eine Dreiteilung nach der Art des Empfangsgeräts. Ältere Receiver, die über das 99 Euro teure Legacy-Modul von HD+ für die Verschlüsselung der Privatsender nachgerüstet werden können, dürfen Sendungen aufzeichnen und Timeshift benutzen. Ein Vorspulen bei der Wiedergabe von HD+-Inhalten ist verboten. Das gilt auch für die inzwischen verfügbaren und von Elektronikmärkten stark beworbenen “HD+-Receiver”: Aufnehmen und Timeshift ist erlaubt, Vorspulen nicht. Der schnelle Vorlauf bei der Wiedergabe bleibt auch ganz neuen Geräten verwehrt, die den Slot “CI Plus” enthalten. Dabei gibt es dann auch nichts vorzuspulen: Eine Aufnahme von HD+ ist auf diesen Geräten gleich ganz verboten.

 
Damit bestätigt sich, was vorher nur vage sich abzeichnete: das Plus-Zeichen bei CI- als auch HD+ steht für ein Plus an Gängelung, ein Plus an Einschränkungen für den Verbraucher, ein Plus an Kosten — und dementsprechend ein dickes Minus an Komfort, an selbstbestimmtem Medienkonsum, an Wahlfreiheit.
Im Ergebnis kann das für den mündigen Medienbürger nur heißen: HD+? Just say NO! Denn nur eine Abstimmung mit den Füßen, an der Kasse nämlich, wird diesen Trend mittelfristig aufhalten … Einen noch größeren Bogen sollte man natürlich um Geräte mit dem CI+-Slot machen, allerdings wird das wohl leider schwierig werden, da kaum ein Hersteller hier dem Kunden eine Wahlmöglichkeit läßt. Und mit CI+ wird die Gängelung dann perfekt, nicht mal Timeshift-mit-Zwangswerbung ist dann noch möglich — Hallelujah!

yaVDR – erste Eindrücke

Nachdem ich mehrere Anläufe unternommen habe, einen VDR mit DVB-S2-Support und Full-HD-Ausgabe per VDPAU auf Ubuntu-Basis zurechtzustöpseln – und ein ums andere Mal in einer Dependency-Hell mich wiederfand – habe ich nun der jüngst veröffentlichten Version 0.1.1 von yaVDR eine Chance gegeben — und bin auch nach einem Tag noch sehr angetan!
Das, was yaVDR aus der Masse hervorhebt, ist die konsequente Ausrichtung auf einen Zweck: einen Linux-PC mit nVidia-Grafik zur Medienzentrale machen; dafür wird nicht nur ein aktueller (experimenteller) VDR mit (experimentellen) DVB-S2-Treibern in einem per CD oder USB-Stick installierbaren Ubuntu-basierten Image zusammengepackt, nein, auch der (experimentelle) PVR-Zweig von XMBC findet sich hier wieder, mehr noch: per Webinterface kann man zwischen xine, vdr-sxfe und(!) XMBC als VDR-Frontend wählen. Wer XBMC kennt, weiß, daß spätestens letzteres Eye-Candy vom Feinsten verspricht; aber auch das (Full-)HD-OSD der mitgelieferten VDR-Version ist schon sehr nett anzuschauen, kein Vergleich mehr mit dem begrenzten OSD der Full-Featured-Karten (wie sie auch noch mein Wohnzimmer-VDR zeigt):

Auch nett ist, daß man aus dem VDR-OSD heraus zu Firefox, XBMC und ‘nem Terminal wechseln kann. Beenden von XBMC und Firefox startet dann wieder (bei mir) vdr-sxfe als VDR-Frontend; der VDR-Prozeß an sich läuft, wie es sich gehört, in all der Zeit weiter – schließlich soll er ja auch ggf. was aufnehmen. Einziges Manko dieser Lösung – mit OpenBox als leichtgewichtigem Fenstermanager – bei mir: weder bei xterm noch in Firefox ist ein größerer Font wählbar — und die Standardgröße ist schon bei den ca. 1,5 Meter von der Tastatur bis zum 22″-Full-HD-Display an der unteren Lesbarkeitsgrenze, später im Wohnzimmer am 47″-Full-HD-TV werde ich gut 3 Meter vom Display entfernt sitzen, auch da wird’s zu klein sein … Ich habe schon alles erdenklichen Fonts installiert, vermutlich fehlt aber entweder ein Fontserver oder aber OpenBox schlicht die Unterstützung verschiedener Fonts :( Aber vielleicht fixen die Entwickler das ja noch, Version 0.1.1 ist ja auch mehr Beta als was anderes ;)
Ich werde mich jetzt ein bißchen einarbeiten und insbesondere noch eine lirc-Fernbedienungsmöglichkeit eruieren (lirc_ttusbir, ein Modul für ein USB-Dongle von Technotrend mit einem IR-Receiver, bricht auf dieser Hardware leider nachhaltig ins Essen; während es auf einem Medion-Laptop mit Intels Pentium Dual-Core 1a rennt (Ubuntu 9.10), gibt’s auf dem Asus-Board mit dem Athlon(tm) 7750 Dual-Core nur USB-Fehler und einen kernel-Hänger beim Versuch, das Modul wieder zu entladen :(). Bei Bedarf liefere ich auch gerne noch bißchen »Footage« von XBMC-PVR als VDR-Frontend; das macht beim ersten Blick jedenfalls einen super Eindruck, VDR ist soweit integriert, daß man auch Aufnahmen aus der XBMC-Oberfläche heraus starten kann.