Gerettet? Don't think so, Mathias …

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner hat sich lt. Golem.de zu Lobeshymnen auf Apple und Steve Jobs hinreißen lassen:

»Dies ist wirklich der Beginn einer neuen Ära. Jeder Verleger auf der Welt sollte sich einmal am Tag niedersetzen, beten und Steve Jobs dafür danken, dass er damit die Verlagsindustrie rettet. Das iPad bringt uns, worauf wir alle gewartet haben.«

 
Und ich dachte, die USA hätten strenge Anti-Drogen-Gesetze … Wobei ich mich aber auch frage: wenn »alle« nur auf so ein minimalistisches Gerät gewartet haben — warum, zum Henker, hat kein Verlag o. ä. es betrieben, daß sowas »endlich« auf den Markt kommt?
Schick auch seine Aussagen zu den Einsparungen auf Verlagsseite, wenn man die geplanten Abo-Preise rekapituliert; 90% des Preises der Printausgabe möchte »Die Welŧ« gerne auf dem iPad je Ausgabe kosten. Döpfner:

»Wenn mehr und mehr Leser unsere Produkte lieber auf Tablet-Geräten lesen wollen, dann ist mir das nur recht. Wir sparen Druckkosten, wir sparen Lieferkosten, wir sparen Papierkosten.«

 
Druck, Lieferung und Papier machen also nur 10% der Kosten einer »Welt«-Druckausgabe aus, der Rest ist purer Qualitätsjournalismus? Ach, halt, da fehlen ja noch die Ausgaben für’s Management, Reisen kostet ja auch ‘n bißchen Portokasse …
Gespannt bin ich ja auf das. was aus der, aus meiner Sicht, einzig realitätsnahen Aussage Döpfners wird:

Die Contentbranche solle sich zudem mit Apple zusammensetzen und die Umsatzverteilung neu verhandeln. 30 Prozent Umsatzanteil für Apple sei zu viel.

 
Ich wette, Steve hat sofort nach dem Interview in Berlin angerufen und gebettelt, weniger nehmen zu dürfen …

Update zum Navigon Mobile Navigator …

Wie schon auf YouTube als auch hier im Blog kommentiert: bei Navigons Mobile Navigator for Android kann man zwischen der aktuellen Geschwindigkeit, der Entfernung und der voraussichtlichen Ankunftszeit umschalten.

Wie in anderen Navigationssystemen diese Daten gleichzeitig angezeigt zu bekommen, zusätzlich z. B. auch noch die bisherige Durchschnittsgeschwindigkeit, sieht Navigon leider offenbar nicht vor. Dafür implementierte man eine Umschaltung, die man aber nach dem – per »OK« zu bestätigenden – Warnhinweis beim Programmstart unterwegs gar nicht nutzen sollte …
Ich bin noch immer etwas enttäuscht, denn diese Funktionen bot schon der MN4 für PocketPCs vor vielen Jahren; weder waren die Displays jener Geräte größer noch die Prozessoren damals leistungsfähiger. Mir bleibt daher absolut unverständlich, warum Navigon diese Informationen einerseits per Default verbirgt und andererseits nur so umständlich – und latent gefährlich – doch zur Verfügung stellt. Bei Tempo 130 die schmale Zeile auf dem Display zu treffen, ist alles andere als ergonomisch oder einfach :(

Von Pads, Androiden und Restriktionen

Das iPad ist ja nun da (über’m Großen Teich, einige Exemplare sind auch schon nach D, ja sogar OWL, unterwegs), und wenn vielleicht auch nicht für südlich-warme Gefilde geeignet – Betriebstemperatur 0 bis 35° Celsius –, so definitiv ein spannendes Gerät insofern, als es, ähnlich wie das iPhone mit seiner (späteren) Kombination von GPS, Lagesensoren, Touchscreen und schnellem Mobilfunk, eine neue Geräteklasse begründet. Nichts umwerfend Neues – die Technik dahinter konnte man schon vor 5+ Jahren zusammentragen und -stöpseln – aber als Massenmarktgerät eben doch neu und sogar – bei allen Apple-induzierten Einschränkungen – latent innovativ.
Und so wird es auch immer wieder ein Thema auf twitter; wobei hier der Auslöser ja das IPhone war:

@crieger 2010-04-07 22:36:08: Bekommt am Freitag Abend ein #iPhone ausgehändigt, ob mich das vom Blackberry wegbringt?

 

@icedsoul 2010-04-07 22:37:20: @crieger hassu fieber? :-b

 

@crieger 2010-04-07 22:38:59: @icedsoul wegen des blackberrys?

 

@icedsoul 2010-04-07 22:39:52: @crieger ne des iphones wegen du nase :-) warst doch immer so anti.

 

@crieger 2010-04-07 22:41:20: @icedsoul Bin ich immer noch, bekomme es 14 tage für ein Projekt. Intensive Recherche etc… Mal gucken glaube nicht, dass es mich überzeugt

 

@icedsoul 2010-04-07 23:14:11: @crieger :-) sure…

 

@crieger 2010-04-07 23:19:03: @icedsoul Ich werde berichten und bloggen ;) Jeden Tag ein Post :)

 

@icedsoul 2010-04-07 23:20:15: @crieger bin gespannt. ich seh mich jedenfalls nciht mehr bei handys mit tasten :-)

 

@crieger 2010-04-07 23:24:00: @icedsoul Ich hatte mal eines ohne Tasten, von samsung aber es geht nichts über ne Blackberry Qwertz ;)

 

@icedsoul 2010-04-07 23:26:01: @crieger ja da war auch das problem. iphon hat einfach das einzig gute touchscreen… der rest der geräte stinkt halt :-)

 

@_refugee_ 2010-04-07 23:43:51: @icedsoul Ey, hömma… Willste mein Telefon beleidigen oder was? Komm da gleich ma rüba. Diese Multitaskingverweigerer… Ts, ts, ts… ;-)

 

@icedsoul 2010-04-07 23:46:27: @_refugee_ hab mich schon gefragt warum das so lange dauert :-) @wusel schläft wohl schon…

 

@_refugee_ 2010-04-07 23:52:54: @icedsoul Der @wusel hat es vermutlich nicht mitbekommen. Apropos mitbekommen – http://twitpic.com/1dp3cz den hattest Du gesehen, oder? :-)

 

@icedsoul 2010-04-08 00:21:13: @_refugee_ jip :-)

 

@tbals 2010-04-08 01:12:22: @_refugee_ @icedsoul #Multitasking waren doch diese #features wie 50% Akkulaufzeit, langsamen Apps und einer Load von 1.0 beim idlen? ;-)

 

@wusel 2010-04-08 01:20:32: @icedsoul Extensiver Minimalismus ist nicht von Vorteil. #nureinetaste Aber mit dem iBrick bist Du schon korrekt bedient ;)

 

@wusel 2010-04-08 01:23:19: @icedsoul Ich freue mich auf den ersten iPad-Kontakt am Dienstag ;) und ansonsten auf #ADAM – wenn er denn mal kommt. ADAM, Pad done right?

 

@wusel 2010-04-08 01:24:17: (Naja, mit 1024×600 ist der Screen wieder zu klein. Irgendwas ist ja immer :( #ADAM)

 

@_refugee_ 2010-04-08 08:19:16: @wusel Ich glaube heute abend ist auch iPad-Streicheln im Merlin-Store angesagt. Ein Android-Tablet mit den Restriktionen von Android? Nee.

 

@wusel 2010-04-08 09:45:46: @_refugee_ Welche “Restriktionen von Android” meinst Du? Die fehlende Store-Pflicht? Den Layer aus Drecks-Java, der Apps erst ermöglicht?

 

@_refugee_ 2010-04-08 11:57:57: @wusel Mehr so die andere Crux, die man derzeit noch mit Telefonen durchleidet – aktuelle Versionen gibt’s nicht oder nur sehr spät…

 

@_refugee_ 2010-04-08 11:58:39: @wusel Von daher fänd ich Tablets mit MeeGo spannender. Wobei sich die Qualität da noch zeigen muß.

 

@wusel 2010-04-08 12:00:05: @_refugee_ Wobei Du da auch keine Aktualisierungsgarantie hast – siehe N900-Maemo-Version f. N810 oder kein MeeGo-Release für N900 …

 

@_refugee_ 2010-04-08 12:12:52: @wusel Da kannst Du es Dir aber zur Not “selbst” machen. Und Maemo5 auf dem N810 ohne HW-Gfx-Beschleunigung macht aber auch keinen Sinn.

 

@wusel 2010-04-08 12:16:32: @_refugee_ Dann ist der Punkt aber müßig :) Das Magic auf Eclair/2.0 zu bringen, ist ja auch “möglich”: http://is.gd/bjSeB … Dito Hero.

 
Da sich twitter mit 140 Zeichen nicht wirklich für Erklärungen eignet und auch Dienste wie tweetlonger nicht wiklich helfen, fasse ich meine ablehnenden Punkte bzgl. iPad im Folgenden nochmals zusammen und gebe ferner zum Besten, was ich von einem Pad erwarte: Negativ an Apples Gerät finde ich den Verzicht auf Standardschnittstellen wie (micro-)SD, USB, eine (besser: zwei) Kamera(s), die Verwendung eines neuen SIM-Formates beim 3G-Modell (sodaß keine normalen SIMs verwendet werden können) sowie den niedrig auflösenden 4:3-Bildschirm — neben der aggressiven Politik Apples, die Hardware mit iTunes zu verdongeln. iTunes mag ja toll sein, ist aber ein Fremdkörper im Microsoft-Kosmos und für Linux gleich gar nicht verfügbar (davon abgesehen, daß über den Brückenkopf iTunes Apple ja auch schon mal ungefragt weitere Software auf Windowsystemen installiert, durchaus also als Trojanische Software angesehen werden darf). In meinem Haushalt existiert nur ein natives Windowssystem, ein Netbook mit XP Home. Und da möchte ich bestimmt nicht Apple Rechte drauf einräumen, willkürlich Software zu installieren …
Ein weiteres Problem für mich, wenn vielleicht nicht praktisch so zumindest mental, ist die Zwangsbindung an Apples Moralvorstellungen und fragwürdige Behandlung von Anwendungen in deren AppStore. Als Nordeuropäer sind mir barbusige Menschen weder unbekannt noch ein Greuel, vor deren Anblick im Inhalt eines Magazins muß ich nicht durch kalifornische-verklemmte Späthippies geschützt werden. Und auch die chronische Nachzensur einer App, die für Tage bis Wochen verkauft wurde und dann aus dem Store entfernt wurde – trotz vorheriger aktiver Überprüfung durch Apple vor der Einstellung in den Store –, weil sie innovativ mehr Komfort ermöglichte als es andere 08/15-Apps taten, ist für mich untragbar. Und das sind ja keine Einzelfälle, Apple ist der große Diktator in der von Apple geschaffenen iPod/iPhone/iPad-Welt, belohnt wird der – überteuerte – Preise zahlende Kunde mit Zwangsbindungen an bestimmte Mobilfunkanbieter, die hohe Mobiltarife für die Apple-Hardware verlangen müssen, um Apples Umsatzbeteiligung zu verdienen — und natürlich erstklassigem Eye-Candy. Details wie fehlende Unterstützung von MMS – ein weiterer, von Apple ignorierter, herstellerübergreifender Standard – oder fehlendem Cut&Paste-Support sind keine Mankos, sondern … Features.
Aber genug gelästert über Apple — die mit dem iPad sicherlich wieder Erfolg haben werden. Ich suche sowas wie ein iPad schon lange; ein einfach zu bedienendes Gerät für die Couch, worüber z. B. die Hausautomatisation angesprochen werden kann, womit man bequem surfen kann – alle aktuellen Inhalte eingeschlossen, d. h. also heute auch Videos in H.264 kodiert und HD-Auflösung, eingepackt in Flash –, vielleicht spielen (meine Jüngste mag z. B. gerne Jewels oder Mahjongg) — und unterwegs darf das Pad dann als mobile Glotze dienen, gespeist z. B. von einem – möglichst nicht umgerenderten – TV-Mitschnitt (MPEG-2- oder H.264-Transportstream). Seit Sommer 2008 haben wir ein Netbook der 1. Generation (MSI U100 in der Medion-Variante) im Wohnzimmer für diese Aufgaben, alle Geräte davor, mein Nokia N810 eingeschlossen, hatten zu viele Einschränkungen, um wirklich nützlich zu sein. Doch auch das Atom-Notbook ohne GPU-Beschleunigung für HD-Inhalte ist nicht mehr auf der Höhe; der HD-Offensive der Videoplattformen hat die Hardware nur Rechenleistung aus dem Jahr 2000 entgegenzusetzen — also letztlich nix.
Ein anderes Thema ist eine Couch-taugliche Benutzeroberfläche; die Convertibles waren da ein Fingerzeig in die richtige Richtung aus meiner Sicht, allerdings ist es imho schwierig, eine auf Tastatur- und Maus-Bedienung ausgerichtete UI nur mit dem Finger zu bedienen; anders herum, auf einer »Finger-UI« mit Maus/Trackpad und Tastatur rumzumachen, ist tendentiell einfacher (sieht man von Multitouchgesten, dem neuesten Schrei, mal ab) … Insofern setze ich große Hoffnungen in Android als Pad-Oberfläche, den zumindest auf dem Telefon klappt das ganz gut. Ein Problem auf Android-Telefonen aus meiner Sicht – ich spreche hier von HTC Magic und Motorola Milestone – ist allerdings das, was man eigentlich als Vorteil erwarten würde: Multitasking. Für mich seit Amiga-Zeiten eine Grundvoraussetzung zum Arbeiten, bringt die Kombination von fehlendem oder unzureichendem Resourcenmanagement und fehlender OS-Unterstützung des Nutzers in der Kontrolle mehrerer gleichzeitg laufender Anwendungen das von @tbals genannte Benutzerempfingen: »50% Akkulaufzeit und langsame Apps«. Auch diese Probleme hatte schon mein N810 — und mit Flash wird das insbesondere auf Android-Pads spannend werden, denn mittlerweile surfe ich sogar auf dem recht fetten Desktop bzw. Laptop nur noch mit dem NoFlash-Addon (zusätzlich zu AdBlockPlus natürlich), da ohne schon bei wenigen offenen Tabs die gesammte Rechenleistung eines CPU-Cores verbraten wird.
Ich hoffe daher auf Geräte wie das ADAM, wo zielgerichtete Hardware (Dual-Core ARM, HD-Decoding-Hardware) mit einer Infrastruktur (Android-OS plus – hoffentlich – Android Market) gekoppelt wird, die einerseits den Massenmarkt anspricht, dank aber der Option, Android-Programme auch von beliebigen URLs zu installieren, den Nutzer nicht zwingend an den »Geschmack« des Shopanbieters kettet. Und dank der weiteren Schnittstellen – 2x USB, microSD – kann ich den Speicher erweitern, andere Peripherie anschließen und werde entsprechend auch Filme, Musik vom externen Speicher abspielen können — ohne an einen PC gehen zu müssen und diese erst auf mein Pad zu »synchronisieren«. Kurz: ich habe die Freiheit, das – mein – Gerät zu nutzen, wie ich möchte, andererseits eine Plattform, für die auch Entwickler Programme, teils sicher gegen Entgeld, bereitstellen.
Allerdings, und das hat oben @_refugee_ ja angesprochen, krankt Android aktuell unter einem indiskutablen Versionswirrwarr; anders als Apple, die ja der einzige Hersteller für Hard- und Software für ihre Geräte sind, leidet Googles offene Plattform Android unter der Vielfalt von unterschiedlichen Geräten. Und offensichtlich hat Google – wie seinerzeit Microsoft – übersehen, daß für den Erfolg einer OS-Plattform auch die Updatepolitik ausschlaggebend ist. Das aktuelle Problem faßt Golem.de schön zusammen:

Als Google Android vorstellte, war nicht abzusehen, dass die Gerätebesitzer das gleiche Schicksal ereilen würde wie Käufer von Windows-Mobile-Smartphones. Doch genau das ist eingetreten. Beide Käufergruppen halten bald veraltete Geräte in den Händen, denn es mangelt an Firmwareupgrades.
In Kürze liefert Motorola für das Milestone in Deutschland das lang erwartete Update auf Android 2.1 aus. Damit ist das Milestone eines der wenigen Android-Smartphones in Deutschland, für das die aktuelle Android-Version offiziell angeboten wird. Ansonsten verharren die meisten am Markt befindlichen Android-Geräte bei den Versionen 1.5 oder 1.6 von Android. Neuere Versionen bieten die Gerätehersteller oder die Netzbetreiber einfach nicht an.

 

Lt. Golem bedeutete dies auch, daß Anwender »von entscheidenden Verbesserungen ausgeschlossen« würden; persönlich konnte ich das bei meinem noch auf 1.5 verharrenden Magic (1.6 ist verfügbar, aber da ich mittlerweile zwingend den root-Zugriff auf mein Telefon haben möchte, um Datenübertragung per Bluetooth und Screenshots machen zu können – beides unter 1.5 ohne root nicht möglich, und wg. Screenshots habe ich mittlerweile auch mein Milestone mit 2.0 gerootet –, warte ich noch) noch nicht feststellen, habe aber auch keinen Grund, Golems Angaben in Zweifel zu ziehen.
Angeblich habe Google mittlerweile das Problem als solches auch erkannt; leider allerdings spürt man davon bislang nichts und so haben weiter diejenigen Android-Nutzer das Nachsehen, die brav darauf warten, daß Ihr Vertragspartner – i. d. R. der Mobilfunkanbieter – oder zumindest der Hersteller ihnen zeitnah auch die neusten Produktverbesserungen zukommen läßt. Beim Milestone warte ich nicht länger auf o2, und auch beim Magic werde ich wohl auf einen zusammengemixten Image-Cocktail setzen, sobald die gesamte Hardware unterstützt wird …
Ein interessantes Detail am Rande kam hierzu von @o2myhandy via twitter:

@ralfludwig Danke fürs Feedback – hat nichts mit Branding zu tun. Jedes Android Update muss seperat von Google abgesegnet werden

 
Demnach ist einer der bremsendem Spieler hier Google selbst; ähnlich wie Apple ist also auch Google der zentrale Strippenzieher im geschaffenen OS-Universum. Bedenklich, zumal ja Android auf sehr viel Code aus der GPL-/OpenSource-Welt fußt …