Bevor ich mich im Kommentar-TEXTAREA dort verhaspele, doch lieber ‘nen Kommentar zum WePad-Artikel auf netbooknews.de per Trackback ;)
Das Fake WePad, diese kleine, unfertige David, sei kein Fake:
“Das WePad ist ein Fake!” – So oder so ähnlich lautete die Meinung des einen oder anderen Bloggers und auch Journalisten nach der kürzlich durchgeführten Pressekonferenz, auf der das WePad erstmals öffentlich gezeigt wurde.
Ah, nein, hier muß ich leider gleich reingrätschen: »das WePad« wurde nicht gezeigt; oder wenn, dann ist das gezeigte WePad nicht das, was bislang als dessen Spezifikation verlautbart wurden. Gezeigt wurde, da beißt die Maus nun einmal keinen Faden ab, ein Tablett mit Windows 7, welches ein Video der nicht per Touchscreen durchgeführten Bedienung einer grafischen Oberfläche zeigt. Wenn das, wie grade wieder behauptet, »das WePad« sein soll, dann ist der Name final verbrannt. Weiter:
Der Grund dafür ist so simpel wie dämlich. Auf dem Vorseriengerät aus Taiwan wurde während der Vorstellung lediglich ein Video gezeigt, in dem die Bedienung des Geräts mit dem so genannten WePad OS zu sehen war. Als dann eine Windows-Fehlermeldung gesichtet wurde, war der Beweis für so manchen sensationslüsternen Spezialisten erbracht: das Ding kann ja nur eine Fälschung sein. Dass dem nicht so ist, hat Helmut Hoffer von Ankershoffen, Chef der Neofonie GmbH, die das Gerät zusammen mit der Firma 4tiitoo entwickelt, nun im Gespräch mit uns klar gestellt. Nebenbei hatten wir auch noch die Möglichkeit, einige Hands-on-Fotos anzufertigen. Eines vorweg: Ja, die Bilder zeigen das Gerät im ausgeschalteten Zustand.
Ich weiß ja nun nicht, wer hier mehr blindlings »Argumente« wiedergibt, wer hier sensationslüstern etwas verbreitet, was nur schwer nachvollziehbar scheint: Fakt ist doch, daß das, was Hoffer von Ankershoffen und Co. derzeit verbreiten, nur Durchhalteparolen sind. Das – angeblich – finale Gerät läuft noch nicht/nicht vollständig unter Linux. Das, was Euch gezeigt wurde, konnte nicht richtig getestet werden. Leute, das ist doch Vaporware, was Ihr hier als Tatsache anpreist!
Bei unserem heutigen Gespräch hatte von Ankershoffen das Vorseriengerät dabei, doch wie es bei unfertigen Produkten üblich ist, gab es noch einige Probleme. So hatte der Anschlussstecker für die Stromversorgung bereits reichlich gelitten und deshalb einen Wackelkontakt vorzuweisen. Mit etwas Druck ließ sich dies jedoch ändern, so dass wir das Gerät auch in Aktion vorgeführt bekamen. Ausgerechnet als es daran ging, das Interface genauer unter die Lupe zu nehmen, versagte allerdings das noch in der Entwicklung befindliche WePad OS seinen Dienst und wollte erst einmal eine Prüfung seines Dateisystems durchführen.
Respekt, ich habe wirklich lange kein Linuxsystem mehr gehabt, welches mitten im Betrieb zum fsck schreiten möchte. Überhaupt, welches FS findet denn Verwendung? Für Flash bietet sich imho klar UBIFS an — wenn denn die Hardware dafür ausgelegt ist ..? Naja, wirklich Pech, daß das grade so lief … oder vielleicht, wie der angeblich so »gut touchtende« Touchscreen, auch nur eine bequeme Ausrede?
Fakt ist, Sascha und ich haben das WePad inklusive seines Betriebssystems in Natura und vollkommen live betatschen dürfen. In Kürze soll es eine zweite Chance geben, dann inklusive Touchscreen-Bedienung, denn bisher muss immer eine Maus genutzt werden.
Bitte, welches Gerät habt Ihr denn da nun gehabt, diesen Fake vom Montag oder das – scheinbar funktionsfähige – Gerät, mit welchem in dem überraschen niedrig aufgelösten Video gezeigt werden soll, daß es tatsächlich was mit Touchscreen gibt? Den Bildern nach das FakePad vom Monat; und da ist schon nach nicht einmal einer Woche die Stromversorgung im Eimer? Auch bemerkenswert, oder?
Freut euch auf die nächste Woche, denn dann wird’s richtig interessant.
Oh, wie sind wir denn so schnell und unbemerkt in den WePad-Channel auf facebook abgeglitten?
Generell sollte man sich lieber selbst ein Bild machen, bevor man den Unsinn glaubt, den gestresste Journalisten kurz vor Redaktionsschluss zusammen husten oder manche Blogger als Click-Bait streuen. Punkt. Wer sich die Videos von der Pressekonferenz ansieht, sieht auf den ersten Blick, dass es sich um ein Demovideo handelt – was auch im Rahmen der Präsentation so gesagt wurde – schließlich sind die Effekte beim Übergang zwischen den einzelnen Sequenzen deutlich zu erkennen. Da braucht’s dann auch keine Fehlermeldung mehr.
Oh, nein, mein Lieber. Es ist ein gravierender Unterschied, ob auf einem portablen Videoabspieler eine vorproduzierte Demo läuft — oder dies auf der Zielhardware und -OS geschieht. Wenn ich Videoperformance eines x86-Gerätes begutachten will, nehme ich sicher ein aktuelles Windows mit allen aktuellen Herstellertreibern, denn schon HD ready stellt ein Linux, welches keinerlei spezialisierte Unterstützung für die konkrete Grafikhardware hat, vor unlösbare Probleme – ever tried »mplayer -vo x11«?
Daß man das Video eben nicht auf der Zielplattform mit dem Ziel-OS (welches derlei können muß!) abspielte, sondern sich Windows bediente, wurde m. W. nicht erwähnt. Und ja, daß es sich um eine dilletantische Demo handelt, sieht man. Und man darf natürlich schlußfolgern daß, wenn jemand einen Screencast für ein Touchscreen-UI mittels Trackpad/Maus durchführt, eben genau die Touchscreen-Hardware noch nicht funktionsfähig ist.
Was mir bei diesem bezahlt klingenden Bericht fehlt, ist die gesunde Portion Skepsis, die ein Berichterstatter der Sache, über die er berichtet, entgegenbringen sollte. Was da zu lesen ist, ist neofonie-PR, keine kritische Auseinandersetzung mit dem Gerät und den – zwingend zu beachtenden – Umständen. Schade.
