Dienstag vormittag erfuhr ich von dem Gerücht, die Telekom würde die Bandbreite zum YouTube-beherbergenden Netz nicht bedarfsgerecht aufstocken, weshalb YouTube von (DSL-) Anschlüssen des Rosa Riesen aus mehr häufiger denn nicht »unspaßig« sei.
Nun, wie schon geschrieben, falls dem so wäre – und im Jahre 2011 hätte ich derlei von einem so großen wie wichtigen Anbieter einfach nicht mehr erwartet – würde es ein Phänomen erklären, was schon zu 85% per Hardwareupgrade zu lösen beschlossen war: Auf dem Familien-/Wohnzimmer-Netbook, erste Generation, sei YouTube immer ein Geduldsspiel. Nun, ich habe dessen Minderperformance vor einem Jahr schon thematisiert — allerdings routete ich seinerzeit noch anders, sodaß das die fehlende Bandbreite bei der Telekom hier nicht zum Tragen gekommen sein dürfte.
Ein Problem bei YouTube ist natürlich die Meßmethode — wie mein alter Physik- und E-Technik-Pauker nicht müde wurde zu betonen: wer viel mißt, mißt Mist. Klick im Browser fällt also flach; das geht ohne Meßirritation auch nicht via Remote.
Aber zum Glück gibt es ja youtube-dl. Als Referenzmessung damit schon einmal der Download des Raabschen Auftritts beim ESC, hier aus Berlin (16 MBit/sec ADSL2-Link (13 MBit/sec derzeit nur noch lt. Fritzbox) von Alice, also Hansenet-/Telefónica-Backbone – allerdings geht das über einen OpenVPN-Tunnel nach Gütersloh, d. h. der Internetzugangsprovider hier ist mein PI im Telefónica-Netz):
wusel@berlin:~$ youtube-dl http://www.youtube.com/watch?v=grMLUCkbcrY [youtube] Setting language [youtube] grMLUCkbcrY: Downloading video webpage [youtube] grMLUCkbcrY: Downloading video info webpage [youtube] grMLUCkbcrY: Extracting video information [download] Destination: grMLUCkbcrY.mp4 [download] 100.0% of 210.70M at 1.02M/s ETA 00:00
Da parallel die Doctor Who-Folge vom Samstag mit 2,5 MBit/sec aus Gütersloh auf meinen VDR hier in Berlin kopiert wurde, ist das wohl erst einmal recht nah am »Linespeed«. Vergleichsmessung mit bis auf Grundrauschen leerer Alice-Leitung:
[download] 100.0% of 210.70M at 1.15M/s ETA 00:00
Also kein Einzelfall :-)
In Gütersloh nutze ich ein geteiltes Setup; interne und Geräte wie Telefone, Tablets, Windows arbeiten in einen RFC1918-Addressraum, der auf dem Router dann auf die T-VDSL-Public-IP genatttet wird. Linux-Laptops, Server u. dgl. haben eine Adresse aus meinen PI-Netzen, die über die T-VDSL-Anbindung ebenfalls ins RZ Gütersloh getunnelt und dort dann ins Netz geht — mit der Wirkung, daß ich zwar innerhalb Deutschlands das Telekom-Netz nutze (strenggenommen nur VDSL-GT bis Übergabepunkt zu Telefonica (dem Trace nach meistens Berlin oder Düsseldorf) und ab da dann schon nur noch Telefonica). Allerdings endet der VDSL-Tunnel im RZ noch auf einem Dual-P3 1,4 GHz in einer VM, die Anbindung Berlin terminiert auf einem 2,x GHz-Xeon-System, ohne VM-Overhead. Außerdem ich die Anbindung in GT mit einer Grundlast inbound von ca. 4-5 MBit belegt, die Werte müssen daher nicht zwingend soo viel besser sein als in Berlin :-)
Messung also aus Gütersloh, Internet-Übergang Telefonica:
[download] Destination: grMLUCkbcrY.mp4 [download] 100.0% of 210.70M at 889.08k/s ETA 00:00
Hernach habe ich 74.125.0.0/16, den Bereich, in dem sich derzeit YouTube-Server für mich befinden, auf das direkte NAT zur Telekom umgeroutet, mit diesem Ergebnis:
GT_via_T-VDSL:~$ ./youtube-dl 'http://www.youtube.com/watch?v=grMLUCkbcrY' [youtube] Setting language [youtube] grMLUCkbcrY: Downloading video webpage [youtube] grMLUCkbcrY: Downloading video info webpage [youtube] grMLUCkbcrY: Extracting video information [download] Destination: grMLUCkbcrY.mp4 [download] 100.0% of 272.53M at 784.04k/s ETA 00:00
Spannende Frage: warum ist die Datei für T-Kunden größer als für den Rest? Und warum bei der Vergleichsmessung über Telekom wieder nicht mehr‽
GT_via_T-VDSL:~$ ./youtube-dl 'http://www.youtube.com/watch?v=grMLUCkbcrY' [youtube] Setting language [youtube] grMLUCkbcrY: Downloading video webpage [youtube] grMLUCkbcrY: Downloading video info webpage [youtube] grMLUCkbcrY: Extracting video information [download] Destination: grMLUCkbcrY.mp4 [download] 100.0% of 210.70M at 682.19k/s ETA 00:00
Um zu zeigen, daß hier wirklich auf die Anbindungsgeschwindigkeit abgestellt wird, ein Test direkt von einem mit 100 MBit/sec angebundem Server:
[download] Destination: grMLUCkbcrY.mp4 [download] 100.0% of 210.70M at 7.35M/s ETA 00:00
Und GBit sieht so aus:
[download] Destination: grMLUCkbcrY.mp4 [download] 100.0% of 210.70M at 22.15M/s ETA 00:00
Hier schlägt übrigens auch die Anbindung nach Berlin auf.
Da dies lastabhängig ist und gegen Mitternacht das Gros der T-Kunden schon schlummern dürfte, werde ich das mal tagsüber verifizieren …
Ein anderer lustiger Aspekt: per Proxy geht’s besser als direkt:
GT_via_T-VDSL:~$ http_proxy=http://www-proxy.t-online.de ./youtube-dl 'http://www.youtube.com/watch?v=grMLUCkbcrY' [youtube] Setting language [youtube] grMLUCkbcrY: Downloading video webpage [youtube] grMLUCkbcrY: Downloading video info webpage [youtube] grMLUCkbcrY: Extracting video information [download] Destination: grMLUCkbcrY.mp4 [download] 100.0% of 210.70M at 1.29M/s ETA 00:00
Im Vergleich zu …
GT_via_T-VDSL:~$ ./youtube-dl 'http://www.youtube.com/watch?v=grMLUCkbcrY' [youtube] Setting language [youtube] grMLUCkbcrY: Downloading video webpage [youtube] grMLUCkbcrY: Downloading video info webpage [youtube] grMLUCkbcrY: Extracting video information [download] Destination: grMLUCkbcrY.mp4 [download] 100.0% of 210.70M at 819.63k/s ETA 00:00

