Kamikazekommunikatoren und Domaingrabber — Harte Bandagen bei den Studentenverzeichnissen

Irgendwie ist es ja fast witzig. Wie dittes.info berichtet, wurde die Domain unister.at nicht, wie man erwarten würde, auf den Studivz-Konkurrenten unister.de, sondern auf »Dennis Bemmann« von der »Studivz Ltd.« eingetragen:

So habe ich heute eine E-Mail bekommen mit folgendem Inhalt:

“Momentan fragt man uns noch nach der Konkurrenz. In ein paar Monaten wird das nicht mehr der Fall sein, dann wird es nämlich keine mehr geben.” (Zitat des StudiVZ-Gründers Dariani publiziert in sueddeutsche.de, 23.10.2006) – StudiVZ gibt sich gegenüber der Öffentlichkeit gern siegessicher.
So lässig, wie sich die Crew von StudiVZ gibt, ist sie anscheinend nicht. Unter anderem fürchtet man offensichtlich das mittlerweile inhaltlich und funktional gut aufgestellte Studentennetzwerk Unister.de, sonst hätte StudiVZ nicht die österreichische Domain unister.at gekauft, um uns in unserer Erreichbarkeit für österreichische Studenten zu beschränken. Indes melden sich Studenten österreichischer Hochschulen bei unister.de an.

 

 
Der aktuelle Status der Domain unister.at kann online abgerufen werden.
Ich finde, das ist schon ziemlich starker Tobak. Sei es, wie es den Anschein hat, daß Studivz der unliebsamen Konkurrenz — funktioniert dort eigentlich die Technik und die Vertragsabwicklung? — die österreichische Domain abspenstig machte, sei es, daß ein Dritter durch Falschangaben bei der Anmeldung genau diesen Anschein erwecken wollte: was müssen da für Investorensummen im Raum stehen, daß jemand beim doch mittlerweile eher gefestigten Richterrecht bzgl. Domains solchen Unfug anzettelt?
Randnotiz: studivz.eu hält eine Frau aus Berlin (»Hier entsteht eine neue Internetpräsenz«), unister.eu endet bei text-koenig.de. Für Studentenportale mit europäischen Ambitionen in meinen Augen ein recht schwaches Ergebnis.
[UPDATE 23:05] Wie www.basicthinking.de berichtet, ist auch ein weiterer Konkurrent, StudyLounge, mit der Domain StudyLounge.co.uk Opfer der Domainsammelwut der Studivz-Gründer geworden. Während bei unister.at Dennis Bemmann als Domaininhaber fungiert, tut dies für studylounge.co.uk »Non-UK Individual« Michael Brehm (Anmeldung bei openBC erforderlich; pikante Alternative). Nennt man das Arbeitsteilung?
Bemerkenswert sind die Daten, die studylounge.co.uk-Entführung datiert auf den 02.05.2006 (»Renewal date: 02-May-2008«!), unister.at hingegen sogar erst auf den 31.08.2006 — angesichts dieser Daten fällt es mir unwahrscheinlich schwer, darin etwas anderes zu sehen als den, ggf. kostspieligen und letzten Endes fehlschlagenden, aber für die Gegenseite derweil zeitraubenden, Versuch, der Konkurrenz Knüppel zwischen die Beine zu werfen.
Vielleicht hätte sich der Verantalter des »Online Stars« sich vorab gründlicher über die Kandidaten informieren sollen — Aberkennung ob solcher Geschäftspraktiken wäre aber mal ein offensiver, wenngleich später, Schritt. YMMV …

/ignore this …

*seufz* Warum finde ich nicht einmal Software, die einfach so tut? (Dies ist eine rhetorische Frage.)
Ok, so be it. Simple PHP Blog, was ich hier einsetzte – da es auch im Header steht, verrate ich damit hoffentlich keinen Angriffspunkt … –, hat augenscheinlich ein Problem mit Trackbacks; initial wurde immer ein ‹?› an den Querystring gepappt, was u. a. WorldPress mit einem Fehler quittierte.
Nachdem ich dieses Problem im Code fixte, stolpere ich nun über Bloger, die den »n Trackbacks«-Link als Trackback-URI speichern — leider scheint das mein SPHPBLOG nicht zu fressen …
Dieser Artikel dient als Trackback-Target, bitte ignorieren ;)

Hype2.0 — YouTube, MyVideo, WessenKohle.

Kohle, Zaster, Geld. Geschäftsmodell. Dinge, die im Hype2.0 eine Rolle spielen.
Ungeachtet aktueller BOOs (»youtube: Jetzt wirds schmutzig«), wonach es beim YouTube-Google-Deal noch ein paar Details am Rande gegeben haben soll: warum zahlt irgendwer für etwas wie YouTube oder auch (ProSiebenSat.1) für MyVideo richtig Geld?
Anders gefragt: was ist das Geschäftsmodell von YouTube oder dessen deutschen »Adpationen«? Die aktuellen »Top 100« von MyVideo spricht für sich:

  1. Porn Wars. ;-)
  2. Adolf allein in Berlin
  3. Auto-Sex
  4. La Bomba
  5. Manga X
  6. Voll Assi Toni die Wahrheit …
  7. dumme schülerin
  8. Gelbe Karte
  9. Schneller Hamster
  10. Geile Optik
  11. geile Sau!!! sooooo fe…
  12. Schwuler Schirie
  13. Stark
  14. Ehe kann so schön s…
  15. bi ba bumse biene
  16. The Lion sleeps tonight VOLL…
  17. The Sweetest Thing
  18. ICE AGE 3
  19. Xavier Naidoo Danke Deutschl…

Diese »hier eingestellten Inhalte« »von privaten Nutzern« sind entweder TV-Werbesports bzw. sonstige TV-Mitschnitte aus dem In- (RTL-Freitag Nacht News, TV total, …) und Ausland, Musikvideos mit und ohne Senderlogo — oder, wenn das Videomaterial »privat« sein sollte, mit handlesüblicher, d. h. nicht zur Aufführung bzw. Sendung im Internet freigegebener, Musik unterlegt. Die wenigstens »Top«-Clips erscheinen nicht erst auf den zweiten Blick rechtlich unproblematisch; bei selbstgedrehten Szenen, z. B. mit den höllisch unscharfen Kamerahandys, stellt sich u. a. die Frage, ob alle Personen der Veröffentlichung der meist peinlichen Szenen zugestiimt haben. Jugensschutz ist ein weiteres Thema — ohne Zugangskontrolle erscheint es mir fraglich, ob alle Bestimmungen des Jugendschutzes eingehalten werden können.
Streichen wir im Geiste mal alle rechtlich fragwürdigen Clips auch bei MyVideo, was bleibt dann noch? Auch Bundesliga-Schnipsel soll es, nach dem Willen der DFL, auf YouTube, clipfish usw. bald nicht mehr geben.
Fragt sich nur, ob die Rechnung gegen die Rechteinhaber für die Samwer-Brüder noch aufgehen wird. heise online schreibt in dem Zusammenhang:

[…] MyVideo soll seinen Hauptsitz in Bukarest haben. Vermutlich ist das besser so, denn ähnlich wie bei YouTube flimmert hier auch allerhand urheberrechtlich geschütztes Material über den Computerbildschirm. Gesteuert wird das Unternehmen aber vermutlich eher aus der Berliner Rosenthaler Straße. Im berufs-hippen Bezirk Mitte sitzt die Magic Internet GmbH, die laut offizieller Version MyVideo in Deutschland als Mediaagentur “betreut”. […]
Der Focus ist diesen Hinweisen nachgegangen und hat einmal recherchiert, was in der deutschen Blogosphäre schon seit Monaten gemunkelt wird. Vollmanns magische Internetbude soll drei Gesellschaften als Teilhaber haben, Aragon, Aramid und Troja. Hinter jeder der drei Firmen soll den Focus-Angaben zufolge ein Samwer-Bruder stecken. MyVideo bestätigte gegenüber dem Magazin lediglich, dass neben der ProSiebenSat.1 Media, die vor Kurzem mit einem Drittel bei dem Videoportal eingestiegen war, noch ein “Business Angel” beteiligt sei, der aber anonym bleiben wolle.

 
Der offensichtliche Reiz dieser Videoportale liegt bei der Masse der Nutzer wahrscheinlich nicht darin, sich sonderbare Interviews in der S-Bahn anzusehen — Videoclips sind auch bei YouTube deutlich höher im Kurs.
Ohne atraktivem Content aber werden die Nutzer wegbleiben, die registrierten, ggf. später mal für einen monatlichen Obulus zu gewinnenden, Nutzer aber sind doch das einzige Kapital die dieser sog. »Communities«?
http://www.gugelproductions.de/blog/ schreibt:

[…] Bisher gibt es auch noch kein Beispiel, das zeigen könnte ob ein Videohoster eine lohnende Akquisition für einen Fernsehsender ist. Ich bin gespannt wie lange noch RTL-Inhalte auf MyVideo zu sehen sind und vise versa. Natürlich lohnt es sich prinzipiell immer traffic-starke Seiten zu kaufen, wie Murdochs Schritt mit MySpace eindrucksvoll bewiesen hat, aber ob das Publikum mit zwei Millionen Videoaufrufen bei MyVideo schon groß genug ist werden wir sehen.

 
Es bleibt also spannend; rettet jemand den »business angel« oder sind die Rechteverwerter ausnahmsweise mal schneller?

Zensor — die Dunkle Seite des Ehssan Dariani?

Hmm, Meinungsvielfalt ist kein Kernanliegen bei Studivz, oder wie anders sind Ehssans Ergüsse zu begreifen?

3) Kommentare von ungeeignetem (z.B. beileidigen Dritter) Inhalt oder absurde Spekulationen nach dem Muster des Herrn Peter Turi haben keinen Mehrwert für die Leser dieses Blogs, verärgern bloss die Leute und mich und führen zu schlechter Laune oder weiteren unsachlichen oder falschen Spekulationen. Diese und andere Themen können auf anderen Seiten/Blogs/Foren ausgetauscht werden.

 
Latent spannend dabei ist, daß Ehssan noch am 24.10., als er den Hoster vorführen wollte, keine Angst vor »unsachlichen oder falschen Spekulationen« verspürte.
Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein, gezielte Unschärfen erscheinen mehr als ein Stilmittel denn als ein Versehen.
»Bitte nehmt nicht alles, was ihr in der Presse lest für wissenschaftlich fundiert!« heißt es in einem vorangegangenen Ehssan-Blog-Eintrag.
Mit mindestens genausoviel des sprichwörtlichen Salzes sind dann auch die Beiträge im bewußten Blog zu werten — selektiv und subjektiv wird die einzige Wahrheit rübergebracht, die nicht »zu schlechter Laune oder weiteren unsachlichen oder falschen Spekulationen« über das einem Finanzierungskonzept harrende Projekt Studiverzeichnis führen.
Wo früher kritische Stimmen hätten final draußen bleiben müssen, greift heute die weltweit vernetzte Blog-Community und sorgt für einen Ausgleichsansatz:
Kommentar auf http://www.henningschuerig.de/blog/:

[…] Die Selbstbeweihräuchrung der man sich von Seiten des StudiVZ für einen größtenteils 1:1 Klon einer US Seite hingibt und die unerträgliche bis ätzende Öffentlichkeitsarbeit die Herr Dariani auf dem StudiVZ Blog betreibt ist einfach nur fraglich. Die technische Realisation ist offenbar ein Desaster – die Seite ja offensichtlich kaum zu erreichen. Und auf der Wikipedia geht die PR Schlammschlacht wohl weiter.
Schade, schade.

 
http://customerofhell.twoday.net/:

[…] Dazu ist zu sagen, dass es für mich sehr unprofessionell wirkt, wenn ein Unternehmen, dass Studi VZ ohne Zweifel ist, in einem Weblog öffentlich über Geschäftsbeziehungen berichtet und Geschäftspartner massiven Beschuldigungen aussetzt. Egal ob die Anschuldigungen stimmen oder nicht, Ehssan Dariani blogt nicht als Privatperson, sondern im Namen von StudiVZ. An Stelle des Hosters hätte ich ernsthaft überlegt meine Anwälte loszuschicken. […]

 
http://www.basicthinking.de/blog/:

Willkommen in der Unternehmenswelt 1.0, StudiVZ-Blog verkündet das Kontrollieren der Heilsbotschaft: […] Nicht nur, dass Ihr offenkundig eine Copycat seid, ohne den Anstand zu haben, auf Eurer Seite den Usern mitzuteilen, wo Eure tolle Idee herkommt, nicht nur, dass Ihr in Interviews arrogant seid, nicht nur, dass ihr haarscharf an einer braunen Katastrophe vorbeigeschliddert seid, nicht nur, dass ihr nicht davor zurückschreckt, andere Blogger gegen Eure Konkurrenten vorzuschicken, nicht nur, dass ihr den Usern irgendeinen Schmarrn von “Ziel dieses Projektes ist es […]” erzählt (glaube kaum, dass Euch die Anliegen der Studenten am Herzen liegen, seien wir mal ehrlich, Euer Lebensinhalt ist eine Zahl mit vielen Nullen), nun das. very, very bad style

 
http://www.sichelputzer.de/:

Wow! Web 2.0, Kommunikation, Community, Meinungsäußerung… Darf man soetwas schreiben, wenn man in der respektvollen Hochschullandschaft innerhalb der Kernzielgruppe “Studenten” mit einem (kopierten) Businessmodell auch Fuß fassen möchte? […]

 
http://fimpern.de/:

Talk to the hand – keiner hatte das besser raus als Schwarzenegger in Terminator III. Keiner? Vielleicht doch einer. Jedenfalls muss ich mich offensichtlich an die neuen Kommunikationsformen unter Gründern gewöhnen. Scheinbar kommuniziert man lieber nach aussen – eingehende Kommunikation ist da eher sekundär und kann auch mal unter den Tisch fallen: […] Das ist dann aber schon nicht mehr Kommunikation, sondern eher ein Kommuniqué. Auch wenn Zensur dafür ein grosses Wort ist.

 
http://fx3.org/blog/:

[…] Selbst bei uns im Medienlabor, fraglos ein Kulminationspunkt wissenschaftlichen Strebens nach Erkenntnis und Weisheit, dürfte der Facebook-Clone StudiVZ inzwischen nach GMX und der Wikipedia zu den meistbesuchten Webseiten gehören.
Ist ja grundsätzlich auch kein Problem, solange man kurz darüber nachdenkt, welche persönlichen Daten man mit dem Internet teilen möchte (Nichts gegen ein Bekenntnis zu radikalideologischen Theorien, Bilder vom letzten Eimersaufen oder engagierte Diskussionen über effizienten Drogengebrauch. Personaler wissen gerne, woran sie sind). […]
Schaut man sich Kommentar-IDs der letzten Beiträge mal etwas genauer an, sieht man, dass es zur Zeit weniger als 50% der abgegeben Kommentare bis ins Blog schaffen. Mag sein, dass ein Großteil davon Spam ist, aber ich bin nicht der einzige, der sich über eine „Zensur“ wundert.

 
http://www.unfehlbar.net/index.php:

[…] Nachtrag:
Die Betreiber des StudiVZ reagieren offenbar empfindlich auf Darstellungen, die nicht ins gewünschte Selbstbild passen. Im StudiVZ-Infoblog heißt es heute jedenfalls, dass Leser-Kommentare sowie Trackbacks von anderen Blogs zur Vermeidung “absurder Spekulationen” zensiert werden.
Hingewiesen sei an dieser Stelle auch auf die folgenden beiden lesenswerten Artikel:
* Buch Blog: Verletzlichkeit der Geschäftsmodelle im Web 2.0
* Basic Thinking Blog: Das Wachstumsgeheimnis von StudiVZ

 
Sicherlich kein repräsentativer Querschnitt — ein schneller Klick zu http://www.technorati.com/ ist sicher angebracht.
Zwischenzeitlich hat sich auch Ehssan Dariani geäußert:

[…]- blogger gegen konkurrenten vorschicken?? das ist eine behauptung im unschönen stil der boulevard presse und nicht fair, da es keine möglichkeit gibt sich gegen tendenziöses sachlich zu wehren. […]

 
Komisch, daß die Unfairness erst auffällt, wenn es die eigene Person betrifft. Fraglich bleibt, ob diese Erkenntnis sich in der weiteren Einwegkommunikation seitens »Projektpusher« Dariani niederschlägt – oder er sich weiter als kamikazekommunizierender Gründer zeigen wird.

Mein Hut, der hat sechs Ecken …

Ach herrje, man sollte nicht mehr googlen:. Da findet man sonst Dinge heraus, die man eigentlich gar nicht wissen will — wie zum Beispiel das Mainpost-Interview zu Studivz: »Plattform-Betreiber Dariani ist überzeugt: “Jeder kennt die ganze Welt über maximal sechs Ecken”.«
Scheibenkleister, diese “6 Ecken” sind mir heute doch schon mal über den Weg gelaufen? *grübel*
Ah, ja! Bei openBC steht das auch: »openBC basiert auf der Idee, die Kontakte der Kontakte sichtbar zu machen und diese wiederum mit dem eigenen Netzwerk zu verknüpfen. Die Theorie “Jeder kennt jeden über sechs Ecken”, findet hier ihre praktische Übersetzung.«
Hmm. Studivz ist »nur« ein openBC-Klon? Zumal Studivz selbst ein Klon (von Facebook) ist — wenn das Klon-Schaf Dolly noch erlebt hätte …