Die häßliche Seite eines »Online Stars 2006«

Eigentlich war es ja abzusehen — die Kombination Klon-Import eines in USA erfolgreichen Community-Konzeptes, himmlische Hilfestellung durch die Samwer-Brüder und Junge Gründer barg es in sich: kometenhafter Aufstieg (nach Selbstdarstellung von Null auf 900.000 Mitglieder in einem Jahr), Technikprobleme, Größenwahn Online Star 2006!
Der Olymp ist erreicht. Oder der Zenit überschritten?
Denn nun wird’s schmutzig: von »beleidigten Dritten« wie zum Beispiel nicht freundlich genug schreibenden Journalisten und anderen möchte man im offiziellen StudiVZ-Blog nichts mehr veröffentlichen; ist das Zensur oder nur das gute Recht eines Blogbetreibers?
Zwischenzeitlich sah sich Ehssan Dariani »Unfairness« ausgesetzt; manches empfindet man gegen sich gerichtet wohl weniger lustig, als wenn man selbst am Abzug, pardon, Keyboard sitzt (vielleicht wieder mal in einem Cafe)?
Ungünstig, daß ausgerechnet jetzt diese Sache mit dem »dummerweise« passierten, fast schon massenhaft zu nennenden, Domaingrabbing von Domains der Studivz-Konkurrenten unister und StudyLounge publik wird. Das gibt mal wirklich schlechte Publicity.
Außerdem reiten immer mehr auf dieser lästigen Clone-or-Copy-Frage rum, stellt jemand die Stalker-Möglichkeiten im StalkStudivz bloß, ja, unverblümt wird sogar ein »EXACT _clone_ of www.studivz.net very urgend« gesucht (noch 21 Tage — any takers?).
Alles nicht so charmant für den Online Star-Preisträger; aber kommt es von ungefähr? Ist es gar eine unfaire Kampagne?
Ich denke nicht. Schauen wir uns kurz den bislang letzten Akt des PR-Gaus um Dariani, Bemmann und Brehm an:

Hallo,
hier ist Michael. Robert, auch Dir gebe ich Recht, die Aktion mit den Domains, war nicht gut und tut mir auch in diesem Zusammenhang leid. Ich sehe schon, dass ich noch viel lernen muss, kann Dir aber versichern, dass ich gerade einige sehr schmerzhafte Lektionen bekomme. Allerdings möchte ich auch sagen, dass ich Christoph alle Domains angeboten hatte, als er mich angeschrieben hatte. Er hat damals abgelehnt alle Domains zu übernehmen. Ja, ich hätte ihm auch einzelne Domains anbieten sollen, das habe ich nun nachgeholt. […] Zum Hintergrund nur noch dies: Als ich die Domains registriert habe, haben wir noch zu dritt aus dem Wohnzimmer gearbeitet und fanden die Idee lustig, dass Leute, die viele Internetprojekte gemacht haben vergessen hatten, sich wichtige Domains zu sichern. Im Nachhinein war das wohl ein Fehler.

 
Hallo? McFly? »Allerdings möchte ich auch sagen, dass ich Christoph alle Domains angeboten hatte«? Wieso »angeboten«, warum nicht einfach alle freigegeben? Wie schon festgehalten, die studylounge.co.uk-Entführung datiert auf den 02.05.2006 (»Renewal date: 02-May-2008«!), unister.at hingegen sogar erst auf den 31.08.2006. Da war das noch alles aus dem »Wohnzimmer«? Hmmm … Die Gründung wird auf Oktober 2005 datiert, 10 Monate später sitzt man also noch zu dritt im Wohnzimmer, im Oktober 2006 aber sind es schon »über 30 Mitarbeiter«. Wie war das doch?

Dariani: […] Wir dürfen Meinungen nicht zensieren, auch wenn sie uns persönlich nicht passen. Die Grenzen setzt der Gesetzgeber. Es gibt bei uns eine liberale Atmosphäre – aber kein Appeasement.

 
Mittlerweile sieht er das offensichtlich anders.

Dariani: […] Alle Daten bleiben bei uns. Vertrauen ist unser wichtigstes Kapital.

 
Ich warte dann also gespannt auf die vertrauensbildende Maßnahme der Veröffentlichung des Mietvertrages mit Datum nach dem 31.08.2006 für die Schlegelstraße 26a, 10115 Berlin.
Allerdings frage ich mich dann, wieso es in der Pressemitteilung vom 06.07.2006 heißt:

Während die Gründer in den ersten Monaten noch von zu Hause aus das Projekt entwickelten und sich zu Meetings in Cafés trafen, beschäftigen sie nun bereits 25 Mitarbeiter in ihrem Berliner Büro.

 
Mittlerweile weist das Impressum übrigens die Saarbrücker Str. 38, 10405 Berlin aus.
Spannennd auch die Erwiderung Christoph Bergers von www.studylounge.de:

Michael, Du hast mir Mitte September insgesamt 34 Studylounge/Studilaunge/Studylaunge-Domains zum Kauf angeboten. Und nur alle als ein großes Paket – für das du einen 4stelligen (!) Betrag haben wolltest. Mit der Begründung, dass das in etwa der Betrag war, den Dich die Registrierung damals selbst gekostet hast. Und Ende September meintest Du noch wörtlich, dass Du einzelne Domains nicht abgeben wirst…
Aber auch jetzt, nachdem eure Wild-West-Domainregistriererei schon einige Wellen geschlagen hat, scheinst Du leider wohl immer noch nicht kapiert zu haben, um was es hierbei eigentlich geht. Wie sonst soll ich mir erklären, dass Du mich in Deiner Email gestern gefragt hast, an welchen Domains ich interessiert sei? Ich solle Dir diese nennen und du würdest die dann freigeben.
Aber so läuft das nicht!
Du hast Dir Domains gesichert, die Du in meinen – und nicht nur in meinen – Augen nicht zu haben hast. Und ich bin auch nicht bereit, für eine Domainübernahme Geld an den Grabber zu zahlen. Sorry, aber Domaingrabbing=Cash burning!
Auch wüsste ich absolut keinen Grund, Dir eine Liste mit Domains zu nennen. Warum? Damit du andere dann behältst?
Gib einfach alle Domains frei, die Du „gegrabt“ hast! Und bitte komm nicht in paar Wochen mit „Ach, die hatte ich damals vergessen freizugeben…“!

 
Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Bemmann/Brehm haben Domains der Konkurrenz an sich gerissen; für die Freigabe nun noch Geld zu fordern, das … erscheint … dreist. Vorsichtig formuliert. Oder war der Domainverkauf vielleicht Plan B, falls das VZ nicht so einschlagen sollte wie erhofft? Wie so vieles, wird auch dieses wohl nie endgültig zu klären sein. Und das ist schade, nicht nur für den Online-Star-2006-Preisträger Studivz …

Nummer 6 lebt: Yahoo röhrt nun auch deutsch.

Super. Mir ist zwar noch immer unklar, wie sich diese lustigen Video-Upload-for-free-Portale finanzieren (wollen), aber gut, bei so großen Namen wie Google oder Yahoo ist das dann vielleicht auch nebensächlich.
Begrüßen wir also nun auch Yahoo in der illustren Runde derer mit deutschsprachigem Videoportal — heise online schreibt dazu:

Yahoo ist mit seinem Angebot keinesweigs allein im Internet: Neben Yahoo bieten bereits Google, Sevenload, Clipfish, MyVideo und Dailymotion deutschsprachige Video-Seiten an.

 

StayFriends — Kommunikation nur gegen Cash

Geld verdienen mit der aufgebauten Community — tendenziell ist dagegen ja nichts einzuwenden. Bei openBC konnte man mich zum Upgrade auf einen zahlenden »Premium«-Account bewegen, indem man es dem kostenlosen Basisaccount verwehrte, eigene neue Nachrichten zu schreiben; lesen hingegen konnte ich die an mich geschickten Nachrichten.
Ganz anders hingegen StayFriends; dort kann man munter Nachrichten verschicken, der Betreff allerdings ist nur aus einer Liste vorgefertigter Texte auswählbar — zugegebenermaßen mit Hinweis auf die potentielle Unlesbarkeit beim Empfänger:

Hinweis:
Ihre Nachricht wird beim Empfänger hinterlegt. Ihr Name als Absender und der gewählte Kurzgruß sind sofort sichtbar.
Die ganze Nachricht kann $EMPFÄNGER erst lesen, wenn einer von Ihnen die Gold-Mitgliedschaft erworben hat.

 
Schön — gelesen, vergessen. Klickt der mit einer solchen Nachricht Beglückte dann im Posteingang auf Betreffszeilen wie »Laß mal was von dir hören!«, kommt die große Enttäuschung:

Leider können Sie diesen kostenpflichtigen Service nicht im vollen Umfang nutzen.
Damit Sie Nachrichten lesen und beantworten können, muss einer der beiden Teilnehmer eine Gold-Mitgliedschaft besitzen.
Sobald Sie oder $ABSENDER Gold-Mitglied sind, können Sie bereits empfangene Nachrichten lesen und weitere Nachrichten austauschen.

 
Und da dieses Konzept konsequent durchgehalten wird, …

Spitzname:
[Der Spitzname wird ihnen als Gold-Mitglied angezeigt]
Meine Hobbys:
[Die Hobbys werden ihnen als Gold-Mitglied angezeigt]

 
… ist Kommunikation der Mitglieder untereinanger nur möglich, wenn wenigstens einer der beiden sich diese tolle »Gold-Mitgliedschaft« kauft.
Gretchenfrage: bleibe ich als Karteileiche drin oder lasse ich meine Daten lieber komplett löschen? Vom Ansatz her finde ich StayFriends ja nett, auch verstehe ich den Wunsch, die Ausgaben für das Angebot mit Einnahmen kompensieren zu können (Bannerwerbung o. ä. sehe ich jedenfalls keine) — aber diese Art der Nötigung, doch mal bitte sich ‘nen Gold-Account zu kaufen, geht mir prinzipiell gegen den Strich …