Die Demontage des Ehssan Dariani, Studivz

Heute morgen war ich unsicher. Unsicher, was ich von Peter Turis Blogeintrag über Ehssan Darianis – nicht unwidersprochenen (siehe auch Kommentare bei YouTube, z. B.: »Wer zum Henker filmt denn eine gernevte, bekiffte Frau aufm Klo?«) – Filmgewohnheiten halten sollte.

Gucken: Ehssan Dariani, in Deutschland weltberühmter Gründer von www.StudiVZ.net, und sein Schlag bei blonden Frauen (oder: wie akquiriert ein Gründer 500.000, pardon: 900.000 Mitglieder(innen).
Mehr vom GröGaZ (größter Gründer aller Zeiten): Hier.

 
Nun gut, die dicksten Freunde sind sie nicht …

Ehssan Dariani [Besucher]
http://www.studiVZ.net
28.10.06 @ 00:35
Hallo, hier ist Ehssan vom studiVZ. Dein Artikel in der WiWo strotzt vor falschen Tatsachen, die bestenfalls als spekulative Gerüchte zu qualifizieren sind. Der ganze Artikel, begonnen mit der Titelseite (“Wer wird Milliardär?”) ist eine reisserische Aufbauschung, die der Art der Boulevardpresse im nichts nachsteht. Leider hast du es trotz meines AB-Textes nicht geschafft, dich bei mir/uns einmal zu melden und für die erfundenen Zahlen und Aussagen zu entschuldigen.
Alle wesentlichen Infos zu den tatsächlichen Begebenheiten finden sich in meinem studiVZ Blog (www.studiVZ.net/blog). Der Grund, weshalb ich (noch) keine Gegendarstellung angestrengt habe, ist schlicht, aus Effizienzgründen. […]
Genervt und undiplomatisch,
Ehssan.
PeterTuri PeterTuri pro
http://www.turi2.de
28.10.06 @ 06:11
Hallo Ehssan,
ist schon okay, wenn Du genervt bist, und Startups müssen auch keine Karriere als Diplomaten durchlaufen haben. Aber es wäre schon schön, wenn Du konkret sagen würdest, was genau an MEINEM Artikel […] nicht korrekt ist.
Gruß,
Peter.
Andreas Dittes [Besucher]
http://dittes.info/blog/
28.10.06 @ 19:22
es geht wohl unter anderem um den satz “Über 10 Millionen Euro”. dass holtzbrink investiert hat steht ausser frage,

 

 

 
…, aber trotzdem, Turis Eintrag war auf den ersten Blick schon eine direkte, persönliche Attacke.
Auf den ersten Blick.
Denn, wie, nicht nur, es *Björnstar schreibt (»Ehssan Dariani hat hat die studenten community studivz.net gegründet. ein mensch aus berlin. plötzlich entdeckt man ihn im netz und vor allem, wie er sich gegenüber damen und menschen gebärdet. mehr als peinlich.«), ist einerseits Ehssan ein Mensch mit einem Faible für »Was ist Deine Botschaft?«- Videointerviews (in Ehssans Bereich auf DuRöhreYouTube, vgl. Eis essen und philosophieren, eis (frau) macht glücklich, skinhead (?) teil 1) – so what, jedem sein Hobby; andere züchten eben Vogelspinnen oder blogen –, andererseits aber eben auch Gründer, (Mit-)Besitzer und Aushängeschild von Studivz. Und in dieser Funktion hat er diese Videos über studivz.de/blog verbreitet. Insofern darf man durchaus dieses Verhalten – rechtlich meines laienhaften Verständnisses nach für alle seine »Interviews« nur dann unproblematisch, sofern Ehssan jeweils die Einwilligung zur Veröffentlichung hatte – in Verbindung zu Studivz setzen und insbesondere auch zum reichhaltigen Datenbestand der Community namens Studivz, »die eigentlich darauf ausgelegt [ist] möglichst detaillierte Userprofile der Nutzer anzulegen, um diese dann gewinnbringend zu verschachern oder zielgruppengerechte Werbung zu schalten…« bringen.
Randnotiz: das Video aus der S-Bahn stammt initial von Kolja Hebenstreit (vgl. Googles Cache (s. rechts)), verlinkt vor wenigen Tagen u. a. auf dieser Seite mit diesem Link.
Mittlerweile wurde das fragliche Video, lt. YouTube (s. links) von Kolja Hebenstreit, gelöscht. Die aktuell erreichbare Fassung wurde wohl vom Melder des BOOs neu eingestellt — über die rechtlichen und moralischen Implikationen mag sich jeder seine Meinung bilden …
Anders als Robert Basic denke ich daher, daß diese Videogeschichte schon relevant ist für die persönliche Bewertung des Angebotes, welches die Firma Studivz Ltd. mit ihren in Schlüsselpositionen weiterhin agierenden Gründern, u. a. eben Möchtegern-Raab Ehssan Dariani, den Nutzern unter studivz.de bzw. den schon gestarteten Ablegern http://www.studiqg.fr/, http://www.studentix.pl/, http://www.studiln.it/ und http://www.estudiln.es/ anbietet.
Es geht eben grade nicht darum, wie Robert schreibt, »sich nunmehr statt über das Unternehmen und deren Gründer […] über die Menschen dahinter lustig« zu machen; das zugegebene Domaingrabbing oder auch die aktuell kontrovers diskutierten Videos haben nicht im luftleeren Raum agierende Privatleute gemacht und zu verantworten, es sind Vorzeigegründer, die ein Kommunikationsportal für Millionen(!) von Menschen (gewünscht: Studierende) betreiben (naja, wohl mal betreiben wollen – auch das französische Portal blogt von Serverproblemen: »Wir sind momentan Lebhaftigkeit, von Host zu wechseln, um eine dieses Namens würdige Kapazität zu haben! Deshalb vielleicht die langsame Seite, das heißt zu bestimmten Zeitpunkten des Tages oder ausnahmsweise schlägt sich eine Mitteilung Sie ankündigende der Wartungsarbeiten an. Versetzen nicht in Panik! Wenn dies der Fall ist, auf Seite 5 oder 10 Minuten umdreht später.« (Translation by Google)); ganz offensichtlich sind sie aber nicht in der Lage, die Reichweite Ihres Tuns als Geschäftsleute zu überblicken, wie soll das dann erst mit der Verantwortung für die avisierten Millionen von Nutzern (und deren, dem Unternehmen Studivz Ltd. anvertrauten, persönlichen Daten) sein?
Ich stimme Robert zu, wenn er anmerkt:

Unreife und mangelndes Verantwortungsgefühl drücken sich nicht in selbstgedrehten Videos aus. Sie äußern sich darin, wie man mit unglaublich detailierten Userprofilen umgehen wird.

 
Schön, aber was können wir, was die Nutzer dieses bislang kostenlosen Dienstes, diesbezüglich erwarten? Ich verweise nochmals auf das gruenderszene.de-Interview mit Matthias Ehrlich (United Internet) und stelle die mir per Mail gestellte Frage:

Eins versteh ich […] aber ganz und gar nicht: Wenn [sie] augenscheinlich so große Hard- und Softwareprobs haben, wieso starten sie dann in diesen Zeiten auf andere internationale Märkten das StudiVZ á la StudiVZ France oder Polska oder was auch immer?? Ich denke soviel verstehe ich von Hardware Performance: Die Probleme werden doch wohl nicht kleiner bei noch mehr Verzeichnissen. Auch wenn diese Ableger einen eigenen Server oder sonstiges bekommen verstehe ich die Geschichte nicht. Diese Server könnte man doch für das deutsche Wurstverzeichnis benutzen, oder?

 
Machen kann man vieles; siehe besagtes Interview, was ist das Ziel der Unternehmensgründung? Schnell Kasse machen oder etwas langfristiges aufbauen?
Letzteres ist sowas von Prä-1.0, man könnte es schon fast Old-Economy nennen. Aber bei letzterem plante ich zumindest deutlich anders als beim Push-Up-and-Sell-2.0-Ansatz. Und da, wie auch schon verschiedentlich dargelegt, Studivz ein massives Softwareproblem hat, welches sie seit Wochen nicht in den Griff bekommen, sollte sich jeder die Frage stellen, warum man mit Frankreich, Polen, Italen und Spanien, die auf der gleichen Software aufsetzen werden (seien es getrennte Server und Datenbanken oder auch nicht — die problematische Codebasis wird sinnvollerweise für jedes Länderportal verwendet werden, mit allen Vor- und Nachteilen, die das mitbringt), neue Baustellen aufreißt.
Wirklich Sinn macht das nur, wenn man, statt das Portal ans fliegen zu kriegen, primär auf die von Investoren ausgegebene Meßlatte von 25% Rendite auf die Investition in das Unternehmen Studivz Ltd. abstellt:

Dem Studiverzeichnis bleibt auch immer die Hoffnung auf Übernahme durch ein zahlungskräftiges Großunternehmen. Der YouTube-Kauf durch Google nährt solche Träume.

 
Siehe dazu auch Don Alphonso im KASI-BLOG:

Sorry, aber das ist falsch. 5.000 Euro kamen von Lukasz und weitere 5.000 Euro von einem anderen Spreadshirt-Mann. Die Samwers beteiligen sich nicht unter 500.000 Euro. Chronologisch war es höchstwahrscheinlich so: […] Formaler Start war in Deutschland der Eintrag ins Handelsregister […]. Noch davor stiegen die Samwers ein, soweit ich weiss ist der hauptbetreuer Marc Samwer, und das Geld hat bislang gereicht. Im August hatten sie 25 Mitarbeiter und seitdem eine Burn Rate von mutmasslich zwischen 60 und 100.000 Euro im Monat.
Dass StudiVZ nicht offen kommuniziert, dass sie bis zum Einstieg von Holtzbrinck durch die Samwers finanziert wurden, ist selbstverständlich – das hätte der Legende von den Studenten Abbruch getan. […] Mindestzielgrösse der Marktkapitalisierung für einen Samwereinstig sind 100 Millionen Euro.

 
Wozu die (zu) freizügige Preisgabe persönlicher Informationen im GoogleInformationszeitalter führen kann, habe ich seinerzeit in der Orientierungseinheit gelernt — es läßt sich aber sehr schön auch an Ehssan Dariani zeigen:
In seinem Profil in Studivz sagt über sich u. a. »volksnah. ewiggestriger. schwarzmaler.«, »Politische Richtung: liberal«, unter »Bisherige Karriere« steht: »Seit einem Putschversuch im Exil und bemueht etwas Sinnvolles zu machen«.
Er ist unter anderem Gründer der Studivz-Gruppe »02 – Nein, danke!« (»Ich hatte schon mal eine Handy-Nr. von BASE/eplus (aktuell), easymobil, simyo, ja sogar eine überteuerte von T-Mobile. Ich möchte jedoch kein Handy, nie einen Vertrag, mit 02 oder angeschlossenen Organisationen, die sie in Spanien gekauft haben.« »1000 Gründe gesucht: Schlechte Erfahrung mit 02 gemacht? Dann teile bitte deine Erfahrugen mit deinen Kommilitonen. Wir leiden gemeinsam!«) und gibt als »Homepage« der Gruppe http://www.studivz.net/blog/?p=54 an.
Weitere in diesem Zusammenhang interessante Gruppen: »Freunde von jüdischer Kultur und Israel«, »No Racism«. An seiner Studivz-Pinnwand finden sich neben Fragen zu Studivz und Freundschaftseinladungen auch folgende »gelbe Zettel«:

Daten entfernt schrieb
am 05.11.2006 um 16:27 Uhr
http://www.youtube.com/watch?v=O_rLaG2iXFk
sehr armselig das zu filmen und hochzuladen.
[ Nachricht ]
Daten entfernt schrieb
am 04.11.2006 um 21:37 Uhr
wie zur hölle kann man als iraner “Freunde
von jüdischer Kultur und Israel” sein????
[ Nachricht ]

 
Da sich zu diesem Zeitpunkt die Site zerlegt hat (irgendwie sind die CSS-Stylesheets abhanden gekommen und es gibt mir unverständliche Fehlermeldungen, …

Soyez les précurseurs du chalouillage dans l´hexagone!
Invite toutes tes connaissances francaises à rejoindre le site!
www.studiQG.fr

 
… suche ich auf Google weiter:
Fundstück Nummer eins: http://www.dariani.de/, eine eher leere Päsenz (»Für Herrenkultur: Herrenpflege«), das wird die Domain sein, unter der seine letzte Unternehmung Schiffbruch erlitt. Spannenderweise ist die Domain eingetragen auf »Niemann & Gadowski GbR« mit Adresse »Kaethe-Kollwitz-Str. 15, D-04109 Leipzig« (Adresse merken, wird noch gebraucht).
Fundstück Nummer zwei: http://dariani.blog.de/, mit »Das ist der Text meines ersten Blogs.«, »Mitglied seit: 31.05.05 | Letzter Login: 28.05.06«. Nichts weltbewegendes drin in den drei Artikeln, trotz des Titels »Weltenordnung«.
Fundstück Nummer drei: Der SPIEGEL-Artikel
Fundstück Nummer vier: Aus dem aktuellen WirtschaftsBlatt, wonach am 29.10.2006 Studivz »mehr als 50 Mitarbeiter« beschäftigte.
Fundstück Nummer fünf: MSNBC Bericht über Dariani.
Fundstück Nummer sechs: »Im Übrigen ist einer der Gründer, Ehssan Dariani, ziemlich rechts. Leitet unter anderem auch das “Projekt” voelkischerbeobachter.de – soviel zu dem Thema.« Oh? In der Tat sind die Domains voelkischerbeobachter.de als auch voelkischer- beobachter.de auf eine »mencentric.de« in »Kaethe-Kollwitz-Strasse 15, 04109 Leipzig« eingetragen (Nachprüfbar über whois). Huch? Jetzt wäre mal spannend zu wissen, was die Kaethe-Kollwitz-Strasse 15, 04109 Leipzig denn ist; bei Google konnte zumindest gefunden werden, daß es dort eine WG gibt.
Wikipedia zum Völkischen Beobachter:

Der Völkische Beobachter war seit 1920 das publizistische Parteiorgan der NSDAP. Die Zeitung erschien zunächst wöchentlich, ab dem 8. Februar 1923 täglich im Franz-Eher-Verlag. Sie wurde reichsweit vertrieben.
Das „Kampforgan der nationalsozialistischen Bewegung Großdeutschlands“ ging aus dem Vorstadtblatt Münchner Beobachter hervor, das 1918 in den Besitz der Thule-Gesellschaft überging, nachdem am 22. Juni 1918 der bisherige Verleger Franz Eher gestorben war.

 
Content liegt scheinbar keiner auf voelkischerbeobachter.de; voelkischer-beobachter.de hingegen liefert von einem Server aus den USA die Homepage von www.titanic-magazin.de, einem eher linken Blatt.
Irgendwie wäre es nett, wenn Ehssan auch dieses mal erklären würde; wenngleich es seine private Spielwiese sein mag, es wirkt … sonderbar.
Auch die “02”-Gruppe samt Beschreibung zeugt nicht grade von Fingerspitzengefühl; ein Interesse an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern sieht für mich anders aus.
Irgendwie habe ich das Gefühl, daß das noch nicht alle war zum Thema Dariani/Studivz …