63 weibliche Studentinnen linker Gesinnung sind in einer offenen Beziehung, 297 Karins sind solo — Datamining im Studivz

Wie zu erwarten war — die »Supersuche« ist nicht weg, sondern – wie andere Dinge vorher schon – nur nicht mehr verlinkt.
blogdoch proudly presents: 297 weibliche Studenten, die Solo sind und den Namen Karin tragen sowie 63, politisch links stehende, Studentinnen in einer offenen Beziehung.
Sicherlich, man kann argumentieren, daß jeder Student und jede Studentin diese Angaben freiwillig gemacht haben. Allerdings haben auch durchaus einige ihre Daten als »privat« im Sinne »nur für meine Freunde einsehbar« deklariert. Tja, dank der SuperSuche ist das mit der Privatheit beim Studiverzeichnis mehr denn je so eine Sache …
Ok, auch dies ist nun keine wirkliche Enthüllung, in Kleinbloggersdorf pfiffen es die Spazen ja schon länger von den Dächern, daß neben Performance- auch Datenschutzthemen bei der (Abschaltung der) SuperSuche eine Rolle spielten.
Nun denn, ich kann nur wieder und wieder zetern »überlegt, wem Ihr welche Eurer Daten anvertraut« — zum Thema Studivz bleibt derzeit eigentlich nur, auf die bei Graubrot zitierte »Pressemitteilung des Referent- Innenrates (gesetzlich AstA) der Humboldt- Universität zu Berlin (HU)« zu verweisen:

Sexismus, entgleiste Rhetorik und gravierende Datenschutzmängel – der ReferentInnenrat der Humboldt-Universität zu Berlin warnt vor der Nutzungdes Internet-Netzwerks „StudiVZ“!
Das „Studiverzeichnis“ (StudiVZ) ist eine kostenlose Internetplattform, über die sich Studierende vernetzen, Kontakte knüpfen und Informationen austauschen sollen. Jedoch wird das StudiVZ seit längerem von Skandalen begleitet: Die Gefährdung des Datenschutzes, Verwendung nationalsozialistischer Symbole und Rhetorik durch einen der Betreiber, Zensur kritischer Kommentare und nun die Duldung sexistischer Gruppierungen.
Der ReferentInnenrat ruft alle Studierenden auf, sich nicht am StudiVZ zu beteiligen! […]

 

»Studiverzeichnis« — eine Betrachtung

Still geworden ist es hier, nicht nur um das die letzten Wochen hier beherrschende Thema »Studivz« — das hat mehrere Gründe. Neben der nicht unerheblichen Zeit, die die Recherche verschlingt, wollte ich auch erst einmal abwartenn, was Don Alphonsos »Torpedo« denn a) ist und b) anrichten wird, denn: »Das ist der Torpedo, der läuft. Das hier ist immer noch ein Rechtsstaat.«.
Ok, der laufende Torpedo ist also eine Gruppe von vormals 700+ (Mit‐)Gliedern (Stand 2006-11-26 00:15 noch 552, Tendenz weiter fallend — seit 2006-11-27 wird jeder aufgenommen, nun liegt die Teilnehmerzahl bei 800+), die »Mißwahlen« anhand von im Studivz von den Nutzerinnnen abgelegten Fotos abhielten. Full Coverage an der Blogbar.
Klingt, um es mit dem Pressesprecher der Samwers StudiVZ Ltd., England, zu sagen, nicht wild, denn »auf jedem Uni-Campus ist es normal, dass sich Studentinnen über Studenten und Studenten über Studentinnen unterhalten. So auch bei StudivVZ.« Mag sein; ob es aber soweit geht, daß im Jahre 2006 sich an einer Uni wie der WHU, um willkürlich eine zu nehmen, sich Hundertschaften von Männern zusammenrotten und auf einer riesigen Pinwand im Clubraum Fotos der Studentinnen aufhängen und monatlich das »Beste« bewerten (den zur Verfügung stehenden Kommentaren nach – das Forum der Gruppe wurde angebl. von Studivz‐Verantwortlichen gelöscht – waren die Auswahlkriterien eher die, anhand derer ein Sexmagazin Fotos auswählen würde), das darf doch eher beweifelt werden. Ich hoffe zumimdest nicht, daß derlei im RealLife passiert — im Internet liegt die Hemmschwelle hingegen deutlich niedriger.
Aber davon ab: »post heil«, die Formulierung, mit der der mittlerweile aus dem Studivz »gelöschte« Gründer der Gruppe die Mail des Studivz‐Supports ins Forum stellend kommentierte, ist schon starker Tobak. Das hinderte aber weder den »StudiVZ Campus Captain« an der WHU, Tobias Walter, der dieses Schreiben als Studivz‐Support‐Mitarbeiter an den Initiator der Fünf‐Sternchen‐Gruppe schickte, noch den Spätgründer Michael Brehm, der Gruppe beizutreten; finde nur ich das seltsam? Bin nur ich es, der über die wiederholte Nennung der WHU stolpert?
Immerhin ist besagter Spätgründer Absolvent dieser Privathochschule (»Das Team wurde dann um den Betriebswirtschaftler Michael Brehm (26, WHU Koblenz) erweitert.« — Screenshot available, sollte Studivz auch diesen jetzt.de‐Artikel löschen lassen¹.) Immerhin schließt sich über Otto Beisheim, dessen Namen die ehem. »wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung« (WHU) seit seiner Spende trägt, der Kreis zur NS‐Zeit.
Nun will ich sicherlich nicht nahelegen, daß die WHU eine braune Kaderschmiede sei; dazu fehlen jegliche Anhaltspunkte.
Allerdings gibt es mit Oliver Samwer, lt. Wikipedia WHU‐Absolvent, Michael Brehm und nun Tobias Walter – Campus‐Captain für Studivz an der WHU, Supporter bei Studivz und offensichtlich kein Kostverächter – mittlerweile mindestens drei Absolventen bzw. Studenten der WHU, die mit der Studivz Ltd. verbunden sind. Akademiker, von denen man einen feinfühligeren Umgang nicht nur mit braunem Gedankengut und brauner Sprache hätte erwarten dürfen. Verbunden mit einem Unternehmen, dessen (partieller und dem Vernehmen nach vormaliger) Frontman Ehssan Dariani mittlerweile Thema diverser Artikel nicht nur in diesem Blog war. Unvergessen sicherlich die Geschichte mit der Einladung zur Studivz-Party in feinstem NS‐Layout und -Ton. Eine Einladung zu einer Zelebrierung des Erreichten bei einem Unternehmen, welches mittlerweile nach eigener Angabe über eine Million Nutzer hat.
Kurzer Rückblick auf’s Frühjahr 2006, via pressemitteilung.blogspot.com: »Ehssan Dariani, Student der Universität St. Gallen und Gründer von studiVZ: „Im deutschsprachigen Raum fehlte eine Plattform an den Hochschulen, deren Nutzung Spass macht, intuitiv zu bedienen sowie (daten-)sicher ist und sich nicht nur auf die eigene Hochschule beschränkt.“, so der Projektpusher. „Aufgrund der Erfahrungen in Nordamerika erwarten wir dass sich studiVZ innerhalb eines Jahres bei 80% der Studenten neben Email und SMS als täglich genutzte Kommunikationsform etabliert hat.“«
Nun, sie ist auf dem besten Wege, die genial-chaotische Gruschel‐WGLtd. aus Berlin Mitte. Mitte letztes Quartal 2006, eine Million von gut zwei Millionen Studenten »vernetzt«. Da geht noch was.
Weder stilistische Anleihen an die NS‐Zeit, Domaingrabbing von Konkurrenzdomains durch die Unternehmensgründer oder die permanenten Sicherheitslücken bzw. Daten‐Leckagen der Anwendung »Studivz«, nein, nicht mal ausgiebige Nichtfunktion der Site bewegt — dem Studenten von heute scheint derlei nichts auszumachen, solange er/sie/es Sandkastenfreunde »gruscheln« kann.
Vielleicht liegt meine Universitätszeit zu lange schon zurück, vielleicht war ich als UUCP‐ler schon damals zu technikaffin, daß ich ein solches Verzeichnis je vermißt habe.
An der Uni hatte ich eMail (zeitweise sogar von außerhalb der Uni erreichbar), zu Hause hatte ich eMail — und mindestens an der Uni hatten es auch alle Freunde und Bekannten, mit denen ich nach der Schulzeit noch quer durch die Republik Kontakt halten wollte.
Es gab schon IRC, die Mutter aller Messengeranwendungen.
Das WWW war noch ein World-White-Net, andere Protokolle dienten vorrangig dem Datenaustausch, noch.
Was uns Erstsemestern aber sehr plastisch vor Augen geführt wurde – wenngleich es mir schon bekannt war –, waren die Möglichkeiten des, so nennt man es heute, Dataminings. Ja, »Abbau von Daten im Datenbergwerk Internet«, eigentlich eine sehr direkte Bildsprache. Leider verlassen mich meine künstlerischen Fähigkeiten hier, sonst würde ich mit dem Thema eine Weihnachtskarte zum Studivz malen — so muß die von Christoph Boecken oben dafür herhalten. (Meine eigene Kreation, eine Montage verschiedener Dariani‐Bildwerke, lasse ich erstmal in der Schatulle für besondere Gelegenheiten — wer weiß schon, was noch in Studivz schlummert?)
Wie auch immer: ich gestehe also, ich verstehe es nicht. Ich verstehe es nicht, daß überhaupt so viele Nutzer sich bei Studivz soweit datentechnisch entblättern. (Mal ganz abgesehen von der Frage, was zum Teufel die Betreiber oder sonstwen meine politische Richtung angeht — hier wurde allein mit dieser Frage doch schon sehr früh der Grundstock gelegt, zielgruppengerechte Werbung schalten zu können. Respekt an die Macher, schade, daß die zukünftige Elite derlei gar nicht rafft, siehe Datamining-Experiment Studivz.) Redeten wir hier über ein Schülerportal — okay, IT & Schule, das ist noch immer oftmals eher ein Mißverständnis. Aber wir reden von mündigen Bürgern, mit Abi, (überwiegend) Führerschein und Wahlrecht ausgestattet …
Naja, mehr als dagegen anblogen bleibt nicht. Nicht gegen Studivz per se — dies ist offensichtlich etwas, was bislang gefehlt hat.
Und Datenkrake bleibt Datenkrake, filme nun deren CEO »Chicks« auf’m Klo oder schwängere er sie lieber dort.
Ob es nun um die »Nutzerdaten« gehen mag oder nicht — unstrittig ist, daß Portale wie Studivz einen Weg finden müssen, (mehr) Geld wiedereinzuspielen als durch den Betrieb der Plattform rausgeblasen wird, auf die gesamte Laufzeit gerechnet. Wie das bei Studivz geschehen soll, darüber gibt es nach wie vor keinen kommunizierten Plan. Dafür gibt es Daten‐Leckagen und Programmiersünden, die teilweise nachträglich zum Feature hochstilisiert wurden.
Wie auch immer: jeder ist für seine Daten leider selbst verantwortlich, jeder sollte sich gründlich überlegen, wem er welche Daten anvertraut …
¹ Ob der Passage »Wer bei PR-Mann Bonow beharrlich nachfragt, bekommt irgendwann doch eine Antwort: „Klar geht es um die Nutzerdaten. Sonst macht das Ganze doch keinen Sinn, das ist doch klar.“ Er klingt ein bisschen vertraulich und ein bisschen von oben herab: Da unten, irgendwo, sind die Nutzer.« hat anscheinend Studivz Ltd. einen Artikel in jetzt.sueddeutsche.de entfernen lassen. Das ist natürlich insofern doof, als das dann Links ins Nirvana oder, wie hier, auf »Der angeforderte Seiteninhalt wurde leider gelöscht und kann nicht mehr angezeigt werden.« zeigen. Dummerweise hält einerseits Google derlei noch ein paar Tage im Cache, andererseits passiert dies dem geübten Blogger auch nur zweimal – das Erste und das Letzte Mal –, ab dann macht er von allem Screenshots … Welcome to ÖffentlichkeitsArbeit2.0!

Der Wert des Nutzerprofils

Gemütlich an der Blogbar sitzend, fabulierte gestern abend Don Alphonso noch über den Wert von Nutzerprofilen im allgemeinen als auch im Hinblick auf facebook und Studivz. Fand’ ich mal interessant; wem die ganze Diskussion zu umfangreich ist und sich primär fragt, welche Auswirkungen denn schlechte Presse oder, schlimmer noch, Mitgliederschwund, für Studivz haben könnte, hier vielleicht die Kernpunkte:

Ein gutes Nutzerprofel alleine mit Zugang ist vielleicht 100 Dollar wert […], der Rest macht die besondere Situation aus [bezogen auf Facebook].
[Zu bedenken ist immer: Ausgaben für den Kauf einer solchen Community müssen als Gewinn wieder reingefahren werden können — Gewinn pro Nutzer, nicht Umsatz.]
Bei StudiVZ würde ich sagen, haben wir in den letzten Wochen das ohnehin nicht so stark vorhandene Vertrauen […] doch ziemlich ramponiert, […]. Dazu kommt, dass das Modul für das Profiling noch nicht fertig ist und es noch keinen echten Vertrieb für Werbung gibt. […]
So aus dem Bauch raus würde ich sagen, hat ein Profil mangels Verwertbarkeit einen Street Price von 30 Euro oder weniger. Allerdings hat Holtzbrinck da mehr davon, weil es Synergien mit den hauseigenen Firmen gibt. Ich denke, nach dem allen werden sie ein Profil realistisch mit 40 Euro maximal bewerten. Macht immer noch 40 Millionen für den gesamten Laden als mögliche Bewertung, aber die Frage bleibt, ob die Probleme bewältigt werden können. Da würde ich bei der Gesamtbewertung locker 50 Prozent abziehen, […]. Damit fällt so ein Laden vom potentiellen Überflieger […] runter auf das Niveau eines durchschnittlichen Wertzuwachses.

 
Auch lesenswert sind die Spekulationen zur vermeintlichen »weichen Flanke« bei der VerzeichnisWG Briefkastenfirma mit ca. 1.000.000 Mitgliedern inkl. in das Geschäftsgebahren von Venture Capitalists. Schaun’ wir mal, inwiefern Dons wie üblich vage Andeutungen bewahrheiten werden. Teile der Blogosphäre haben offensichtlich an Studivz einen Narren gefressen ;)
Aber es war spät, an der Blogbar, sodaß es auch die ersten Bargesänge gab:

Ich hock in meinem Bonker mitten in Berlin,
ich habe Wuppdich-Kapseln und genug Amphetamin.
Die Skripte sind kapott, der Ruf, und noch mehr
der 2.0 WebAzock macht keinen Spaß mehr. (Der CEO)
Bloggermunition, ne da halt ich nichts davon
Bloggermunition, nö,nö, nö,
ich machn Klovideo
von meiner Magendiarrhoe (Don Alphonso)

 
Man stelle sich das als (computer generiertes) Video vor, E. D. filmt sich auf Klo und der Don schwooft dazu ;) Hachja …
Heute Nachmittag gab’s dann wieder Haue. An der Blogbar, wo Don nun meint, Studivz sei ein Fall für die Gewerbeaufsicht Behörden. Abwechslungsreich geht’s da zu, aber es ist für jeden auch was dabei.

Studivz und das Datenschutzverständnis

Ich gestehe es nicht gerne, aber ich bin baff. Leider im positiven wie im negativen Sinne.
Positiv: Studivz scheint nun tatsächlich rund um die Uhr an den immer offensichtlicher werdenden Designschwächen zu arbeiten. Jörg-Olaf Schäfers: »PS: Die Option, Pinwände von Profilen mit aktivierter Privatsphäre einsehen oder beschreiben zu können, besteht inzwischen nicht mehr. Auch hier hat man klammheimlich nachgebessert:« Story inkl. Screenshots drüben; ich erspare mir mal die Nachprüfung, mittlerweile sollten die VZler auf Unregelmäßigkeiten wie muntere URL-Änderungen bemerken …
Negativ: das, was auf dem Rückweg sowieso schon ging (Paul, privates Profil, hat Otto, offenes Profil, als Freund; via Ottos Freundesliste komme ich so auf Pauls uneinsehbares Profil. Der Freundschaftstatus Paul<->Otto ist damit alles andere als geheim oder privat gehalten; allerdings mußte man bei jmd. mit offenem Profil erst mal drüber stolpern.) und wo die Privatheit der Freunde des Paul gestern effektiv ausgehebelt wurde, ist nun offensichtlich ein Feature: klammheimlich findet sich jeztzt auch bei privaten Profilen die Liste der Freunde direkt anklickbar direkt unter dem Foto …
Sehr tröstlich zu wissen, daß Studivz unter »nur noch Dein Foto und Deinen Namen sehen« versteht — siehe Hilfstexte vom 18.11.2006:

… zumal die Uni schon seit längerem, entgegen der Erklärung auf den Hilfsseiten. angezeigt wurde. Wir erinnern uns dann doch gerne an die Aussagen, daß sie die »Anliegen bezüglich Privatsphäre respektieren und ernst nehmen«, wie Michael Brehm schrieb. Und warten auf weitere eigenwillige Auslegungen dieses Respektes …
Schade.

Datenspuren 2.0, Datenbewertung BETA

Einen Kommentar aus der Blogbar möchte ich aufgreifen:

Als Jurastudent bin ich selber ein Verfechter der Hoheit über die eigenen Daten. […] Ich kann ganz offen sagen: Ich bin selber seit Jahren studienbegleitend (teils auch selbstständig) als Personaler und in der Rekrutierungsbranche (konkret: Headhunting) tätig. Auch ich/wir(Firma) haben selbstverständlich einen Fake-Account bei einem sehr großen Networking-Portal […] und schauen uns die Leute dort an, bzw. nutzen das sogar teilweise als Search-Modul. Sollte dort aber in irgendeinem Gästebuch mal stehen “Ey, war ne echt geile Party […] optimale Krönung… [usw.]”, dann interessiert mich das ehrlich gesagt gar nicht.

 
Zwei Dinge sind festzuhalten. Erstens: Das nicht nur hier mehrfach skizzierte Szenario mit Personalfachkräften, die in diesen und ähnlichen Börsen verdeckte Informationsbeschaffung betreiben, ist wohl real.
Zweitens: Das jemand mal über die Stränge schlägt, ist eher normal, das Gegenteil sollte hellhörig machen, wie nicht nur die Toten Hosen wissen: »Von Vatikan bis Taliban, Sieht man, dass es stimmt, Dass die ganzen Abstinenzler Noch immer die Schlimmsten sind«. Aber wo ist die Grenze? Wieviel Fotos von »Bewerber mit Bierflasche« sind noch erträglich? Was macht ein Betroffener gegen »Hein Suffkopp ist auf 17 Fotos markiert«, und 5 davon sind wenig vorteilhaft von 3 Feten?
Darüber sollte jeder Fotoenthusiast vielleicht einmal fünf Minuten nachdenken …

Studivz: Die Rache der spannenden Technik

Bitter. Gestern schrieb der Datenschutzbeauftragte des Studivz: »Viel Interessanteres zu unserer Technik kommt in Kürze!«
In der Tat: mit der Privatsphähre ist das so eine Sache im Studiverzeichnis. Wie auch jetzt, Stunden nach dem Posting, auf der Studivz-Seite zu lesen ist, reicht es aus, die URL zu modifizieren und schwupps kann man sich die Pinnbretter, die Freunde und auch(!) die Fotoalben derer ansehen, die ihr Profil sowie auch jene Daten eben nicht für jedermann sichtbar im Netz stehen haben wollten. Also doch »StalkerVZ«?
Gut, okay, tangieren tut’s die VZ-Klientel eher nicht:

Wer wirklich hoch private Bilder für sich behalten will, der soll sie einfach nicht online stellen. Es gibt immer noch die Möglichkeit, guten Freunden einfach eine EMail zu schicken. (»Markus«)

 

Es ist total kontraproduktiv wie auf manchen Blogs nachzulesen das offlinestellen dieser Seite zu fordern denn jeder der ehrlich ist, findet diese Seite doch total genial um mit alten Freunden vernetzt zu sein, jemanden zu finden den man auf irgendeiner Party kennengelernt hat usw.
Es ist legitim von dem Entwicklerteam zu fordern in gewissen Bereichen “nachzubessern” bzw. tiefgreifend nachzubessern aber offlinestellen ist keine Lösung. (»Kiki«)

 

echt jungs, könnt ihr euch nicht endlich mal zusammenreißen und die jungs hier in Ruhe lassen? Was soll der blödsinn von wegen man kommt an alle Bilder ran? Als nächstest schreit ihr noch das man durch Bots die Passwörter knacken kann, weil es vielleicht in 10000Fällen einmal klappt.
Echt, ich verstehe euch nicht was euch zu so einer Hetzerei bewegt. (»Rafter«)

 

wie schon einige sagten:
Wieso zur Hölle stellt Ihr Bilder und oder Angaben über Euch ins Netz, wenn Ihr Angst vor Fremdzugriffen habt?
Und ich weiss aus eigener Erfahrung, dass jmd der nicht im Studivz angemeldet ist, die BIlder auch mit URL nicht sehen kann.
Wollte nem Kumpel Bilder zeigen von jmd im Studivz und er bekam nur ein “Du bist noicht angemeldet” auf den Screen- also! (»su-c«)

 
Gut, Dankbarkeit dafür zu erwarten, daß man 1.000.000 (abzüglich Fakeaccounts und Leichen) Spielkindern Ihr neustes, leuchtendes High-Tech-Spielzeug als rostiges Low-Budget-Produkt vorführt, wäre auch zuviel verlangt ;) Aber, ganz ehrlich, so ein wenig macht mir das Ausbleiben von kritischen Stimmen bzgl. Studivz und ähnlichen Datenkraken schon Sorge …
Aber zurück zur ach-so-hohen Datensicherheit: Wo hinsichtlich der Erratbarkeit der Foto-URLs gestern noch mit Millionen von Jahren argumentiert wurde, mag es stimmen oder auch nicht, hat es nur wenige Stunden gedauert, bis jemand eine weitere Unsicherheit im Studiverzeichnis fand und aufdeckte. Erraten von Fotonamen ist nun müßig, wer auf ein nicht einsehbares Profil stößt, kann nun einfachst die Fotoalben direkt im Studivz sich ansehen. Mag der Algorithmnus auch doppelt so sicher wie PIN & TAN bei den Banken sein, der Rest der Site ist es eher nicht, wie vor kurzem noch befürchtet.
Auf heise online bestreitet man seitens Studivz noch ein Datenschutzproblem: »“Nur die eigenen Freunde können geschützte Profildaten zum Beispiel die Kontaktdaten (Adresse, Telefon, Handy) oder persönliches wie Beziehungsstatus, Musikgeschmack oder Lieblingsfilme einsehen. Allgemeine Daten wie beispielsweise Name, Foto, Uni, Pinnwand (Gästebuch) und die Freunde sind für alle Nutzer sichtbar”, teilt das Unternehmen mit.«
Durch die neue Lücke ist es jedenfalls möglich, eben auch die Fotoalben nicht-öffentlicher Profile zu sehen; es bleibt nur zu hoffen, daß die Macher nun wirklich »rund um die Uhr« anfangen, an den Sicherheitsproblemen des Angebotes zu arbeiten. Sonst führen die mit viel völkischem Tamtam im Sommer abgehaltenen »Feiern bis zum letzten Mann« gradewegs in den Untergang … Der direkte Zugriff auf die Bilddaten ist im Web 2.0 augenscheinlich Usus; ich finde es zwar latent bedenklich, aber naja; was meines Erachtens aber ein umgehend zu begebender Schnitzer ist, ist die, so sieht es derzeit zumindest aus, Security-by-Obscurity bei Studivz — was das System dem User nicht anzeigt, davon wird er schon nichts wissen. Das halte ich, bei Web 1.0 und erst recht bei 2.0 für indiskutabel.

»Sicherheitsbedenken unbegründet« oder doch »Datengau« bei Studivz?

Don Alphonso serviert derzeit an seiner blogbar Direktlinks ins Image-Grab der Studivz, die Meute ist sich uneins, ob das Enthüllung oder Olle Kamellen sind. Derweil blogt der frischgebackene Datenschutzbeauftragte der Studivz darüber, daß »die Suche nach einem beliebigen Code, wie beispielsweise Ev4M21/Z3uP7KA-5819, der Zahlen und Buchstaben enthält, viele Millionen Jahre benötigen« würde. »Die Kombination des von [Studivz] verwendeten Codes ist bedeutend komplexer als die Kombination aus PIN und TAN beim Online Banking« — sicher ist eben sicher.
Gut, daß man, wenn man »…/Ev4M21/« schon kennt (Existenz eines solchen Albums durch Veröffentlichung z. B. bekannt geworden oder durch Leute, die es sehen dürfen, bekannt gemacht), nur noch »Z3uP7KA-5819« erraten muß und ferner, wie Don vorführt, bei in kurzer zeitlicher Abfolge hochgeladenen Bildern sich nur 3 Zeichen vorne sowie der Teil hinterm Bindestrich ändern, naja. In Kombination mit der nicht übermäßigen Webserverperformance kann man das derzeit wohl als »sicher« in dem Sinne bezeichnen, daß praktisch jede Bruteforce-Attacke zu lange dauert. Blöd wird’s nur, falls das lange versprochene »studiVZ – on SpeeeeED!« tatsächlich noch mal kommt.
Man kann nur hoffen, daß der »bedeutend komplexere« Code für’s Verstecken der Bilder vor neugierigen Direktzugriffen korrekter ist als der, der die Mitglieder in Gruppen aufzählt. Denn bei meinen Streifzügen durch Studivz sind mir mehrfach die Nutzerzähler ausgetickt, siehe Bild oben. Für 31 Mitglieder einer Gruppe braucht man keine 162 Seiten mit je 12 Bildern — falls doch, muß mein bc(1) kaputt sein.
Personalie am Rande, damit’s nicht untergeht: Ehssan Dariani, kürzlich noch als CEO im JobTV, weilt im wohlverdienten Gründerurlaub.
So zumindest deutet Don an und bestätigt auf Nachfrage das in die Welt gesetzte Gerücht:

Soweit ich aus gewöhnlich gut unterrichteten Quellen weiss, sollen ihm die Gesellschafter Ende letzter Woche gesagt haben, dass es so nicht weitergeht, und er solle mal ne Pause machen nach dem Jahr. Es gab Mitte letzter Woche noch ein paar Rettungsversuche […], und irgendwann war wohl allen Beteiligten klar, dass es kein Spass mehr wird. Es kann gern mal einer in Berlin anrufen und nach ihm fragen. *g*

 
Gut, als Gründer wird er sicherlich noch erkleckliche Anteile halten, insofern wird er seine ehemaligen »25.000 Euro Schulden« (Netzzeitung) sicher abzahlen können, falls nicht schon geschehen, wenn die restlichen Gründer und Investoren den Briefkasten bis Jahresende zu Geld machen.
Sollte ihnen das nicht gelingen, könnten Aushilfsadmins¹ zum Jahresende, vielleicht, das Thema der Datensicherheit bei Studivz noch einmal völlig neu beleuchten — und ob jene auf Don Alphonso (»Das sind daten, da hängen Leben dran«) hören?
Wir werden es erfahren ;)
¹ Dank an YAMB.BETA² für den Hinweis auf den CCC.

Der Herr Dittes & Studivz

Ist dies noch eine Geschichte voller Mißverständnisse?
Ausnahmsweise bin ich da selbst drüber gestolpert — trotzdessen schlägt es schon Wellen in der Blogosphäre. Wie steht »Kollege Dittes« zu Studivz, gibt es da arbeitsrechtliche, finanzielle oder sonstige Verbindugen?
Was das Bild soll? Keine Ahnung. Kollege Dittes dementiert einstweilen. So ist das eben in Kleinbloggersdorf …
[B]Nachtrag, 2006-11-21: Nach Lesen des Dittes-Blogs und genauem Ansehen des Bildes, liege ich wohl falsch mit meiner Vermutung: »Und bevor jetzt die Frage kommt: NEIN, ich bin nicht Mitarbeiter der ganzen Networks, nur weil ich ein T-Shirt davon habe. Ich bin in keinem der social Networks angestellt und war es auch nie.«.
Ich habe mich von dem Studivz-Logo und dem gut nachgemachten Balken »Profilbild:« auf seinem Bild ins Bockhorn jagen lassen. Sauber aufgelaufen, Hrmpft. Aber gute Arbeit, sieht ziemlich echt aus ;)

Studiverzeichnis: Neue Fragen zur Finanzierung des VZ

Wie angekündigt noch ein Exkurs in Datensicherheits- und Finanzierungsthemen bei Studivz.
Warum ich auf Datenschutz und Finanzierung so rumreite? Weil mindestens Studivz bei weitem nicht so (daten-)sicher ist, wie die Betreiber gerne glauben machen wollen — siehe jüngstes Mißgeschick Ehssan Dariani betreffend, wo eine gelöschte Nachricht durchaus peinlichen Inhaltes (von Ehssan Dariani an Kolja Hebenstreits schwarzes Brett bei Studivz geheftet; Kolja ist seines Zeichens Freund und Mitinvestor bei Studivz) noch Stunden wenn nicht Tage nach der Löschung jedem Studivz-Nutzer angezeigt wurde.
Auch bleiben Fragen offen, wie die Beziehung von Studivz zu Parship nun wirklich aussieht, es gibt widersprüchliche öffentliche Aussagen dazu:

Studivz-Blog, 17.11.2006 Spiegel-Online, 15.11.2006
»Warum hat studiVZ in Rom, Paris und Barcelona die gleichen Anschriften wie Parship?
StudiVZ und die dazugehörigen internationalen Seiten haben ihren Sitz in Berlin. Für administrative Zwecke hielten wir es für sinnvoll, vor Ort eine Anschrift zu haben. Parship als befreundetes Unter- nehmen, mit dem wir über unseren Gesellschafter Holtzbrinck bekannt sind, hat uns gestattet, seine Postanschrift ohne Gegenleistung zu nutzen. Es bestehen keinerlei Geschäftsbeziehungen und natür- lich gab und gibt es nie einen Austausch von Daten. Um künftig Missverständnisse zu vermeiden, werden wir uns von diesen Anschriften in Kürze trennen.«
»SPIEGEL ONLINE: Könnte es nicht zu Irritationen führen, dass die Adressen der StudiVZ-Depen- dancen in Paris, Barcelona und Mailand mit denen der dortigen Filialen der Online-Partnerbörse Parship übereinstimmen? Manche Nutzer sind besorgt über die Sicherheit ihrer privaten Daten – ist da ein Austausch zu erwarten?
Ehssan Dariani: StudiVZ hat seinen Sitz in Berlin. Zu administrativen Zwecken brauchen wir für die internationalen Seiten vor Ort eine Anschrift. Parship hat uns als befreundetes Unternehmen, mit dem wir über unseren Gesellschaf- ter Holtzbrinck verbunden sind, pragmatischerweise gestattet, ihre Anschriften für StudiVZ zu verwenden. Ansonsten bestehen keinerlei Geschäftsbeziehungen geschweige denn irgendein Austausch von Daten.«

Wir merken uns, am 15.11. im Interview mit Spiegel-Online hieß es noch, die Adressen seien notwendig, im eigenen Blog heißt es nur zwei Tage später, man dachte, man bräuchte Briefkästen im Ausland, werde sich davon nun aber trennen. Für eine Briefkastenfirma, die die StudiVZ Ltd. in England unbestritten ist, bemerkenswert.
Auch mutierte die Aussage »Ansonsten bestehen keinerlei Geschäftsbeziehungen« zu einem »Es bestehen keinerlei Geschäfts- beziehungen« — ulkig, daß ein Unternehmen seine Postadresse einfach so ohne Geschäftsbeziehung einem anderen überläßt, zumal man nun auch nicht mehr über Holtzbrinck »verbunden« sondern nur noch »bekannt« ist. Ein Schelm, der Böses …
Aber egal; Fakt ist, daß die ausländischen Dependancen nur auf dem Impressum der Landesausgaben existieren — gesteuert und betrieben werden sie, lt. den Aussagen von Studivz, sämtlichst aus Berlin, Deutschland. Immerhin mal eine klare Ansage aus dem Hauptquartier der Nebelwerfer.
Damit kommen wir zu den Details der Finanzierung Studivzs; im Blog wird ausgeführt:

Wer ist Gründer von studiVZ?
Ehssan Dariani und Dennis Bemmann haben das Unternehmen im Oktober 2005 gegründet und Michael Brehm hat das Gründerteam Anfang 2006 komplettiert.
Wer finanziert studiVZ?
Es handelt sich um Privatpersonen und Unternehmen, die nachfolgend aufgelistet sind:
Aaron Voloj Dessauer
Christian Vollmann
Christophe Maire
Dario Suter
European Founders Fund GmbH (Marc, Oliver und Alexander Samwer)
Holtzbrinck Ventures GmbH
Kolja Hebenstreit
Lukasz Gadowski
Matthias Spieß
Oliver Jung
Peter Schüpbach
Wer sind diese Investoren?
Es sind dies erfolgreiche Internet-Unternehmer, Freunde und zwei Venture Capital Funds.
Wie viel Geld wurde studiVZ zur Verfügung gestellt?
Insgesamt haben alle Gesellschafter € 2,5 Mio. für den Aufbau von studiVZ bereitgestellt. Davon stammen € 2,0 Mio. von Holtzbrinck Ventures GmbH (August 2006). Darüber hinaus gab und gibt es keine weiteren Vereinbarungen.
Für was wird das Geld verwendet?
studiVZ ist von einem kleinen studentischen Projekt zu einer richtigen Firma gewachsen. Das heißt es wurden im Laufe der Zeit 50 Mitarbeiter eingestellt, Büroeinrichtungen beschafft und die ganze Infrastruktur eingerichtet. Zudem werden wir einen erheblichen Teil der Gelder für den Aufbau einer neuen Server Infrastruktur verwenden und in die laufende Erweiterung der Plattform investieren.

 
Beachtlich. 2,5 Millionen Euro wurden bislang in dieses »studentische Projekt« gesteckt, ohne aktuell sichtbaren Weg in eine Gewinnzone; Stand heute verbrennt Studivz jede Sekunde Investorenkapital. (Auch das merken wir uns mal für das folgende Finale dieses schier endlosen Artikels.)
2,0 Millionen Euro von Holtzbrinck, die 500.000 Euro dürften, wenn man Don Alphonso glauben mag, von der Gebrüder-Samwer-Firma stammen – initial kamen von Lukasz Gadowski und »einem zweiten Geschäftsführer von spreadshirt« 5.000 Euro Startkapital, wie man schon im Blog lesen konnte. (Die 5.000 Euro bitte auch mal auf den Stack legen, brauchen wir gleich wieder.)
Noch beachtlicher erscheint mir ja, daß eine Finanzierung mit 5.000, 500.000 (Faktor 100 zur ersten Finanzierung) und 2.000.000 Euro (Faktor 4(!) zur zweiten, 400 zur ersten) – die Gründer brachten demnach nur die Idee mit, kein hartes Kapital – so vollkommen selbstlos ohne erhebliche Mitspracherechte oder Anteilsübereignungen vonstatten gegangen sein soll:

Gibt es irgendwelche speziellen Vereinbarungen mit den Investoren?
Die Finanzierungen, die wir durchgeführt haben entsprechen den üblichen Standards für junge Unternehmen. Es bestehen für die Gesellschafter von studiVZ keine weitergehenden Rechte als die normalen Gesellschafterrechte.
Wer hat heute die Mehrheit an studiVZ?
Das Gründerteam hält nach wie vor die Mehrheit am Unternehmen und bestimmt damit die Strategie und die Entwicklung von studiVZ alleine.

 
Krass. Da pumpem zwei Venture Capitalists 2,5 Millionen Euro in eine Copycat — und sichern sich dafür keinerlei Mitspracherechte an »Strategie und Entwicklung«? Holtzbrinck vermag ich nicht einzuschätzen, vielleicht sind das ja eher Mäzene denn Heuschrecken; aber Samwers? Die wollen Rendite sehen, siehe Spiegel-Onlne:

Die größte virtuelle Studentenparty Deutschlands wird derzeit noch auf Pump finanziert. Weil die Seite werbefrei und umsonst ist, müssen andere für die Gehälter aufkommen: unter anderem die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer. […] Auch mit dem Studiverzeichnis wollen die Geschäftsleute hoch hinaus. Man erwarte rund 25 Prozent Rendite, kündigten die Brüder in einem Interview mit dem “Tagesspiegel” an.

 
Ob sich das mit dieser »Strategie« umsetzen läßt?

Wie will studiVZ in Zukunft seinen Betrieb finanzieren?
Ziel ist es, die Plattform weiterhin kostenfrei zu halten. Um dies zu erreichen wird studiVZ sich in Zukunft über Werbung finanzieren. Dies könnte beispielsweise mit Bannern oder anderen anzeigeähnlichen Formaten geschehen. Die Daten unserer Nutzer bleiben dabei stets bei studiVZ.

 
Gut, aber auf dem Datenschatz aufbauend kann man ja, ohne wortbrüchig zu werden, vielleicht zielgruppengerichtete Werbung den Werbetreibenden anbieten, Motto: »Ihr sagt, wen wir bewerben sollen und wir schalten die Werbung anhand des Nutzers Präferenzen«.

Was passiert mit den Daten, wenn die Mehrheit der Anteile nicht mehr von den Gründern gehalten wird?
Wenn sich die gesellschaftsrechtlichen Mehrheitsverhältnisse bei StudiVZ verändern, ändert das absolut gar nichts am Schutz und der Sicherheit der Daten nach den in Deutschland geltenden datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Denn die Mitglieder von StudiVZ übergeben ihre personenbezogenen Daten nicht irgendwelchen Einzelpersonen von StudiVZ (wie z.B. den Gründern oder anderen Gesellschaftern), sondern der StudiVZ als Gesellschaft (sog. juristische Person). Etwaige neue Gesellschafter dürfen mit den Daten also auch nicht anders umgehen, als die bisherigen, da der gesetzliche Datenschutz in Deutschland immer und für alle gleich gilt.
Gilt das auch, wenn ein ausländischer Gesellschafter hinzukommen würde?
Ja, denn wer wie StudiVZ ein deutschsprachiges Studenten-Netzwerk von Deutschland aus betreibt, unterliegt automatisch den strengen deutschen (und europäischen) Datenschutzgesetzen. Das gilt unabhängig davon, ob ein ausländisches Unternehmen einen kleinen oder einen großen Anteil an StudiVZ hält.

 
Nunja, nochmal zum mitmeißeln, die berliner Studivz Limited ist »Zweigniederlassung« der britischen Studivz Limited:

Neueintragung vom 12.04.2006
HRB 101454 B:
studivz Limited,
Voigtstr. 38
10247 Berlin
Firma: studivz Limited Sitz: Berlin; Zweigniederlassung der unter der Firma studivz Limited in Birmingham, Vereinigtes Königreich, bestehenden Hauptniederlassung (Companies House Cardiff No. 5607971). Gegenstand: Gegenstand der Zweigniederlassung: Entwicklung und Vermarktung einer Kontaktmanagement- und Kommunikationsplattform auf der Basis des sogenannten Social Network Mappings im Internet. Stamm- bzw. Grundkapital: 3.000 GBP […] Rechtsform: Gesellschaft britischen Rechts mit beschränkter Haftung, Rechtsbereich England und Wales (private company limited by shares). Gegründet am 31.10.2005.

 
Wir überschlagen mal eben … 3.000 britische Pfunde (GBP) entsprechen bei ca. Faktor 1,5 (1,47741 lt. XE.COM) 4.500 Euro-Talern. (Wieviel hatte die erste Finanzierungsrunde gebracht? 5.000 EUR, da passten quasi 4.500 EUR Gründungskapital und 500 EUR Reise- und sonstige Kosten rein. Die 5.000 EUR können damit vom Stack runter.)
Auch vielleicht interessant (siehe http://wck2.companieshouse.gov.uk/), daß unter der Adresse

69 GREAT HAMPTON STREET
BIRMINGHAM
B18 6EW

 
unter der »STUDIVZ LIMITED« mit Nummer 05607971 eingetragen ist in England (»Branch Details: There are no branches associated with this company.«), auch schon andere Firmen in Deustchland auffällig wurden:

# Armin Says:
September 16th, 2005 at 23:24
Ich weiss gar nicht wie jemand die Serioesitaet von AIDA Media Ltd anzweifeln kann. Das ist doch total die Weltfirma (laut www.aidamedia.de):

European Headquarter / Hauptsitz
AIDA MEDIA Limited
69 Great Hampton Street
Birmingham
und
Niederlassung Germany, München

Wow, beindruckend. Oder auch nicht:
Laut Companies House gibt’s die Firma noch nicht lange:
Date of Incorporation: 28/01/2005
Und unter der Adresse “69 Great Hampton Street” sind massenhaft Firmen registriert, das ist eine Briefkastenadresse fuer eine dieser Ltd-ist-billiger-und-internationaler-Firmen.
Blender.

 
Wir halten also mal fest: Studivz Ltd. Berlin ist eine Zweigniederlassung (scheinbar im englischen Register nicht als solche gemeldet) der studivz Limited Birmingham, UK. Es handelt sich um eine »Gesellschaft britischen Rechts mit beschränkter Haftung, Rechtsbereich England und Wales (private company limited by shares)«; ob Studivz Berlin eine separate Firma darstellt, ist mir derzeit nicht klar. Die Mutterfirma ist in jedem Falle schon heute eine britische Limited, die Frage nach ausländischer Beteiligung ist insofern müßig, da das Ganze eben schon seit Gründung auf eine britischen Firma zurückgeht. Sollte nun die Datenverarbeitung, sprich z. B, in Form der Datenbank, durch eben diese britische Firma Studivz Limited, nicht mehr in Deutschland sondern z. B. in England vorgenommen werden, welches Datenschutzrecht greift dann? Wenn die Daten in Deutschland gar nicht mehr verarbeitet (sondern nur durchgeleitet) werden? Ich fürchte, siehe S.W.I.F.T. und der Flugpassagierdaten: jedenfalls nicht mehr die »strengen deutschen Datenschutzgesetze«, hinter denen sich Studivz, nebelkerzenwerfend, verbal versteckt. But IANAL, vielleich weiß in der Blogosphäre das ja jemand auf Anhieb?
Abschließend möchte ich noch kurz über die Nachhaltigkeit der bisherigen Finanzierung philosophieren; bei “laufende Einnahmen = Null”, wie lange reichen also die 2,5 Millionen, die Studivz Ltd. mal hatte?
Was wissen wir denn aus Veröffentlichungen?

  • Einzahlung 500.000 EUR ca. Anfang 2006

  • Einzahlung 2.000.000 EUR ca. August 2006
  • Loadbalancer, mehrere Server, Hoster ist O2
  • ca. 50 Mitarbeiter derzeit; alle nationalen Sites werden aus Berlin gemanaged
  • erneut neue Bürofläche
  • Laptop scheint generelles Arbeitsmittel zu sein

Wenn jeder der 50+ StudiVZ-MA auch nur 1.000 EUR/Monat bekommen soll (brutto; netto für Arbeitnehmer ca. 750 EUR, Lohnkosten für Arbeitgeber geschätzt 1.300 EUR), liegen die Kosten für den Arbeitgeber bei ca. 1.300 * 50, d. h. 65.000 EUR je Monat nur für die 50, »fast rund um die Uhr« arbeitenden Mitarbeiten (Geschäftsführung und leitende Angestellte nicht berücksichtigt; auch die werden von mehr als nur der Idee leben wollen). 1.000 EUR für »fast rund um die Uhr« erscheint mir noch fast tief gegriffen, aber ok, es sind evtl. ja nur stud. Nebenjobs … Die 2.000.000 EUR der Holtzbrink-Finanzierung reichten dafür dann 30 Monate — ohne Personalwachstum, Hardwareinvestitionen, Kosten für das Hosting, laufende Kosten für Büro, Reisen, …
Setzt man Don Alphonsos Burnrate von 100.000 EUR/Monat an, was ich, s. o., für durchaus realistisch halte, sind die 2.000.000 von Holtzbrinck in 20 Monaten weg, die 500.000 aus der Samwer-Finanzierung dürften bei Einstieg von Holtzbrinck schon deutlich dezimiert worden sein. Vier Monate der 20 sind verstrichen, spätestens im Frühjar 2008 läuft die USS Studivz damit dann auf dem Pleite-Riff auf. Das werden Samwers European Founders Fund GmbH als auch die Holtzbrinck Ventures GmbH schon vor der Finanzierung durchgerechnet haben — da fragt man sich doch, wie in Zeiten von Popup-Blockern und ausgefuchsten Adzappern teils schon in den Browsern man mit »Werbung« (Dariani in ziemlich jedem Interview, u. a. auch bei Job24) tatsächlich Geld verdienen will?
Linkzirkus: Dariani-Auftritt bei JobTV24 · Mediendschungel · KASI-BLOG (talking itallianenglish) · »SZ: SZ: Aufruhr im Studenten-Netz« · NYBlog ESP · Blogbar

Studiverzeichnis: Natursekt, Führerbilder & die Privatshpäre

Über Geschmackt läßt sich bekanntlich streiten, oder auch nicht — je nachdem, wie man das Sprichwort kennt. Und wie in unserer Gesellschaft, so sind auch im sog. »Studivz« allerhand verschiedene Vorlieben und Typen vertreten …
Eine, sagen wir, interessante Variante, über die ich bei den Recherchen zu Studivz stolpern durfte, ist die Urophilie, der sich im VZ die »Natursekt Freunde« vorgeblich hingeben. Immerhin 37 Leute lt. Übersichtsseite — nicht viel, vergleichen mit der angeblichen über einer Million »eingeschriebenen« Teilnehmern. Wie dem auch sei, dank dieser Gruppe und der Recherche zu »Natursekt« bei Google und Wikipedia habe zumindest ich wieder was gelernt:

Da Süßstoffe nicht verdaut werden, sind entsprechend gesüßte Getränke in der Urophagie beliebt, um den Geschmack des Urins zu versüßen. Nikotin oder Kaffee sowie einige andere Nahrungs- und Genussmittel wirken sich dagegen negativ auf den Geschmack des Urines aus.

 
(Quelle: Wikipedia) Ich hoffe nur, daß die Bilder und Klarnamen frei erfunden sind, denn jetzt würde ich wohl weder N. Sch., N. E., B. K. und all den anderen noch vorurteilsfrei begegnen können — Toleranz hin oder her, Urin statt in das WC in jemandes Gesicht ist einfach nicht mein Ding. Mit solchen und ähnlichen Vorlieben würde ich auch nicht hausieren gehen, aber dazu später mehr.
Wenig appetitlich ist auch eine andere Gruppe, über die ich gestolpert bin — weniger wegen der Beschreibung, als vielmehr wegen der gewählten grafischen Repräsentation. (Zur Vermeidung rechtlicher Probleme wurden die Grafiken für die Wiedergabe auf dieser Seite teilweise verpixelt.)
Nun gut, auf braune oder auch nur vermeintlich braune Gruppen innerhalb des Angebotes von Studivz wurde ja schon hingewiesen; das Bild jedenfalls ist aus meiner laienhaften Sicht rechtlich problematisch. Generell scheint es mir, nach den verschiedensten Berichten über rechte Gruppen im Studivz, angebracht, auf das Beispiel der Stadt Stolberg hinzuweisen, also darauf, daß totschweigen brauner Aktivitäten den rechten Strömungen eher hilft.
Vorzugsweise verwendet man aber unmißverständliche Worte und Taten; daß die Aktion voelkischerbeobachter.de nur dumm war, hat, zumindest lt. Pressesprecher, ja auch Ehssan Dariani mittlerweile eingesehen. Bleibt abzuwarten, ob und wann Studivz mal aufräumt.
Es stellt sich mir generell die Frage, auch im Hinblick auf weitere Gruppen, die mit fragwürdigen Bildern glänzen, inwiefern unter Gesichtspunkten des Jugendschutzes dieses Angebot ohne funktionale Kontrolle der eingestellten Inhalte weiterlaufen kann.
Eine Gruppenbeschreibung lautet beispielsweise:

Die Welt ist ein Jammertal, doch zum Glück gibt es etwas schönes und zwar: Bukkake!
Wer als Mann Spaß daran hat, Frauen ins Gesicht zu ejakulieren und wer als Frau Spaß daran hat, sich von Männern ins Gesicht besamen zu lassen, der/die ist hier genau richtig!
Gerne werden Vorschläge für Sperma-Parties oder Gruppensex-Abende entgegen genommen!

 
Geschmacklich wohl unterschiedlich zum eingangs genannten Natursekt, besteht lt. Wikipedia-Artikel eine Verbindung beider Sexualpraktiken zu BDSM. Toll, und schon wieder was dazu gelernt, was ich gar nicht wissen wollte ;)
Sollten die Studivz-Macher jemals daran denken, auch Schüler anzusprechen, sähe ich hier zumindest ein massives Problem — wobei auch derzeit nur eine einmal lesbare eMail-Adresse ausreicht für eine Anmeldung. Aber gut; ich überlasse die investigative Verarbeitung der Inhalte der Studivz-Gruppen dann doch lieber weiter Don Alphonso, der die Systemprobleme, die Datensicherheit und die Verkaufsgerüchte umfassend behandelt. Ich fokussiere mich im Folgenden auf zwei Themen: informationelle Selbstbestimmung und wie man sie im Internet nicht praktizieren sollte sowie, in einem folgenden Blogeintrag, Fragen zu Finanzierung sowie Eigentums- und Machtverhältnissen bei der Studivz (Ltd.).

Informationelle Selbstbestimmung

Was war das damals für eine Aufregung, als der Staat jeden Bürger befragen wollte … »Damals«, das klingt, grade wenn man die munter in kommerziellen Verzeichnissen wie Studivz bereitwillig jedermann publik gemachten Datens(ch)ätze sich ansieht, so nach vorvorletztem Jahrtausend wie Geschichten von Nero, Cäsar oder den alten Griechen.
Schon komisch, und ich wiederhole mich hier wohl, aber es ist schon ziemlich unverständlich, warum viele ihre persönlichsten Daten (Geburtsdatum, Heimatort, Hobbies, Vorlieben usw.) einfach so ans virtuelle schwarze Brett hängen. Und dann die Fotos. Witzig war vieles sicherlich. Damals, als man es tat. Gruppendynamik, Alkoholenthemmung, was es auch immer war. Aber, Jungs und Mädels, wollt Ihr wirklich, daß jedermann Eure Eskapaden mitverfolgen kann? Daß jeder ein Bild von Euch bei der – augenscheinlich berechtigten – polizeilichen Puste-Aktion sehen kann? Sehen kann, wie Ihr, mit Flasche in der Hand, im der Kofferablage eines Zuges sitzt, wohl auch nicht mehr ganz nüchtern?
Ich kann nur raten, durchforstet Eure online verfügbaren »Fotoalben« und weißt Freunde und Bekannte darauf hin, daß Ihr eine Bildveröffentlichung ohne Euer vorheriges Einverständnis nicht gestattet. Und wenn sich damit jemand nicht abfinden kann: Ihr müßt euch das nicht gefallen lassen. Wenngleich direkt die Rechtsmittelkeule rauszuholen langfristiger Freundschaft vielleicht im Wege stehen mag — in ein, zwei, drei Jahren steht Ihr vor ‘nem Personalchef und müßt dem das Foto mit dem Sitzplatz in der Kofferablage erklären (oder auch nicht, weil Ihr deshalb schon rausgekickt wurdet im Aussiebungsprozeß). Ihr. Nicht der, der Eure Bilder veröffentlicht hat. (Ich erwähnte schon, daß man schon selbst nicht alles veröffentlichen sollte?)
Klasse finde ich ja auch Teilnehmer, die sich mit einem vermeintlich lustigen Foto und ihrer ganzen Vita präsentieren — wohl bekomm’s. Vielleicht vor dem nächsten Schlückchen nochmal drüber nachdenken, daß mit derlei vielen Daten (vollständiger Name, Studienort, Heimatwohnort, Geburtstag, ggf. Vereinsmitgliedschaften) jedermann die Möglichkeit gegeben wird, mit diesen Daten, die ein flüchtiger Besucher auf den ersten Blick zu sehen bekommen, weitere Recherchen zu betreiben. Nachfragen bei ehemaligen und aktuellen Nachbarn ggf. nicht ausgeschlossen, Stalker sollen sowas machen; neugierige Zeitgenossen auch. Nie war es einfacher, auch eigentlich private Informationen zu sammeln …
Warum werden die gebotenen Möglichkeiten zum Erhalt der Privatshäre nicht angenommen? Ein positives Bespiel habe ich hier gefunden — Unbekannten werden keinerlei persönliche Details preisgegeben, so sollte meines Erachtens jeder sich Fremden gegenüber präsentieren, sei es im Studivz oder anderen Kontaktbörsen.
Was auch immer Du also in Diensten wie Studivz & Co. tust: sei geizig mit Deinen Daten und restritiv hinsichtlich der Einstellungen zur Sichtbarkeit für Fremde.
Lade nicht jedes Bild, zeige es Dich oder andere in »lustigen« Posen, hoch, wenn es auch jemand sehen könnte, der vielleicht in zwei Jahren Dein Chef/Deine Chefin sein könnte.
Auch wenn Du Dich in der Gruppe stark oder bestätigt fühlst: wenn Du nicht möchtest, daß Dein Bäcker Dich im Laden fragt, ob er Dich gleich anpinkeln darf, trage Dich nicht mit eigenen Foto und Klarnamen in Gruppen wie »Natursekt Freunde« ein (auch wenn das alles ganz anders gemeint war: werde das Gerücht, daß Du auf angepinkelt werden stehst, in Deinem Heimatort mal wieder los) …
Und, um ein aktuelles Beispiel zu bringen, gib’ selbst regionalen TV-Sendern kein Interview