Memory Lane: vom ORL (VNC, TRIPCode, …) zu Semacode

Sind die besten Träume die, die sich niemals erfüllen können? Dann habe ich den Jackpot gezogen ;)
Seit bald zehn Jahren träume ich davon, Mitarbeiter in den – längst abgewicklten – AT&T Laboratories Cambridge, vormals Olivetti & Oracle Research Laboratory, vormals Olivetti Research Ltd (ORL) zu sein. Darauf gestoßen bin ich über VNC (historischer Link; heutzutage wird es als RealVNC weiterentwicklet); seinerzeit eine coole Geschichte, um insbesondere Windows-Rechner vom Solaris- oder Linux-Arbeitsplatz aus zu bedienen (insbes. für Office-Programme oder auch die leidige Steuererklärung habe ich es früh zu schätzen gelernt). Heute bildet die technische Grundlage, das Remote Framebuffer (RFB) Protocol, auch die Basis für diverse andere Produkte, z. B. in KVM-over-IP-Lösungen oder LOM-Boards.
Als ich heute abend zufällig bei der Auseinandersetzung mit Plazes auf diese komischen 2D-Barcodes stieß, erinnerte ich mich an die komischen runden Symbole, mit denen sie im ORL um die Jahrtausendwende experimentierten (auf TRIP beschränkter Auszug aus einem längeren PDF über die Projekte am ORL). (Zur Geschichte der Entwicklung vom TRIP- zum Shotcode siehe Wikipedia, auch wenn ich meine, daß da die Rolle des ORL zu Gunsten der Universität Cambridge etwas heruntergespielt wird.)
2D-Barcodes in rechteckiger/quadratischer Form allerdings gibt es leider mal wieder mehrere; zwei sind frei von Patentrechten bzw. frei verwendbar, da die Rechte nicht ausgeübt werden vom Rechteinhaber: QR- und Data Matrix (aka Semacode, richts im Bild).
Und was kann man damit machen? Nun, man kann sich einen Reader runterladen sofern der nicht schon, wie bei neueren Nokia-Handies, vorinstalliert ist. Mittels dieses Readers nimmt man ein Bild eines solchens 2D-Barcodes auf, welcher dann, im Idealfall, vom Handy dekodiert wird und entweder der enthaltene Text angezeigt oder, im Falle einer http://-URL, diese direkt an den Browser im Handy übergeben. Das Ergebnis soll sein, daß man durch abfotografieren eines solchen 2D-Barcodes direkt auf einer speziellen Webseite landet, ohne umständlich eine ggf. längliche URL einhacken zu müssen.
Es gab/gibt Seitens BMW eine Kampagne, bei der BMW Matrix Codes (von Semacode) einsetzte oder noch einsetzen will — ich denke, so ein Reader im Handy macht Sinn, zumal eben auch Telefonnummern oder Vcards in diesen 2D-Barcodes kodiert werden können; und welches neue Handy kommt noch ohne Kamera daher?
Bei Splitbrain gibt es eine PHP-Adaption des Matrix-Code-Erzeugers, das zugehörige Standalone-Projekt heißt iec16022.
Ich gebe zu, Real-life-Anwendungen sind in Deutschland noch eher rar; eignen würde es sich überall dort, wo der Nutzer auf eine Webseite gelotst werden soll, z. B. um sich für den WLAN-Hotspot anzumelden …
Auch in der Inventarisierung von Hardware, z. B. in Schulen, könnte es sich anbieten — keine teure Extra-Hardware notwendig, allerdings sind grade für Schulen natürlich die mobilen Datentarife wieder prohibitiv. Vorteil der 2D-Barcodes in Verbindung mit dem richtigen Auswerteprogramm ist allerdings, daß auch reiner Text kodiert werden kann, z. B. eine Hardwarekennung, Standortcode sowie eine Störfallrufnummer …
Ich bin jedenfalls gespannt, ob derlei Codes zukünftig häufiger zu sehen sein werden.