Dumm gelaufen

Eigentlich wollte ich mir den Tatort vom Sonntag noch einmal genauer ansehen, insbesondere die Szenen, bei der die Protagonisten augenscheinlich den Produktionsrechner des Pädophilen finden, ihn anmachen und »Ei Ar Ce«-Logs finden (kurz bevor dann die Hütte abgefackelt wird vom bösen Rechtsanwalt (sic!)).
Normalerweise sieht man bei sowas ja nur Crap, diesmal sah es relativ echt aus. Leider war hier die Technik gegen mich (genauer: der Plattenplatz alle):

vdr@vdr-1.uu.org:~ # ls -lat /video0/Tatort/Tatort__Macht_der_Angst/2007-09-16.20\:10.60.14.rec/
total 8
drwxr-xr-x 2 vdr vdr 4096 Sep 16 22:00 .
-rw-r--r-- 1 vdr vdr 0 Sep 16 20:10 001.vdr
-rw-r--r-- 1 vdr vdr 0 Sep 16 20:10 index.vdr
-rw-r--r-- 1 vdr vdr 0 Sep 16 20:10 summary.vdr
drwxr-xr-x 3 vdr vdr 4096 Sep 16 20:10 ..

Aber der Story haben sich schon andere angenommen.
Ist es überhaupt eine Story? Nunja, augenscheinlich hat man einen realen Chat – #kano, wohl einem Kanotix-Channel – als Ausgangspunkt genommen. Die ersten Bildschirminhalte zeigen noch zelazny.freenode.net als IRC-Server; erst später wird daraus der scheinbar nicht existente Host irc.- bzw. zey.free.net (wobei free.net auf Chemistry of Russian Academy of Sciences registriert ist …) — bei der Connectmeldung wird aber dann die IP-Adresse 140.211.166.3 genannt:

3.166.211.140.in-addr.arpa domain name pointer zelazny.freenode.net. 

Der Zugriff erfolgte demnach von der IP-Adresse 84.140.174.31 (p548CAE1F.dip0.t-ipconnect.de) aus; identifizierbar sind noch u. a. 91.64.67.xx (descr: Kabeldeutschland Route Nuernberg) und 80.140.194.xx (es wird der dip0.t-ipconnect.de-FQDN gezeigt), später wird versucht zu verschleiern, aber leider ohne Kenntnis der Internet-Materie: Bei p54802310.dip0.t-ipconnect.de hat man es sich sehr einfach gemacht und kurzerhand die Domain auf t-ipt.de geändert hat — liegt jedenfalls nahe, denn t-ipt.de ist NXDOMAIN und mit der erstgenannten Domain löst der FQDN zu einer IP auf …
Kurzum: ich finde es sehr bedenklich, daß die ARD zur besten Sendezeit in einem Kriminalfilm über Pädophilie augenscheinlich reale Nutzer-IP-Adressen zeigt; zwar dürfte der Kanal #kano über den Pädophilie-Verdacht erhaben sein. Aber schon die über whois-Daten mögliche Eingrenzung auf eine Stadt (bei Kabel Deutschland) zeigt, wie unverantwortlich die Nutzung von realen Daten für fiktive Dinge ist.
In meiner kleinen Welt wäre seitens der soo große – gebührenfinanzierte – Onlinepläne schmiedenden ARD jetzt eine entschuldigende Klarstellung angebracht, aus der ersichtlich ist, daß die ARD verstanden hat, daß man unter keinen Umständen reale Daten in einen vollkommen anderen Kontext stellt und veröffentlicht — denn grade die ARD, deren staatlich besteller Finanzmittelbeschaffer grade den Wahrheitsfeldzug gestartet hat, sollte wissen, wie schädlich falsche Informationen sein können. (Oder auch richtige, die man nicht mag.)
Warum kriegen die Verantwortlichen in Deutschland es nicht auf die Reihe? In den USA, u. a. im Film »The Net« (deutsch: »Das Netz«), hat man das durchaus eleganter gelöst:

Factual errors: When searching for Praetorian, Angela searches for the owner of IP address: 24.75.345.200 This address would be impossible on the Internet because no subnet address can be greater than 255. This is analogous to using an 8-digit phone number, not one starting with 555; there are validly formed addresses that could have been used instead.
Continuity: When Angela is searching for the Praetorians on the computer at the Cathedral office the IP address that first pops up is: 75.748.86.91. A close-up of the IP address shows it as: 23.75.345.200

 
Aber natürlich ist das Nachstellen von Internetszenen viel zu aufwendig, deshalb engagiert man ja keine Schauspieler sondern filmt mal so drauf los Passanten und schneidet daraus denn den Film …