2007: A PVR Odyssey

Kurzer Einleitung: meine Eltern leben in der norddeutschen Tiefebene, also dort, wo man in 20 bis 30 Jahren die Erlebnis-Unterwasserparks eingerichtet haben wird, Motto »Erleben Sie das Cuxland, 4 Meter unter dem Meer«. Fernab von Kabelanschluß zwar, aber in keiner DSL-Wüste und auch nicht ohne Satellitenempfang. Es handelt sich im einen Bungalow aus den späten 60ern, TV-Anschluß gab es einen im Wohnzimmer; dieser wurde allerdings schon in den 80ern durch einen analogen Satellitenanschluß ersetzt. Vor ca. vier Jahren wurde die analoge Technik entsorgt und es sollte eine komfortable, digitale Anlage her. Keine VHS-Aufnahmen, die zwischendrin andere Programmfragmente enthielten, weil versehentlich der einzige Receiver umgeschaltet wurde während der Aufnahme …
Möglichst ein All-in-one-Gerät, um einige Fernbedienungen wieder wegpacken zu können und wieder Platz auf dem Wohnzimmertisch zu haben.
Da jedes Empfangsteil prinzipiell einen eigenen Zugang zur Schüssel benötigt – ein Einkabelsystem bot sich schon wegen fehlender Inhouse-Koaxverkabelung nicht an –, wurde eine neue Schüssel samt QuadSwitch-LNB montiert, zwei digitaltaugliche Kabel ins Wohnzimmer sowie eins ins Arbeitszimmer gelegt und schließlich ein Topfield Twin-Receiver installiert.

Fein, fein. Oder auch nicht; leider hat jede Unterhaltungselektronik ihre eingebaute begrenzte Lebensdauer — bei solcher, die PC-Standardteile beinhaltet, z. B. Festplatten, würde ich heute auch von keiner dreistelligen Monatszahl ausgehen. Den Topfield PVR meiner Eltern hat’s über die Jahre jedenfalls doch ziemlich zerrissen; erst starb die Festplatte, dann wollte keiner es reparieren bis sich jemand erbarmte, zu Apothekerpreisen eine 160er Platte einzubauen. Der Topfield überstand dies mit Kollateralschäden: einer der beiden Tuner tat nicht mehr, inwiefern dies mit dem Festplattentod zusammenhängt oder »nur« altersbedingt zu sehen ist — keine Ahnung.
Jedenfalls suchte ich nun seit gut einer Woche nach einem Nachfolge-PVR für meine Eltern; vorauseilende Dienstleistung zum Weihnachtsfest quasi ;)
Der örtliche Fachhandel bot derweil einen HD-Ready Twin-Receiver mit Festplatte von Humax, den »iCord HD« an; 449,– Euro soll er kosten, wenn er im November demnächst rauskommt.
Das Äquivalent von rd. 900,– Deutsche Mark, für einen HD-Ready-Receiver? Mit dem meine Eltern genau 3 FTA-Programme in HD schauen könnten (Pro7 & Sat.1 – hochskaliertes SDTV, dazwischen mal ein Spielfilm in HDTV – und natürlich Anixe HD) — wenn sie denn überhaupt HD-Equipment hätten und keine ältere 70cm-Röhre? Klingt nicht soo sinnvoll, auf den ersten Blick.
Am liebsten hätte ich Ihnen ja eine Dreambox nahegelegt; von der soll es ja auch irgendwann eine HD-Variante namens DreamBox DM8000 geben, aber jene wird wohl nur »zu einem Preis von 799,- EUR (UVP laut Dream Multimedia)« erhältlich sein; das ist wiederum fast Faktor 2 verglichen mit dem iCord HD!
Aber auch die SDTV-Dreambox als Twin-Tuner-Gerät ist nicht unter 499,– (oder auch deutlich über 500,– Euro mit großer Platte) zu bekommen … Schon ein stolzer Preis, den man zahlen soll, um ein Linux-basiertes Consumer Electronics-Gerät zu besitzen — Kultstatus hin oder her. Da wäre iCord HD wieder billiger — und besser (HD-Ready).
Wenn’s Linux sein soll, fährt man evtl. mit einer DGStation Relook 400S günstiger, die es schon ab 269,– Euro ohne Festplatte (339,– mit 160er) gibt; auch der Relook 400S ist ein Twin-DVB-S-Receiver auf Linux/PPC-Basis, leider ohne das schnieke Grafikdisplay der DM 7020.
Allerdings beginnen die Twin-Tuner-Receiver bei rd. 150,– Euro mit 80er Platte — das ist noch mal ‘n Hunni weniger als man für ‘ne Relook anlegen müßte und damit ist der Traum vom Linux-PVR auch bei meinen Eltern ausgeträumt. Den Mehrwert, den eine solche Box vielleicht ihnen bieten mag, würden sie nicht sehen oder nutzen können (überraschenderweise ist kein Ethernetanschluß in der Nähe des Fernsehers, eine Weiterbearbeitung der Aufnahmen am PC, vielleicht mit Archivierung auf DVD, mit Transfer der Aufnahme über’s LAN z. B. ginge gar nicht).
Schön wäre es aber, Aufnahmen vom PVR sichern zu können; ins Netz, auf USB-Platten oder auch auf einen angeschlossenen Rechner bzw. Laptop. Festplatten halten nicht ewig, selbst 400 GB sind irgendwann voll — und als Archivmedium eignet sich prinzipiell die DVD deutlich bessser. Aber selbst dieses Feature bieten die Massenware-PVRs — jüngstes Beispiel ist der von LIDL ab 13.12.07 angebotene Silvercrest PVR: auch wenn Stand heute noch nicht ganz sicher ist, daß es das identische Produkt ist — sollte es das sein, so bietet dieser PVR einen Twin-DVB-S-Tuner, 80 GB Plattenplatz, CI-Slot und USB On-The-Go, lt. Manual einsetzbar als Host- sowie Slave-Port … Nur Ethernet, z. B. für (Streaming-)Content aus dem Internet, fehlt mir noch in der Featureliste — aber, wie gesagt, meine Eltern haben beim TV eh’ kein Ethernet.
Ich habe mal zum Kauf geraten; meine eigenen Versuche, auf Basis von S100, Zenega oder Samsung SMT-7020S eine Multimediamaschine zusammenzubauen, ist aus Zeitgründen leider ins Stocken geraten.
Eine richtig coole Basis für eine leistungsfähige (lies: HDTV- bzw. x264-taugliche) Medienzentrale stellen die Activy Media Center 5×0 dar — nicht zu verwechseln mit der ungleich leistungsschwächeren (P3-Architektur vs. P4 bei den 5×0) und eingestellten Activy 3×0-Reihe. Leider liegen die Preise hier gleich weit jenseits der 650,– Euro-Grenze, selbst gebraucht bei eBay gehen die Geräte erst für über 400,– Euro über den virtuellen Tresen.
Ich werde daher meine VDR-basierte Infrastruktur weiter ausbauen. Im Wohnzimmer läuft derzeit noch ein Zwei-Karten-VDR in einem Slimline-PC (MSI Hermes, FSC Scenic/Scovery xS), den ich durch eine 1-Karten-Lösung (Zenega oder SMT-7020S) mit irgendwas mit VDR & MMS demnächst aus Geräuschgründen ersetzen werde. Im Keller werkelt derzeit ein Misch-VDR (1x DVB-S, 1x DVB-T); dieser wird evtl. streamdev-Quelle für den VDR-Client im Wohnzimmer (Fallback, falls über die lokale DVB-S-Karte was aufgenommen wird).
Was ich dringend suche und notfalls selbst basteln muß: eine unifizierende Oberfläche für mehrere VDRs mit verschiedenen Empangsmöglichkeiten. So habe ich im Erdgeschoß (d. h. im Wohnzimmer) derzeit die Möglichkeit, Astra 19.2E sowie Astra 28.2E zu empfangen, im Keller habe ich nur Astra 19.2E plus DVB-T, im OG derzeit nur Astra 19.2E. Außerdem habe ich an einer entfernten Lokation nochmals einen VDR mit Empfang von Astra 19.2E; nun würde ich gerne einerseits über vdradmin, andererseits aber auch mit VDR-Boardmitteln, sowohl Aufnahmen »sinnvoll« über die VDRs verteilen als auch auf meinem Wohnzimmer-VDR alle Aufnahmen sehen können (ein DSL-Zugang ab 16 MBit/sec ist da bandbreitenmäßig hilfreich) — any pointers already?