Die Mär vom portablen Web – reloaded

Jetzt, mit meinem heißersehnten N810, mußte ich natürlich meine These, daß das Internet mobil gar nicht nutzbar ist, überprüfen. Das letztmalige Paradebeispiel – noradtrackssanta – hat leider mittlerweile auch den Jahreswechsel vollzogen, so daß andere Objekte herhalten müssen.
Das erste neue Objekt war Der Westen, wo das N810 sich beim Laden über exzessive CPU-Nutzung beschwerte — ein Zustand, der nach Abschluß aller Ladevorgänge allerdings nicht wieder auftrat. Normalen HTML-Content kann man augenscheinlich gut abrufen, was leider gar nicht funktioniert – über WLAN – sind Flash-Filmchen. Hier ruckelt und zuckelt es leider nur so vor sich hin, als ob man einen HD-Film auf einem P3 sich anschauen wollte — nicht nutzbar, leider. Dieses Problem tritt – deutlich vermindert – auch bei youtube auf, hier allerdings bleiben die Inhalte ansehlich, nur die CPU-Warnung alle paar Sekunden nervt ein wenig.
Auch die Seiten meines fimpernden Kollegen schmeißen CPU-Last-Warnungen, auch hier hört dies nach Abschluß aller Ladevorgänge auf. Allerdings bleibt die CPU-Auslastung auf einem sehr hohen Niveau (blau ist die CPU-, grün die Speicherauslastung). Ich habe es noch nicht weiter analysiert, meine mich aber zu erinnern, daß dort mehrere Flash-Applets in die Seite integriert sind — irgendwas beschäftigt jedenfalls mein N810 deutlich beim Betrachten von fimpern.de. Soviel KI, daß das N810 verstehen würde, was corona dort beblogt, soviel KI hat das neuste Internet Tablet dann doch nicht zur Verfügung ;)
Mein Zwischenfazit: das Nokia N810 Internet Tablet ist mein erstes Mobilgerät, welches einerseits weitgehend aktuelle Internetseiten darzustellen vermag (bild.de, imho ein Negativbeispiel heutiger Seiten, eingeschlossen) und außerdem noch über adäquate Texteingabemöglichkeit z. B. zum Bloggen verfügt. Nun mag man mir diesen Enthusiasmus vielleicht nicht abnehmen, da ich ja quasi von Nokia beschenkt wurde mit dem N810 — nunja. Es ist allerdings wirklich für mich das erste Gerät, vom 12″-Vaio seinerzeit abgesehen, welches mich glauben läßt, damit unterwegs wirklich (fast) alles tun zu können, was man (ich) unterwegs gerne tun würde mit einem mobilen Internetzugangsgerät.
Wer die Möglichkeit hat, ein N810 mal auszuprobieren, sollte diese Möglichkeit dringend wahrnehmen; für Linux-affine Leute wie mich ist es – derzeit zumindest noch – der Heilige Gral ;) Nicht verschweigen will ich, daß der Pricetag in umgekehrter Relation zur Größe des kleinen Kastens steht — und amazon.de listet den Eee-PC für 299,00 EUR, wohingegen das N810 dort derzeit nicht unter 429,00 EUR zu haben ist …

VFAT für Flash-Medien?

Ein Beitrag in einem anderen Blog brachte mich drauf, doch mal zu gucken, wie beim N810 denn der Flash-Speicher eingebunden wird, so von wegen »noatime« und dergleichen …
Wie man oben sehen kann, nutzt Nokia beim N810 das gute alte VFAT für den internen Flash-Speicher, mit noch einigen weiteren Optionen, die mir ad hoc erst mal nichts sagen. Nutze ich Flash, z. B. in Form von CF-Modulen oder auch bei DoMs (Disk-on-Module), USB-Sticks, nehme ich für den reinen Einsatz unter Linux i. d. R. ext3; vielleicht mounte ich dann mit »noatime«, ein Automatismus ist derlei noch nicht geworden — für mich. Größere Ausfälle hatte ich auch noch nicht zu beklagen, selbst ein IP-Cop auf CF-Basis lief gut ein Jahr, bis er durch wohl ein äußeres Ereignis dahin gerafft wurde (der Thin-Client sagt praktisch gar nichts mehr).
Ist also VFAT die eierlegende Filesystem-Wollmilchsau für Flash-Speichermedien? Oder ist das mittlerweile durch bessere Chips und intelligentere Controller eher so egal? Wer Pointer zu aussagekräftigen Studien hat, bitte in die Kommentare damit, danke!

Screenshots mit dem N810

Ich dachte ja, mit der Installation von »osso-statusbar-cpu« hätte ich ein Screenshot-Programm installiert — leider wurde nur der Aufruf von, nicht aber auch osso-screenshot-tool selbst, installiert. Nun gut, mal wieder verkackte, weil nicht hinterlegte, Abhängigkeiten — ist mal als Linuxer ja irgendwie doch gewohnt … »sudo gainroot«, dann schnell ein »apt-get install osso-screenshot-tool«, Fehlermeldung mit Vorschlag von »screenshot-tool« – warum bitte installierst Du Held der Landstraße das dann nicht gleich‽ – und »apt-get install screenshot-tool«, Anpassen des Kommandos für Screenshot in »osso-statusbar-cpu« und … keine Screenshots in /home/user/MyApp/.images/.
Händisch aufgerufen offenbart sich das Problem, die pseudo-intelligente Erkennung, ob ein Speicherstick eingelegt ist, greift zumindest auf meinem N810 ins Klo — ein »grep mmc« ist immer da (2 GB interner Speicher), liegt aber unter /media/mmc2 — nun suche ich explizit nach gemountetem /media/mmc1 bevor der Pfad darauf gesetzt wird und, voilá, nun hagelt es Screenshots ;)
Das bei nokian810screenshots.com verlinkte »maemo screen-grabber« hingegen scheint ein Hoax zu sein: »Dieses Projekt hat bisher keine Dateien veröffentlicht.« Komisch, aber nicht tragisch, ich für meinen Teil kann erstmal mit »nur« screenshot-tool, ohne »osso-« vorweg, leben ;)

N810: It's amazing!

Ich sitze grade beim Reifenhändler, am Zweitwagen auch mal Winterreifen aufziehen lassen, und vertreibe mir die Zeit mit meinem N810. Die UMTS-Verbindung hält mein altes Nokia 6630, dank openvpn habe ich vollen Zugriff auf meine Dienste zuhause, VoIP eingeschlossen.
Nach gut zwei Tagen mit dem N810 bin ich – alter Skeptiker, der ich bin – sehr positiv überrascht. Die Minitastatur ist erstaunlich nutzbar, die Akkulaufzeit Klasse (8+ Stunden online und noch Kapazität übrig) …
Allerdings schreit das 6630 nach rund drei Stunden lautstark nach einer externen Stromquelle — es wird überdeutlich, warum Nokia hier eben kein GSM-Modul eingebaut hat (wobei … bei mir hat es entweder über WLAN oder UMTS-über-BT Internet-Anbindung, jene Funken brauchen doch auch Energie?).
Leider habe ich, weder über die eingebauten SIP-Clientt noch über Gizmo, bislang kein Videotelefonat mit Ekiga – direkt oder über Asterisk – hinbekommen. Aber nachdem nun alle drei Kollegen ihre Maemo-Developerprogramm-N810 in ihren Händen halten, werde ich derlei wohl nächste Woche mal >85 mehreren N810 testen können :-)

Von wegen unbegrenzt …

Nun hat man endlich bei VictorVox Mut gefaßt und, siehe Golem.de, das Märchen von der unbegrenzten Flatrate auf dem 3G-Netz der deutschen Vodefone beerdigt. In den »MoobiCent mobileDSL flat Tarif AGB (PDF-Format)« (unten auf der AGB-Seite verlinkt) findet sich nun folgender Passus:

XIII. Verpflichtung und Haftung des Teilnehmers / SIM-Karte und SIM-Kartenpfand / Plug-In
[…]
11. Der Kunde ist verpflichtet, die Mobilfunkdienstleistungen, die dem Kunden unabhängig von einer Abnahmemenge zu einem Pauschalpreis zur Verfügung gestellt werden (z.B. im Rahmen einer Flatrate),
[…]
d. nicht in einer Weise, die zu einer derartigen Belegung einzelner GSM/UMTS-Zellen führt, dass andere Kunden von VICTORVOX von der Inanspruchnahme des Mobilfunkservices dauerhaft ausgeschlossen werden und
e. nicht für Dauerverbindungen aufgrund manueller oder automatischer Wahlwiederholung
zu nutzen.

 

Liiiiebe Victorvox/MoobiCent, das Verbot von »Dauerverbindungen aufgrund manueller oder automatischer Wahlwiederholung« bei einem Mobilfunkdienst, der noch immer mit den Worten »mobileDSL flat unterliegt keinerlei zeitlichen Einschränkungen« beworben wird — seid Ihr sicher, daß dies nicht nichtig wegen Unvorhersehbarkeit ist?
Auch lustig das Ansinnen, die technische Organisation des GSM-/UMTS-Netzes auf die MoobiCent-Nutzer in Buchstabe d abzuwälzen; so ein GSM-, UMTS- oder auch HSxPA-Netz ist im Grunde nicht anders als ein DSL-, ein Kabelnetz oder auch ein WiMAX- oder WLAN-Netz, welches für eine bestimmte Anzahl von Nutzern eine bestimmte Bandbreite vorhält. Kabelgebundene Netze sind hier etwas im Vorteil, können Sie die Bandbreite vom und zum Kunden ggf. auf Hardwareebene (dem Kabel ;)) kontrollieren — Funknetze hingegen bestreichen, vereinfacht, einen bestimmten Bereich mit einer vorgegebenen Bandbreite, in dem nun ein Nutzer Teile dieser Bandbreite nutzen kann.
Es ist mir als IP-over-MoobiCent-Nutzer allerdings schlechterdings unmöglich, z. B. kernel.org zu sagen »hey, Server, ich nutze grade MoobiCent und da muß ich auf andere potentielle Kunden Acht geben, also schick’ mal nicht mit Fullspeed sondern nur so mit 120 kBit/sec«. Die (gerechte) Aufteilung der Resourcen sicherzustellen, das ist Kernaufgabe des Netzes bzw. des Netzbetreibers. Wüßte ja gerne, wie Victorvox/MoobiCent die Beweisführung in diesem AGB-Punkt führen möchte …
Anyway; es wiederholt sich also, was schon vor Jahren mit der 79-DMark-Flatrate eines bestimmten Anbieters anfing: $ANBIETER kauft nutzungsabhängig tarifierte Vorleistung ein, startet Marketingkampagne für den Verkauf einer echten Flatrate zu einem nicht ganz geringen Preis, zieht dabei – vollkommen unvorhersehbar natürlich – grade die Intensivnutzer an und sieht schon nach kurzer Zeit es kommen, daß man seinen Businesscase bei der Insolvenzverhandlung belächeln würde. Da $ANBIETER es nicht so weit kommen lassen will, haben erst einmal die Intensivnutzer »technische Probleme«, bis man sich dann doch zur AGB-Änderung entschließt — und ggf. später das Angebot doch ganz einstellt …