Farbenspiele, Sündenfälle

»Die Yps« will unbedingt in Hessen an die Macht, da ist dann auch links-rot kein rotes Tuch mehr — jedenfalls nicht vor Ort, woanders sieht man das, naturgemäß, anders. Wobei: die ewige Hauptstadt, wer regiert dort eigentlich?
Eine andere Farbmischung gibt es derzeit in Hamburg, dem anderen großen Stadtstaat. Hier hat sich Schwarz einen grünen Anstrich zugelegt, allerdings hatte Grün vorher klare Ziele formuliert:

“Wir wollen schließlich unsere Glaubwürdigkeit nicht verlieren”, sagt [Christa Goetsch, Spitzenkandidatin der Hamburger Grünen] […] “Wir wollen nicht auf Teufel komm raus an die Macht”, sagt sie SPIEGEL ONLINE. Wenn bei Themen, die den Grünen wichtig seien, kein gemeinsamer Nenner zu finden sei, “dann gehen wir eben hoch erhobenen Hauptes in die Opposition.” Das umstrittene neue Kohlekraftwerk in Moorburg sei mit den Grünen “nicht zu machen”, und auch die Elbvertiefung – welche die CDU umsetzen will, die Grünen aber strikt ablehnen – könnte eine Zusammenarbeit verhindern.

 
Das mit der Elbvertiefung mag dann noch spannend werden – in der Unterelbe-Region eher kein Selbstrenner –; das neue Kohlekraftwerk hat, lt. Spiegel-Bericht, von Beust schon vor der Wahl hinreichend zementiert:

Der Wortspielwitz ihrer Hamburger Wahlkampfplakate ist den Grünen inzwischen abhanden gekommen. Weil sie an die Macht und mit der CDU koalieren wollten, muss Hajduk den Bau des verhassten Kohlekraftwerks genehmigen – die rechtliche Lage lässt ihr keinen Spielraum. Bürgermeister Ole von Beust hatte vor der Wahl – noch als Chef der CDU-Alleinregierung – eine zu weitreichende Vorabgenehmigung erteilt, als dass jetzt noch zurückgerudert werden könnte.

 
Tja. Willkommen in der Realität, liebe Grüne in Hamburg. Dann setzen wir interessierte Zuschauer dieses Politexperiments uns also mal wieder hin, besorgen uns noch ein wenig Popcorn und beobachten interessiert, wie es um die weiteren festen Standpunkte der Grünen im Treibsand der schwarz-grünen Koalition bestellt ist.
Eigentlich sollte dieses Beispiel selbst der machthungrigen Hessin abschreckend genug sein; aber ich fürchte schätze, die Aussicht, Roland Koch zu beerben, läßt rationale Überlegungen nicht zu. Wobei ich den brutalstmöglichen Nichtaufklärer auch lieber gestern als morgen als Politikrentner sehen würde — Not wird er ja, wie andere auch, nicht leiden.