Bandbreitenkonjunktur

Mich läßt das breitbandige Konjunkturpaket nicht ganz los – dabei ist die 50-MBit/sec-Vorgabe schon über einen Monat alt –; heute hat dann auch Golem.de das Thema am Wickel. Noch einmal zur Rekapitulation, die Eckpunkte des Konjunkturpaketes II bezüglich Breitbandausbau:

  • fächendeckende Versorgung
  • mit mindestens 50 MBit/sec
  • bis 2018

Da geht einem doch das Herz auf. Und die Altmetallsammler werden sich schon mal die Hände reiben — all das Kupfer, was nun durch Glas ersetzt werden muß …
Denn 50 MBit/sec, die laufen ja nicht frei auf der Straße rum. Die gibt’s auch nicht mal eben schnell, dafür sind richtig fette Maßnahmen notwendig. Nämlich kurze Kupferstrecken; so unter 500 Metern sollte sich die gesamte Kupferdoppeladerstrecke bewegen, sonst wird das nichts mit 50 MBit/sec — bei heutiger Technik, aber es sind ja auch noch 10 Jahre Zeit …
Unverständlich in dem Zusammenhang sind mir zwei Punkte:

  • Warum trommeln die Lobbyisten schon wieder für Rundfunkfrequenzen aus der digitalen Dividende?
  • Der Staat besaß die Infrastruktur schon einmai (Deutsche Bundespost), wie sollen die Investitionen getätigt werden, soll die Bundesnetzagentur selbst Netzbetreiber werden?

Zum ersten Punkt, den Funkfrequenzen, möchte ich nur zwei Zitate aus dem Golem-Artikel bringen:

Dazu müssten aber freigewordene Rundfunkfrequenzen für die Breitbandnutzung freigegeben werden. “Wenn die politischen Weichen gestellt sind und die Bundesnetzagentur Wort hält, kann schon im Herbst dieses Jahres mit dem Vergabeverfahren begonnen werden”, sagte der VATM-Geschäftsführer [Jürgen Grützner].

 

Die Bundesregierung will eine flächendeckende Versorgung mit 50 MBit/s pro Kunde bis zum Jahr 2018 erreichen. Dies kann nach Ansicht des VATM nur über direkte Glasfaseranschlüsse möglich sein.

 
Mit anderen Worten: der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten, VATM, pocht schon mal auf Funkfrequenzen – ob sich damit überhaupt sinnvoll Internetzugänge realisieren lassen, sollen Pilotversuche im laufenden Jahr erst zeigen.
Man beachte, daß beim Pilotversuch von E-Plus »nur« stinknormales HSPA mit 7,2 MBit/sec Zellengeschwindigkeit zum Einsatz kommt — diese Bandbreite müssen sich die 50 »ausgewählten Familien und Betriebe« teilen. (Daß rechnerisch dann nur noch 0,144 MBit/sec pro Teilnehmer übrig bleiben – Worst-case-Rechnung – und daß im Radius von 20 km um den Sendestandort nicht zwingend jeder mit vollem Durchsatz wird rechnen können — Details.) T-Mobile hingegen setzt die schon länger – auf den regulären Frequenzen – von Airdata benutzte Technik UMTS-TDD ein; lt. einer Pressemitteilung aus 2005 sind bei T-Mobile Czech Republic »Sektorengeschwindigkeiten von bis zu 4,5 Mbps zu erreichen (die durchschnittliche Anwender-Erfahrung liegt bei 512 Kbps)« — auch das klingt mehr nach Breitband in der gültigen Definition des Bundeswirtschaftsministeriums denn nach einer richtig Multimegabit-Anbindung.
Nach dem Klarstellen des Anspruchs auf Frequenzen aus der digitalen Dividende stellt der Verband dann aber selbst klar, daß das vorgegebene Ziel, sprich besagte 50 MBit/sec als Basiszugang, über Funk gar nicht realisierbar ist … Mithin ist diese Diskussion als abgechlossen zu betrachten; das politische Ziel ist via Funk nicht erreichbar, also bedarf es auch keiner Vergabe von Funkfrequenzen. Danke, VATM, für diese Klarstellung.
BTW: Warum müssen eigentlich es Mobilfunkbetreiber sein, die die Internetinfrastruktur auf Basis von HSPA über Rundfunkfrequenzen in der Fläche aufbauen? Derlei impliziert Carsten Ahrens, Geschäftsführer von Ericsson in Deutschland jedenfalls:

“Dieses Projekt ist also kein Labortest, sondern baut auf kommerziell verfügbarer Technik auf und könnte sofort in Deutschland in der Praxis zum Einsatz kommen, wenn die notwendigen Frequenzen hierzu für die Mobilfunknetzbetreiber verfügbar gemacht werden.”

 
Tja, das Konjunkturpaket II ist noch nicht mal abschließend parlamentarisch besprochen, da wird das Fell des Bären schon verteilt …
Und wo wir grade über Funk sprechen: was wurde eigentlich aus dem Bandbreiten-Reichweiten-Wunder WiMAX? Frequenzen wurden zugeteilt, aber der große Durchbruch ist medial nicht spürbar. Dabei sollte, technisch, WiMAX bis zu 50 km Reichweite bieten – ist das nicht ideal für ländliche Gegenden?
Aber zum zweiten Punkt: wie solle diese Herkulesaufgabe, unterfüttert mit Steuermilliarden – »“Investitionen im hohen zweistelligen Milliardenbereich in Fest- und Funknetze sind in den nächsten Jahren erforderlich, […]”« –, geschultert werden?
Damals, als das Fernmeldemonopol noch in staatlicher Hand lag, war alles einfach: die Bundespost verbuddelte, einem großen Plan folgend, Kupfer, Glas oder Koax-Kabel, die Bürger wurden angeschlossen. Telefon gab’s auch auf der letzten Almhütte, wenn es jemand dorthin bestellte. Telekommunikationsinfrastruktur, das war Infrastruktur und damit Aufgabe des Staates.
Und heute? Wie soll das funktionieren mit 50 MBit/sec-Zugängen flächenmdeckend im Wettbewerb? Schon beim Prototypen eines solchen Ausbaus, der sahnehäubchenartigen VDSL-Ausbau, gab’s Zank und Streit, Kunden, die heute nicht in netcologne-City Köln leben und einen DSL-Zugang mit mehr als 16 MBit/sec wünschen, haben die Wahl zwischen T-Home und … Verzicht. Eigentlich schlimmer noch, sie werden zwangsweise mit T-Entertain versorgt, kostenpflichtig, versteht sich.
Einen VDSL-Zugang über 1&1? Geht nicht, gibt’s nicht. Und es macht auch kaum Sinn, daß jetzt in Summe vier, fünf Anbieter hingehen und quer durch die Republik alle 500 Meter eigene Outdoor-DSLAMs setzen — also entlang *jeder* Straße *jede* 500 Meter vier, fünf solcher hübschen grauen Doppel-/Dreifachkästen. Ich meine, man sollte den Begriff des »Information Superhighway« – »Bundesdatenautobahn« ist glaube ich ein geschützter Begriff – ernster nehmen; Straßen baut auch nicht jeder nach Gusto und im Dutzend billiger. Daß seinerzeit – aus meiner Sicht – der Fehler gemacht wurde und das Teilnehmeranschlußnetz – die heilige Kupferdoppelader in die Wohnungen – bei der Telekom gelassen wurde, wirkt heute noch nach. Ich meine aber, daß Deutschland bei der Telekommunikation einen Schritt zurück machen und das Teilnehmeranschlußnetz der Telekom entreißen muß — oder zumindest andere Rahmenbedingungen schaffen, denn, siehe VDSL-Streit, derzeit skaliert das Modell nicht.

Lotto, online?

Hmm. Wie ist jetzt eigentlich der Status?

15 Millionen Euro im Jackpot. Leider geht online Lottospielen nicht mehr, weil der neue Staatsvertrag Glücksspiele im Internet verbietet. Aus Suchtpräventionsgründen.

 
Komisch:

Date: Tue, 13 Jan 2009 03:37:28 +0000 (UTC)
From: support@westlotto.de

[…] vielen Dank fuer Ihre Teilnahme ueber www.westlotto.de. Ihr Spielauftrag wurde von uns erfolgreich an die Westdeutsche Lotterie GmbH & Co. OHG uebermittelt.
Der Spielschein wurde wie von Ihnen gewuenscht im Rahmen Ihres Jackpot-Abonnements von uns abgegeben. […]

 
Da ich 2008 keine Lust hatte, mich bei einem Dritten in Norddeutschland zu registrieren, um weiter online bei www.westlotto.de mitzuspielen. läuft nur noch dieses vorher abgeschlossene Abo; ich fürchte, ohne Registrierung als Spieler geht auch eine Deaktivierung nicht mehr — wobei, eigentlich dürfte es obiges auch nicht mehr geben?
Naja. Strenggenommen ist’s ja nicht online (ich habe ja nichts aktuell getriggert) und nur diskutativ im Internet (seit wann ist eMail das Internet?) …