Geshopter Landeanflug – aus 1 mach 4

Über die Sinnhaftigkeit von Bilderstrecken auf Magazinseiten zu philosophieren ist eher müßig; es gibt sie nun einmal. So auch diese bei DerWesten zur Notwasserung eines Airbus gestern in New York.
Eine neue Erfahrung, zumindest für mich, ist aber, daß DerWesten offensichtlich aus einem Bild mit ein bißchen Photoshop-Arbeit insgesamt vier Einträge in der Bilderstrecke sich zusammenbastelt. Untertitelt sind sie mit »Diese Fotos zeigen die Maschine im Landeanflug.« (Link), gefolgt von einer augenscheinlichen Ausschnittsvergrößerung mit der Unterschrift »Allmählich sinkt sie tiefer…« (Link), dem gleichen Bild mit anderer URL und dem Text »..und tiefer…«, den Abschluß bildet dann – es ist wohl das Ausgangsbild – »…und berührt schließlich die Wasseroberfläche.«, wo die Maschine nach wie vor dem Wasser nicht näher gekommen ist, siehe Screenshot.
Großartig … Sinnentleerte Nutzung neuer Medien, Sieger 2009: DerWesten!

»Familienministerin setzt Internet-Filter durch«

Das ist doch mal eine Aussage:

Deutsche Serviceprovider werden “noch in dieser Legislaturperiode” damit beginnen, Internet-Adressen mit kinderpornografischen Inhalten zu blockieren. […]
“Ich habe mich”, sagte Familienministerin Ursula von der Leyen in Berlin, “mit meinen Kollegen Wolfgang Schäuble und Michael Glos geeinigt.” […] “Noch in dieser Legislaturperiode” werde ein Filtersystem durch die deutschen Serviceprovider (ISPs) umgesetzt, das künftig den Zugriff auf solche Seiten und Angebote verhindern soll.

 
Bevor ich über die technische Umsetzung phoilosophiere, erst noch ein spannendes Detail, wieder berichtet von Spiegel Online:

Berlin – Irgendwann im Laufe der Pressekonferenz im Familienministerium werden die Fernsehteams gebeten, ihre Kameras abzuschalten. Man werde nun, erklärt Pressesprecherin Iris Bethge, Material zeigen, das man nicht weiterverbreiten dürfe. […] Dann ruft Bjørn-Erik Ludvigsen von der norwegischen Kriminalpolizei einen Internet-Browser auf und zeigt ein paar Webseiten – live. Die erste ist beunruhigend: Nackte Kinder posieren da für die Kamera, in Hochglanzoptik. […] Dann öffnet der Polizist weitere Seiten – und die ersten Journalisten im Saal wenden gequält den Blick ab. Obwohl die Vorschaubildchen auf den Banner-Seiten und Startbildschirmen klein sind und der Beamer nicht allzu stark, ist deutlich zu erkennen, dass hier Kinder beim Sex mit Erwachsenen zu sehen sind. […]

 
Es wurde dem Bericht nach also in Deutschland verbotenes (kinderpornografisches) Material im Beisein der Bundesfamiliienministerin von einem norwegischen Polizisten deutschen Journalisten zugänglich gemacht? Starker Tobak, wie ich finde — die dürfen das? Und tut das Not? Darf eine Zeitung einen Passanten live überfahren (lassen), um einem Leser zu zeigen, wie grausig das ist? Schade, daß augenscheinlich kein Anwalt geladen war …
In jenem Spiegel-Online-Artikel wird auch über die Technologie berichtet, die angeblich in Deutschland zu Einsatz kommen soll:

Hybrid-Filter
Prinzip: Dieses System kombiniert Filter auf IP- und URL-Ebene. Ein verdächtiger IP-Bereich ist vorab definiert. Erst wenn Nutzer Daten aus diesem Adressbereich abrufen, läuft die aufwendige Analyse des Datenverkehrs an. Sie durchsucht die Anfragen auf blockierte URLs. Folge: Der Rechenaufwand ist geringer als bei der Sperre auf URL-Ebene, die Kollateralschäden nicht so groß wie bei der Blockade von IP-Adressen.
Probleme: Das Verfahren ist recht aufwendig, außerdem könnte die Detailanalyse des Datenverkehrs deutschen Datenschutz-Grundsätzen widersprechen. Ein vergleichbares System soll in Deutschland nun aber installiert werden – die beteiligten Ministerien sind sicher, alle juristischen Probleme ausräumen zu können.

 
Naja, in gut einem Monat werden wir sicherlich mehr wissen, denn »bis Anfang März soll eine “verbindliche Abmachung” mit allen großen deutschen Internetprovidern stehen« — anders als bei der rechtlich fragwürdigen Vorratsdatenspeicherung wird das für die Provider auch eine relativ billige Lösung:

Ernsthafter Widerstand gegen von der Leyens Initiative ist trotz dieser Fragen nicht mehr zu erwarten – nachdem man die Provider offenbar überzeugt hat und sich die Kosten nach Aussage der Ministerin in Grenzen halten werden (sie spricht von Investitionen um die 40.000 Euro).

 
Schnäppchen. Immerhin sollte darüber seine Umgehung durch andere Nameserver nicht so einfach möglich sein — anders als bei der Flop-Aktion seinerzeit aus Dueseldorf.
Wie auch die amtierende Bundesfamilienministerin, so möchte auch ich mich nicht auf Nebenkriegsdiskussionen einlassen; während sie ihr »Thema nicht verwässern« will, stehe zum Ansatz »wehret den Anfängen« — ist die Technologie zur Einschräkung des unbeschränkten Internetzugriffs erst einmal installiert, wird wieder eine Folgeregierung wieder Nägel mit Köpfen machen und ggf. erst auf den Spruch des höchsten deutschen Gerichts hin ablassen. Darum, denk’ ich an Deutschland in der Nacht …