Formel Farce: Revolutions Reloaded

Ich schrieb’s ja schon vor geraumer Zeit, »mit Sport hat die Formel 1, wie ich finde, weniger und weniger zu tun; sie ist zum Geldverteilzirkus verkommen«. Schöner als dieses Jahr kann man dies nicht bestätigen: »Nur Sieger werden Weltmeister« berichtete Spiegel Online am 17.03.09 (lustigerweise unter »Nachrichten > Sport > Fußball > Formel 1-Spezial« – ob in der Redaktion die Klimaanlage ausgefallen war?) über den Stand der »Entscheidung«; am 20.03.09 kann man dann in der Netzzeitung lesen, »Umstrittene WM-Regel wird “aufgeschoben”«.
Geschäftstüchtig sind die greisen Altvorderen von Formel 1 und FIA ja, und pfiffig obendrein:

Doch für Brawn und seine Mannschaft könnte es noch viel, viel schlimmer kommen. Laut FIA-Reglement darf ein Rennstall in fünf Jahren nur einmal seinen Teamnamen ändern, berichtet ‘motorsport aktuell’. Für jede weitere Namensänderung müssen die anderen Teams sowie Rechteinhaber Bernie Ecclestone einstimmig zustimmen.
Der jetzige Brawn-Rennstall wurde schon vor etwas mehr als drei Jahren von BAR in Honda umgetauft. Für eine weitere Umbenennung benötigt das Team daher die einstimmige Zustimmung. Doch ausgerechnet Ecclestone, der ja eigentlich ein Interesse an einem zehnten Team in der Formel 1 haben müsste, hat laut ‘msa’-Informationen dagegen gestimmt. […]
Aber hat die FIA der Umbenennung nicht bei ihrem Meeting am vergangenen Donnerstag stattgegeben? Ja, allerdings mit dem kleingedruckten Zusatz, dass es sich um ein “neues Team” handeln würde.
Diese zwei Worte bedeuten für Brawn GP beinahe den Untergang. Denn neue Teams kommen nicht an die fetten TV- und Sponsoring-Töpfe aus der vergangenen Saison. Insgesamt werden 500 Millionen Dollar nach einem Erfolgsschlüssel an die Rennställe ausgeschüttet.
Quelle: sport.rtl.de

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Charmant, oder? Demnach hat Ecclestone wieder einmal zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen; die Saison beginnt mit zehn Teams und sollte sie auch mit zehn Teams enden, ist das jedanfalls nicht Ecclestones Verdienst, aber auch nicht sein Schade; sollte das Ex-BAR-Ex-Honda-Team aus finanziellen Gründen aufgeben müssen, ist Ecclestone bestätigt in seiner kolportierten Ansicht, dessen Finanzierung hätte »auf tönernen Füßen« gestanden.
Was für eine bescheuerte Regel ist das eigentlich, daß »ein Rennstall in fünf Jahren nur einmal seinen Teamnamen ändern« dürfe? Interessant wäre wirklich, ob Ecclestone als Einziger dagegen gestimmt habe; wer dazu was findet, bitte in den Kommentaren anmerken. danke.
Apropros anmerken: ja, anmerken sollte man vielleicht, daß »die Königsklasse dem Hockenheimring ein Defizit von sechs Mio. Euro [beschert hat]«, was sogar noch unter dem Defizit durch die Formel 1 beim Nürburgring liegen soll. Und auch in Australien kosteten Ecclestone Rennen mehr, als sie lokal einbringen: »The Melbourne race is also losing money. The 2007 event cost Australian taxpayers 35m Australian dollars (£16m) and this year’s grand prix is expected to total A$40m (£18m).« Danke, kleiner greiser Mann …