Zahnloser Tiger

… erscheint mir freundlicher als »Bettvorleger«; aber den »Petitionsausschuss in der Öffentlichkeit verstärkt wahrgenommen« habe ich irgendwie nicht, auch wenn das der Bundestag lt. netzpolitik.org so verkündet haben soll.
Wahrgenommen habe ich, daß, selbst trotz Kritik der überwiegenden Zahl der Fachleute (also keinen alten Männern mit Kugelschreibern) in der Anhörung zum Gesetz, trotz erheblicher Bedenken des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags (»Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags kommt zu dem Ergebnis, dass Internetsperren gegen Kinderpornografie nur mit Zensurvorrichtungen wie in China möglich wären.«), trotz von Parlamentatiern fundiert geäußerter Zweifel an der Legalität eines solchen Bundesgesetzes aufgrund mangelder Zuständigkeit …

Quelle: YouTube-Video der Phoenix-Übertragung

… und eben auch trotz der bislang »zuspruchstärksten« Petition die unsägliche Koalition aus CDU/CDU und der zaudernden – zur Attestierung der Unzurechnungsfähigkeit ist es noch marginal zu früh aus meiner Sicht – alten Tante SPD ein – in alter Tradition wahrscheinlich wieder verfassungswidriges – Gesetz im Eiltempo beschlossen hat, so eilig, daß nicht einmal der übliche parlamentarisch-formale Weg eingehalten wurde. Ist ja auch dringend, über die Bilder mißbrauchter Kinder den Mantel des Vergessens ein Stoppschild zu kleben, so kurz vor der Wahl.

Schöne neue Welt, die vor uns liegt, …

… so schön, daß man davon kalte Füße kriegt. Ist schon lustig, diese informationelle Selbstbestimmung; man mag den Gedanken nicht, daß $Obrigkeit das Liebesgetuschel am Telefon mithört oder … you get the idea. Wie aber steht man zu bei Google einsehbarem Stromverbrauch des eigenen Haushaltes?
Bislang traten die SWG (Stadtwerke Gütersloh) nicht an mich heran, sie würden gerne ihren Stromzähler in mein Netz hängen, damit der ihnen meinen Verbrauch liefert — ich wüßte auch da schon spontan nur »geht wo Ihr wohnt« als lokalkolorierte Antwort. Aber nebem meinem Energieversorger, der zumindest jährlich meinen Verbrauch ja kennt, auch noch viertelstündlich Google diese Werte bereitzustellen, damit ich sie mir dort ansehen kann? Äh, ich denke nicht, Tim.

Medion P7610 und der Pinguin

Bevor’s durch Tab-Schließen in Vergessenheit gerät: Meine Schritte, um das Medion P7610 (Aldis 17″-Monster-Schlepptop von Anfang 2009) unter Ubuntu 9.04 gangbar zu machen …

  • Platz schaffen (C:\ verkleinern); unter Vista hat MS das entsprechende Tool unter Systemsteuerung -> Verwaltung -> Computerverwaltung -> Datenträgerverwaltung (oder so) versteckt. Nicht wundern, zumindest wenn mit Vista schon gearbeitet wurde, kann es sein, daß die Verkleinerung, trotz Abschaltung der Auslagerungsdatei, von den 280 GB der Partition nur ~90 GB freigeben möchte; bein HP 2133 Mini-Note (Vista nicht gestartet) machte beim Verkleinern keine solchen Probleme …
    Wenn Windows-Bordmittel nicht ausreichend helfen: Partition defragmentieren (auch irgendwo in Kontextmenüs versteckt -> Google weiß es im Zweifel), den Vormittag mit Freunden im Miner’s/der Kaffetränke der Wahl verbringen, Ubuntu-Live-CD booten, gparted auf C: loslassen, den Nachmittag mit Freunden an anderem Ort verbringen (nicht wieder Kaffee => zu viel Koffein!), Windows booten und über die wg. 0 GB Partitonsgröße fehlende winload.exe nicht wundern. Reparationsinstallation von der Vista-DVD booten, C: reparieren lassen, Vista booten und über Nacht den chkdsk werkeln lassen. Am nächsten Morgen könnte man zum nächsten Schritt übergehen …
    Alternativ: den proprietären, bloated program loader (aka Windows Vista) von der Platte putzen, zur Sicherheit dann auch gleich die Recovery-Partition mitnehmen (kann man ja zu swap machen).
    FYI, meine Platte sieht derzeit so aus:
    root@greebo:~# fdisk -l
    Disk /dev/sda: 320.0 GB, 320072933376 bytes
    255 heads, 63 sectors/track, 38913 cylinders
    Units = cylinders of 16065 * 512 = 8225280 bytes
    Disk identifier: 0x68216821
    Device Boot Start End Blocks Id System
    /dev/sda1 * 1 18182 146046883+ 7 HPFS/NTFS
    /dev/sda2 36364 38914 20477952 c W95 FAT32 (LBA)
    /dev/sda3 18183 36363 146038882+ 5 Extended
    /dev/sda5 35957 36363 3269196 82 Linux swap / Solaris
    /dev/sda6 18183 35956 142769592 83 Linux
    Partition table entries are not in disk order
  • Ubuntu-CD booten, Ubuntu nach /dev/sda5 (oder wohin auch immer) installieren.
  • Ubuntu 9.04 zum Ersten Mal booten; der fehlende Sound läßt sich über NC10-PPAs nachrüsten — oder zu Fuß, es braucht »nur» ein neueres ALSA. Und den Eintrag in /etc/modprobe.d/alsa-base.conf:
    options snd-hda-intel model=medion
    Reboot und … Tusch!
    Ach so: auch wer keinen Sound benötigt, sollte dieses nachinstallieren — out-of-the-box schluckten Firefox bei offenen Flash-Video oder auch twirl (Adobe-AIR-Anwendung für’s Microblogging) 100+% CPU, da es mit dem Sound nicht tat …
  • Die Webcam ist das nächste Multimedia-Sorgenkind; leider – natürlich – kein UVC-Gerät, aber, Community sei Dank, es gibt auch für GL860 einen Treiber, zumindest prinzipiell funktioniert meine Webcam damit (wenn auch mit xawtv viel zu hell und mit Hänger bei Hellingkeitsänderung oder Verlassen von xwatv).

Hibernate hat jetzt einmal zumindest klaglos geklappt; WLAN rennt out-of-the-box, LAN dito, Bluetooth hat das Notebook nicht …

Nichts Neues aus Alice' Wunderland

Tja. die zauberhafte Alice hat nach wie vor keinen Plan Termin von der Deutschen Telekom bekommen für die Leitung, auf die Alice am 19.05.09 portieren wollte und deshalb schon mal die alte Telekom-Leitung kündigte … Die »Fachabteilung« sei da dran, aber irgendwelche Termine, Freisten oder sowas, nein, sowas gibt’s für Volltrottel, die zu Alice wechseln wollten und deshalb, dank der super koordinierten Abläufe bei Alice, nun in der dritten Woche telefonisch nicht existent sind, nicht. Service 2.0 eben.
Hilfreich ist es übrigens nicht, die BNetzA-Hotline zu kontaktieren; jene rät nämlich stumpf dazu, Alice mit Frist (14 Tage seien wohl angemessen) zur Leistung zu ermahnen — und ansonsten vom Vertrag zurückzutreten. Gute Idee, nur bringt das die alte Rufnummer nicht wieder und dürfte die neuen, auf Briefpapier und Visitenkarten verewigten, kaum schneller verfügbar machen. Doch da es das einzige ist, was man tun kann: getan. Wir machen dann schon mal den Congstar-Auftrag fertig — denn außer sie zu (er)mahnen hat man in Hamburg wohl noch nichts gelernt im Umgang mit der Deutschen Telekom. Ich wette allerdings, bei den Rechnungen wird Alice weniger zurückhaltend sein als bei der Schaltung des Anschlusses …
Wer immer sich diesen unmöglichen Protierungsablauf ausgedacht hat — er mußte offensichtlich noch nie wie in der guten alten DDR monatelang auf Anschluß warten …
In Anbetracht der Häufigkeit — und der schnell existenzbedrohenden Auswirkungen  — des Fehlschlagens dieses Prozesses ist es bemerkenswert, daß die Politik sehenden Auges nichts unternimmt; Verbraucherschutzminister unbekannt verreist?

Warum kann man »Zensur« nicht auch mit »Martin« schön verballhornen?

Während gparted nun die Arbeit macht, derer sich Vista verweigerte (Verkleinerung der Vista-NTFS-Partition auf 50% der ursprünglichen 270 GB), hole ich weiter im Feedreader auf – und stolpere über einen Beitrag bei fixmbr, der mich auf die mir bislang unbekannte Reaktion des MdB Martin Dörmann an den AK Zensur stieß.
Ich möchte die Zeit nutzen, dieses Pamphlet zu kommentieren; dankenswerterweise war der gesamte Text einem simplen Select-All-and-Copy zugänglich, sodaß ich mich sicher wähne, keinen Uhrheberrechtrechtsverstoß zu begenen, wenn sich im Folgenden in Ausschnitten zitiere und kommentiere:

Ihre Absage des ursprünglich am 17. Juni 2009 geplanten Gesprächstermins bedauern wir sehr. Uns wäre es sehr wichtig gewesen, Ihnen unsere Gründe für den gefundenen Kompromiss zum Kinderpornografiebekämpfungsgesetz persönlich zu erläutern. Gleichzeitig wollten wir aber auch Ihnen die Gelegenheit geben, Ihre Kritikpunkte nochmals vorzutragen.

 
Nunja, weder bin ich Adressat noch Mitglied im AK Zensur. Ich tue daher mal so, auch an mich sei das Schreiben adressiert, und antworte: meine »Position« ist ganz klar, daß ein solches Gesetz nicht zielführend und, im Gegenteil, kontraproduktiv ist. Natürlich kann man sich zu lecker Kaffee und Kecksen treffen und über die Unvereinbarkeit der Positionen schwadronieren — nur: was bringt das und wem nützt das?

Ihr zentraler Vorwurf lautet, durch das Gesetz werde eine Infrastruktur geschaffen, die später auch für die Sperrung anderer, beliebiger Inhalte genutzt werden kann.
Hierbei gilt es, zwei Gesichtspunkte zu unterscheiden:
1. Gesetzliche Regelung
Das Kinderpornografiebekämpfungsgesetz regelt eindeutig nur die Zulässigkeit von Sperren bei Seiten mit kinderpornografischen Inhalten. Die SPD konnte bei den Verhandlungen mit der Union am Ende durchsetzen, dass die wesentlichen Regelungen in einem Spezialgesetz normiert werden, das ausschließlich kinderpornografische Inhalte erfasst. Dies wird auch noch einmal in der neuen Gesetzesbegründung festgehalten.
Wir sind sogar so weit gegangen, dass die Geltendmachung zivilrechtlicher Ansprüche auf Grundlage der neu geschaffenen Infrastruktur ausdrücklich ausgeschlossen wird. Zudem dürfen Daten, die aufgrund der Umleitung bei der Stopp-Meldung anfallen, nicht für Zwecke der Strafverfolgung genutzt werden.
Eindeutiger kann man nicht regeln, dass es sich um ein reines Präventionsgesetz in einem besonders gelagerten Fall handelt, das nicht auf andere Inhalte oder Zwecke übertragbar ist.

 
Mir möge jemand auf die Sprünge helfen, wo im Koalitionsvertrag steht, daß die SPD jedes noch so hanebüchene Gesetzgebungsverfahren der Union zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen hat. (Und sofern derlei da drin stünde, wäre jener Vertrag nicht per se sittenwidrig?)
Soviel zu »die SPD konnte bei den Verhandlungen mit der Union am Ende durchsetzen« — einen Scheiß hat sie »durchgesetzt«, sie hat sich wie eine willfährige Marionette verhalten und, vielleicht mit einer Träne im Knopfloch, dem unsauberen Spiel der von der Leyen parlamentarischen Segen zu Teil werden lassen. Ohne Not. Und ohne Rückgrat, wie ich finde. Sollte ich das Verhalten in dieser Frage in einem Zeugnis beurteilen müssen, ich hätte nicht einmal den Hauch eines Ansatzpunktes für »hat sich bemüht« …

2. Technische Infrastruktur
Leider wird in der öffentlichen Debatte selten erwähnt, dass die technische Infrastruktur für Internetsperren sich bereits im Aufbau befindet. Durch die Verträge zwischen BKA und den größten Internet-Service-Providern in Deutschland werden diese bereits verpflichtet, die Infrastruktur bereitzustellen und entsprechende Sperrungen in nächster Zeit vorzunehmen. Damit ist der Endkundenmarkt in Deutschland weitgehend abgedeckt. Nach unseren Informationen würden diese Verträge auch dann umgesetzt, wenn es kein Gesetz gäbe.
Ich teile durchaus die Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Verträge, da sie aus unserer Sicht keinen hinreichenden Grundrechtsschutz gewährleisten. Bis es aber möglicherweise zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in dieser Sache käme, wäre die Infrastruktur schon lange in Betrieb, ohne dass es gleichzeitig hinreichende Schutzbestimmungen für die Internetnutzer gibt, die wir nun gesetzlich regeln. Die aber wollen wir. Sie nicht?

 
Der Passus ist wunderschön. Als normalsterblicher, billig und gerecht denkender Bürger, brauche ich noch immer mehrere Sekunden, um die Subtilität der Argumentation zu durchdringen und ihre Perversion zu würdigen.
Die Argumentationskette läuft also initial wie folgt:

  • Die Sperren werden sowieso eingerichtet, »die Provider« sind ja entsprechende – nicht veröffentlichte – Verträge mit dem BKA eingegangen.
  • Mögen die Verträge auch nicht rechtmäßig sein – was individuelle Rechte bei den Bürgern, die Kunden sind, berührte –, mit den Gesetz schützt die Politik die Surfer vor Verfolgung, die auf die – wahrscheinlich unrechtmäßig providerseits eingerichtete – Stoppseitenumleitung laufen. Und legalisiert im Nachhinein gleich die vorschnellen Verträge eines Teils der kommerziellen Provider mit dem BKA …

Fürwahr, eine epochale … Minderleistung. Anstatt sich hinzustellen und dem Familienministerium das nötigungsnahe Treiben zu untersagen, heult die SPD-Bundestragsfraktion lieber mit den Wölfen. Schafe in Wolfspelzen und die Union zittert davor – vor Lachen.

Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie, Ihre bisherige Argumentation zu überdenken, zumindest aber anzuerkennen, aus welchen Motiven heraus die SPD-Bundestagsfraktion dem Gesetz zugestimmt hat.

 
Nun, warum die SPD-Fraktion so gestimmt hat, wie sie gestimmt hat, ist kein Geheimnis; daß die SPD als (ungewollter) Juniorpartner schlicht Schiß hatte vor der Springer-Presse, davon zeugt die Aussage, es sei »medial unerwünscht«, dieses Thema.
Tja, was bleibt da noch, als einzustimmen in den Chor? »Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!«

Selbst wenn man am Ende zu anderen Bewertungen kommt, sollte man die Pro- und Contra-Argumente zunächst einmal fair gegenübergestellt haben. Nur bei einer ehrlichen Abwägung der Argumente wird man am Ende zu einer verantwortlichen Entscheidung kommen können.

 
Ist jetzt etwas viel verlangt, aber okay; was waren denn die Pro-Argumente, die die SPD als so unausweichlich ansah, die Zustimmung zu geben? Bislang … kam da ja nix.

Wir verstehen, dass der AK Zensur in erster Linie der mehrheitlichen Meinung seiner Mitglieder Ausdruck verleiht und deshalb unter Umständen auch zugespitzte Positionen vertreten muss. Die Politik steht jedoch in einer Gesamtverantwortung und muss die unterschiedlichen Argumente am Ende zusammenführen und gewichten.

 
Ui. Wie wäre es denn, wenn bei der Gewichtung – zum Abwechslung – die rechtstaatlichkeit und verfassungskonformität eines Gesetzes zur conditio sine qua no erhoben würde? »Die Politik« tut hierbei derzeit einen Scheiß — fortgesetzt, siehe Luftsicherheitsgesetz, siehe Vorratsdatenspeicherung, siehe, demnächst in diesem kostspieleigen Theater, Zugangserschwerungsgesetz. Es ist für mich wirklich unerträglich, daß Leute wie Martin Dörmann weiterhin ungestraft durch die Landschaft stapfen und ihren Unsinn verzapfen dürfen, obwohl sie grade – höchstwahrscheinlcih – ein verfassungswidriges Gesetz beschlossen haben.

Wir können Ihnen versichern, dass wir dabei auch die Argumente aus der Internet-Community sorgfältig abgewogen haben. Wir möchten uns deshalb noch einmal ausdrücklich und sehr herzlich für den fruchtbaren Meinungsaustausch in den letzten Wochen bedanken. Die Argumente und Informationen, die wir von Ihnen erhalten haben, sind ganz konkret in die parlamentarischen Beratungen eingeflossen. Auch die in der E-Petition geäußerte Kritik in Bezug auf eine fehlende Kontrolle der Sperrlisten und ein intransparentes Verfahren haben wir erfolgreich aufgegriffen.

 
Ich hätte gerne auch ein paar von Dörmanns Medis auf Krankenschein, danke …
Sofern ich den Faden nicht vollkommen verloren habe, ist nach wie vor die Exekutive hier Richter und Vollsterecker in Person. Wo wurde auf die Kontolle eingegangen, wo auf die Intranspazenz eines Verfahrens, in dem das BKA richtende und ausführenden Gewalt darstellt, der auf die Liste gesetzte nach wie vor nicht informiert wird und die Inhalte der Liste als Verschlußsache gehandelt werden?
Zur Befindllichkeit innerhalb der SPD und des Herrn Dörmanns noch folgendes Video-Zitat — “Nein, den Kollegen Tauss möchte ich bitte heute nicht hören, nein, den gestatte ich nicht” (ab 1:42):

Was packt man in Sarkophage?

Vielleicht bin ich einfach nur altmodisch, vielleicht steigt mir auch die Hitze aus dem Medion-Monster-Laptop P7610 zu Kopfe — aber so überrascht wie Spiegel online wäre ich jetzt nicht:

Vatikan: Knochenreste im Grab des Apostel Paulus entdeckt
Überraschende Botschaft aus dem Vatikan: Im Sarkophag des Apostels Paulus sind Knochenreste gefunden worden – und diese wurden nach Angaben von Benedikt XVI. wissenschaftlich untersucht. Der Papst ist überzeugt: Es handelt sich um die menschlichen Überreste des Heiligen.

 
Mal ernsthaft, was hat der Vatikan denn im Sarkophag vermutet? Den Beweis von Gottes Existenz? Einen Einkaufszettel für Wal*Mart? DIe Lottozahlen des Deutschen Lottoblocks bis Dezember 2011?

Graswurzel vs. Rhetorikseminar

In der Zwangspause, die ein Medion-Vista erzwingt, während die 190-GB-Partition defragmentiert wird (in Vorbereitung einer Partitionsverkleinerung, die Vista bislang nur um 88 GB ermöglicht, trotz nur 30 GB benutzten Platzes), hatte ich mal wieder Zeit, meinen Feedreader zu checken: Isotopp führt gestern in Langform aus, was ich mit …

http://is.gd/1cSR3 – ein Lehrstück in Sachen Rhetorik. #zensursula

2:29 AM Jun 25th from twhirl

 
… schon antwitterte:

Wenn Leute kritisieren, daß wir rethorisch schlecht sind, wenn Leute kritisieren, daß wir unsere Meinung nicht aggressiv genug vortragen und wenn Leute kritisieren, daß wir uns zu oft unterbrechen lassen, dann meinen sie das.
Das da oben ist die Message, die die Piraten, der AK Zensur und alle anderen hätten kommunizieren müssen. Der Fehler ist nicht, daß wir nicht auf die Argumente der Gegenseite eingehen. Der Fehler ist genau, daß wir es tun. Das ist kein Diskurs, der mit uns geführt wird und es ist kein Diskurs, den wir führen müssen. Wir reden nicht mit einer Gegenseite, wir reden mit einer Öffentlichkeit, auch wenn Interview drauf steht. Und wir müssen denen unsere Thesen füttern – Frau von der Leyen hört sowieso nicht zu. Das hat sie ja oft genug bewiesen.

 
Da kann ich ihm nur voll und ganz zustimmen. Die Sendung auf Phoenix ruht bis zur nächsten Platzknappheit noch auf meinem VDR; ich habe nach Alvars erstem Statement, was nun mit dem konkreten Gesetz in D mehr so nichts zu tun hatte, dann abgeschaltet … Und ohne »Internetaktivistin Franziska Heine« (Zeit) zu Nahe treten zu wollen – oder gar behaupten zu wollen, ich könne derlei besser –, das Zeit-Interview war eine saubere PR-Aktion für Albrechts Tochter, leider.
Es wird sich zeigen, ob – unabhängig vom nächsten Gang nach Kalrsruhe – die Graswurzeln gegen Internetsperren, mit ihrem sich angebotenen politischen Piraten-Arm, was bewegen werden können. Mit dem edlen Ansinnen, auf Moderatortenfragen auch konkret zu antworten oder vermeintliche Argumente der Gegenseite in den 15 Sekunden Redezeit zerpflücken zu wollen, werden weder Schlacht noch Krieg gewonnen — abgesehen davon, daß Detailinformationen nicht aus Äther oder Druckerschwärze sich ins Hirn der Massen übertragen lassen. Auch hier kann, ja muß man von von der Leyen lernen, die mit blutigen Vergewaltigungen Neugeborener ein klares, abscheuliches Bild der Öffentlichkeit gegeben hat, gegen welches diese überwiegend – »Pädokriminelle« (und Sperrgegner nach Ansicht der sperrwütigen Kaste) ausgenommen — denn auch Abscheu empfinden mag.
Was »der Bewegung«, also dem lose organisierten, breiten Querschnitt durch die Gesellschaft derer, die sich auch als Netzbürger sehen – auch hierzu hat »Isotopp« nett zusammengefaßt, was mindestens problematisch an der deutschen Politik der Jetztzeit ist –, fehlt, ist ein rhetorisch geschulter, unnerdiger Redner oder, besser noch, eine entsprechende Rednerin, der/die einerseits internetaffin ist und andererseits öffentlichkeitserfahren, als Sprechen/-in. So ‘ne Westerwelle halt, nur nicht ganz so abstoßend-arrogant vielleicht … Verheiratet, zwei Kinder, angestellt, vielleicht aktiv in der Kommunalpolitik, bislang aber in der breiten Öffentlichkeit unauffällig. Irgendwie »aus der Mitte« eben — um »die Mitte« zu überzeugen …

Lessons learned mit Sipgate

Gestern gab’s noch ein Aha-Erlebnis mit Sipgate.de; der Versuch, für die bewußte Naturheilpraxis einen Account samt Gütersloher Rufnummer anzulegen (als Basis für eine etwaige Übernahme der von Hansenet ins Aus gestellten alten Rufnummer), scheiterte an recht profanen Dingen:

  • Da Heilpraktiker Freiberufler sind, existiert keine Gewerbeanmeldung.
  • Da Heilpraktiker per se nicht mehrwertsteuerplichtig sind, existiert keine Anmeldung beim Finanzamt.
  • Da die Anmietung der Räume über den privaten Sektor läuft, existiert keine amtliche Bestätigung, daß die Praxis an genannter Adresse existiert.
  • Da noch kein Telefonanschluß auf den Namen der Praxis am genannten Ort existiert, gibt es keine Rechnung eines anderen Telekommunikationsunternehmens, die Sipgate als Adressnachweis bekommen könnte.

Oder, mit anderen Worten: es war nicht möglich, einen Nachweis zu erbringen – entsprechende Zusicherung samt Unterschrift und Firmenstempel reicht Sipgate nicht –, daß besagte Praxis sich an besagtem Ort befindet. Ohne einen solchen Nachweis allerdings, so Sipgate, sei eine Zuteilung regionaler Rufnummern per Vorgabe der BNetzA nicht möglich.
Faktisch heißt das, daß Sipgate für Freiberufler ohne Meldepflichten als alleiniger bzw. initialer Rufnummernlieferant ausfällt, sofern man Räumlichkeiten außerhalb seiner privaten Meldeadresse nutzt. Zum Vergleich: die einzigen an Alice gefaxten(!) Unterschriften waren auf dem Portierungsformular und der Einzugsermächtigung; dafür gab’s gleich 10 Festnetzrufnummer zum NGN-ISDN dazu … (Ok, einen Unterschied gibt es, denn Alice/Hansenet wird ja eine tatsächliche Leitung an besagte Adresse schalten, derlei Bindung fällt für Sipgate ja weg. Trotzdem für mich erstaunlich, wo sich da Fallstricke auftun können …)

»Was tun?«, sprach Zeus

Man kann so vieles lesen derzeit. Zum Beispiel auch ein Loblied auf die Rechtstaatlichkeit:

Aber es ist Absolut gegen meine Überzeugung sich als Retter der Gerechtigkeit zu verstehen und irgendwelche Aktionen zu starten die nicht rechtstaatlich sind.

 
Hachja; da kommen wir in den Bereich, wo ich es satt habe, immer und immer wieder die andere Backe hinzuhalten.
Ich heiße nicht Baader oder Meinhof; aber ich merke, daß meine Geduld mit diesem Unrechtsstaat schwindet. Wenn der Bürger defaultmäßig sich fragen muß »dürfen die das eigentlich?« und – Jahre später, das Unrecht ist ggf. zigtausendfach geschehen und wird weder gesühnt noch geahndet – schlußendlich erfahren muß: »Nein, eigentlich dürfen durften SIE das nicht, aus intransparent-juristischen Gründen war das für die Vergangenheit aber egal, nur in der mittleren Zukunft muß sich was ändern«, dann beginne ich zu verstehen, warum sich jemand komplett gegen das System stellen zu müssen meint …
Und ich meine, es wird schlimmer; Vorratsdatenspeicherung – denn jeder ist erst einmal potentiell verdächtig; mach’s Dir selbst, Unschuldsvermutung – war der vorige Höhepunkt, jetzt wurde, das Petitionsrecht beachtend und gleichzeitig Fakten schaffend, die Einführung einer generellen Zensurinfrastruktur für das deutsche Internet im Bundestag beschlossen — trotz massiver Hinweise von ausgewiesenen Fachleuten, daß dies mit dem ollen Schrieb aus dem letzten Jahrtausend, genannt Verfassung, kollidieren dürfte. Und wer fällt wieder einmal um? Die altersschwache Tante SPD.
In dyfas Worten:

Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte.

 
*sigh*
Art. 20 (4) mag noch weit weg sein; aber wird wirklich von jederman erwartet, tatenlos – vom Kreuzchen alle vier, fünf Jahre abgesehen – zuzusehen, wie der Gesetzgeber Mal um Mal gesetzeswidrige Gesetze erläßt — durchaus wider besseren Wissens? Ich denke, die viel beschworenen »Väter des Grundgesetzes« haben wirklich gründlich nachgedacht — was sie allerdings nicht voraussahen ist, daß die Parlamentarier sich für Lobby, Fraktion oder Koalition bis zur Unkenntlichkeit verbiegen werden. Ich denke, es ist mehr als nur an der Zeit, eine Strafbarkeit bei Gesetzeserlaß mit Verstoß gegen das Grundgesetz einzuführen — leider wird auch hier keiner genug Arsch in der Hose haben, dies umzusetzen zu beginnen.

Alice in Process-Chains

Kuck an, in den rd. 20 Minuten heute mit Alice’ »Geschäftskundenhotline« sowie »Fachabteilung« und den darauf folgenden rd. 15 Minuten mit einem Telekomiker (diesmal hatte ich ein »anderes« Anliegen – immerhin, der Telekom-Sprachcomputer versteht mich, anders als manche Gegenstelle die DTMF-Töne meiner Gigaset-Mobilteile) habe ich mal richtig was gelernt.
Quintessenz vorweg: niemals eine Rufnummer von einem Provider zu einem neuen DSL-Anbieter mitnehmen! Finger weg! Geht was schief, ist’s richtig Essig. Ich werde zukünftig alte Nummern nur noch zu SIP-Anbietern, z. B. sipgate.de, portieren – solange ich irgendwo/sobald ich wieder in meiner Wohnung IP habe, kann ich jene Nummer (via Asterisk oder direkt auf ‘ner Fritz!Box Fon) verwenden …
Aber der Reihe nach:

  1. Alice sagt, die Telekom habe keinen Termin für die »Übergabe der Leitung« genannt; man habe gemahnt und warte auf der Termin. Nachwievor …
  2. Eine kurzfristige Lösung wird, ja kann es nicht geben, da prozessual gesteuert erst dann die Hardware (Alice verlangt zwingend ein Alice-IAD als Netzabschluß, gestellt von Alice) seitens Alice an den Kunden verschickt wird, wenn der Schaltungstermin vorliegt. Versandlaufzeit mindestens zwei Werktage …
  3. Heute war von einer Wiederanschaltung des T-Analoganschlusses, wodrum sich die Flachabteilungsdame vom Samstag »sofort« (nach dem Abwimmeln des nervigen Anrufers, that is) zu kümmern versprach, keine Rede mehr.
  4. Der Vorgang wird in einer »anderen Abteilung« bearbeitet; durchstellen kann aus der Flachabteilung man mich nicht, sie könnten die Bearbeiter auch ebenfalls nicht telefonisch erreichen. Kommuniziert wird nur über das »System«.
  5. In der »anderen Abteilung«, die sich mit solchen Fällen nur beschäftigen soll, würde man das klären und sich bei mir melden. Einen Ansprechpartner kann Alice’ Flachabteilung mir nicht nennen, und, wie gesagt, telefonisch erreichen könne man diese Leute auch nicht. Aber ich würde ganz sicher informiert … wenn denn das Problem gelöst und ein Termin ausgewürfelt wurde.
  6. Gründe, warum ich an das Flachabteilugswort »wir werden die Nummer jetzt übernehmen und Ihren Anschluß schalten« glauben sollte, konnte man mir keine nennen; auch keine Gründe, warum etwas, was Alice nun seit 5 Wochen nicht gesch*ssen bekommt, nun auf einmal fluppen sollte.
  7. Eine Änderung des Auftrags ist derzeit nicht möglich; insbesondere eine Rücknahme der unsäglichen Portierung könnte erst dann eingegeben werden, wenn der Auftrag – wie aktuell in Bearbeitung – erledigt wurde. Klartext also: auf die Portierung nach Beauftragung zu verzichten geht erst, wenn Alice diese Portierung endlich, dermaleinst, gebacken bekommen haben wird.

Gut, wirklich überrascht hat es mich nicht, daß den vollmundigen Versprechen der Smastags-Flachabteilungs-Dame nichts folgte als das übliche Nichtstun von Alice/Hansenet. Und daß der Flachabteilungsmitarbeiter, der heute meine Unbill zu erdulden hatte – ist nicht seine Schuld, aber da Alice offensichtlich keine Eskalationswege kennt, wird er ja sicherlich Schmerzenszulage für seine Arbeit in Alice’ Flachabteilung bekommen – nur mir Textbausteinen konterte, hat mich zwar erregt (schade, für meinen Adrenalinspiegel habe ich leider keine rrd-Graphen; wäre bestimmt interessant), aber auch nicht wirklich überrascht. Faktisch bleibt jetzt nur noch, entweder darauf zu warten, daß Alice seine Prozeßprobleme mit den Telekom-Systemen überwindet (und/oder umgekehrt) — oder über die Juristerei irgendeinen der Anbieter zu zwingen, den Gordischen Knoten zu zerschlagen und endlich aus der Schockstarre herauszukommen.
Überraschender als die schon fast rituelle Verteilung sarkastischer Spitzen an Flachabteilungsmitarbeiter bei Alice war dann der Anruf bei der Telekom. Auch hier die Fakten:

  1. Auf Betreiber von Alice hin (im Auftrag der ehemaligen Anschlußinhaberin, versteht sich) ist der alte analoge T-Com-Anschluß zum 15.06.09 gekündigt worden, die Rufnummer zur Portierung markiert.
  2. Der schnellste Weg wäre eine Stornierung des Alice-Auftrages; aber Widerrufsrecht scheidet nach >4 Wochen bei Privatleuten schon aus, hier ist aber letztlich eine Naturheilpraxis zweier Heilpraktikerinnen der Auftraggeber — nix is’ mit Widerruf.
  3. Auch die Anschlußinhaberin kann, nachdem Alice die Portierung angefragt hat, nichts mehr tun; T-Com würde schnellstens Telefonanschlüsse schalten — aber nicht mit der alten Nummer, denn die harrt der Portierung zu Alice.
  4. Die Beauftragung weiterer Anbieter (hier im Hinterkopf: ein SIP-Anbieter), die fragliche Nummer zu übernehmen, würde nach Ansicht des T-Com-Hotliners den Ablauf nicht zwingend beschleunigen …
  5. Kurzum: solange Alice weder die Portierungsanfrage zurückzieht noch die Portierung ins Alice-Netz endlich vornimmt, liegt die Nummer im Nirgendwo — und »kein Anschluß unter dieser Nummer« bleibt das letzte Wort.

Um ehrlich zu sein: hätte ich die Mittel, ich würde Alice’ 0800er Nummern jetzt auch mal für zwei Wochen auf »kein Anschluß unter dieser Nummer« legen — ich bin mir sicher, die Alice-Geschäftsführung würde mit der gleichen stoischen Gelassenheit, die sie selbst durch ihre Flachabteilungsschergen ihren Kunden nahelegt, abwarten und hoffen …
Wirklich ankotzen tut mich aber mittlerweile die Offensichtlichkeit dessen, daß bei Alice die linke Hand entweder nicht weiß, was die rechte tut — oder aber, nur kann ich das nicht beweisen, daß die Kunden augenscheinlich dreist belogen werden (Rückanschaltung des alten Anschlusses sollte heute in die Wege geleitet werden, versprach man mir Samstag). Ich habe leider keine Aufzeichnung der Gespräche, sonst würde ich nicht um den heißen Brei herumformulieren …
Next stop ist am Dienstag Vormittag erst einmal die RegTP BNetzA, genauer deren Endkundenhotline. Abwarten zu müssen, bis zwei Telekommunikationsunternehmen ihre hochfragile IT zurechtgefrickelt haben, daß auch mein Auftrag endlich bearbeitet werden kann — so ganz glauben mag ich ja noch immer nicht, daß dies das Ziel des Regulierers sein soll …
Pikant finde ich allerdings die Prozeßhörigkeit bei Alice; ich, der von Alice absichtlich ins telefonische Aus gesetzte Kunde, soll darauf vertrauen, daß schon alles seinen Gang gehen würde, was nun seit 5 Wochen vorne und hinten nicht klappt. Auf Alternativen zu »Finger in den Po – Mexiko« angesprochen, gibt es nur non-verbales Achselzucken und Durchhalteparolen: »Wir werden die Nummer jetzt übernehmen …«
Was ich mich da schon leise selbst gefragt habe, dann aber doch nicht laut fragte: warum eigentlich erst »jetzt« …‽