Android und der falsche Weg

Ich rante derzeit wieder verstärkt über mein HTC Sensation mit ICS (Ice Cream Sandwich aka Android 4.0, die — mittlerweile schon wieder durch 4.1 aka Jelly Beans veraltete — neuste Android-Version). Hintergrund ist, daß nach einem Jahr Nutzung — und natürlich der Installation von zig App in diesem Zuge — das HTC Sensation sich zunehmend träge und insbesondere zickig gibt. Auch vor dem Update auf ICS war es die Regel, daß nach Nutzung von Dolphin Browser HQ — ein Browser, der recht gut in der Lage ist, normale Webseiten anzuzeigen, was leider notwendig ist, da manche Seiten in ihrer »Mobilfassung« schlicht unbrauchbar sind; und ja, die User-Agent-Kennung umzustellen ist beim Sensation relativ aufwendig, aufwendiger jedenfalls, als einfach einen andern Browser zu nehmen, der sich als Desktop ausgibt — die »Sense«-Oberfläche, oder gleich Android komplett, einen Warmstart hinlegte (HTC-Logo wie nach dem Einschaten, dann die Sense-Oberfläche mit »Lädt…«). Gut, muß man nicht mögen, aber mag ja an der Anwendung liegen — dachte ich damals.

Mittlerweile crasht mein HTC Sensation allerdings nahezu regelmäßig beim Verlassen des nativen Browsers oder von Tweetdeck, einer der anderen vielgenutzen Anwendungen auf meinem Sensation. Das nun ist nicht mehr witzig, es macht das Gerät faktisch unbrauchbar. Sicher, der Neustart ist ein ca. 1 Minute gegessen, aber auch danach ist der Androide mehrere Minuten — eine gefühlte Ewigkeit; ich hab’s bislang nicht gestoppt — sehr träge, schäze, da muß intern aufgeräumt werden.

Ein anderes Problem: zwar kann man auch mit ICS Apps auf den »USB-Speicher« — sprich: die SD-Karte — auslagern, aber einerseits starten jene dann merklich langsamer, viel schlimmer ist aber, daß viele Programme sich bei heute eben nicht verschieben lassen. Und/oder als Kür ihre gesamten Nutzdaten, z. B. Mail-»Datenbanken«, im Telefonspeicher ablegen und diesen so auffressen. Hier hat meines Erachtens Google — als Hauptentwickler von Android — den Zug in die Gegenwart verpaßt.

Hinzu kommt dann noch, daß auch HTC ganze Arbeit geleistet hat, alle Vorteile von ICS auf der Oberfläche mit dem Look & Feel einer veralteten Version von HTCs Sense-Oberfläche zuzukleistern. Bis auf die Liste der vormals geöffneten Apps — sowas bietet Sense aber auch schon seit Android 2.3 — habe ich auf der Oberfläche von ICS nichts mitbekommen. Konsequenterweise schickt HTC aber auch nur die veraltete Version 3.6 ins Rennen, HTC Sense 4.0 ist den neuen Topmodellen, die gleich mit ICS kamen — und wohl auch ewig auf das Upgrade auf JB warten müssen -, vorbehalten. Ich war von Motorolas »Anpassungen« beim Milestone nicht sonderlich angetan — welches auch nur sehr stiefmütterlich mit Updates versorgt wurde btw. –, und wenn HTC Sense auch ein toller Schritt nach Vorne gegenüber der überschaubaren Bedienerfreundlichkeit von Android 2 war, rückblickend kommt für mich, wie auch für den Kollegen @_refugee_, nur noch ein unverpfuschtes Android in Frage.

Unter der Haube allerdings, oh ja: Das Bluetooth-Pairing mit der Audi-Freisprecheinrichtung, was unter 2.3 einwandfrei funktioniert hat, klappt mit ICS nur noch bedingt: Pairen klappt, auch die automatische Verbindung — jedenfalls solange, bis ich die bei jeder neuen Verbindung auftretende Nachricht, der Audi würde sich gerne mit dem Telefon verbinden. mal bestätige. Abgesehen davon, daß die Nachricht nicht kommen dürfte — der Audi ist zur Verbindungsaufnahme autorisiert, und es klappt ja auch »einfach so« — , nachdem man es einmal, weil’s nervt, bestätigt hat, ist das Pairing im Arsch. Man muß die BT-Verbindung auf beiden Seiten löschen und neu initiieren — was unspaßig ist bei dem zündschlüsselabhängigen Procedere Audis –, sonst geht nix.
Ach ja, Bluetooth: Dateiübertragung zwischen meinem HTC Sensation (non-root) und meinem Motorola Milestone (CM7 mit 2.3.7 oder so) klappt nicht mehr, genausowenig zwischen einem Ubuntu-Laptop und dem Sensation — beides war vor dem Upgrade auf ICS kein Thema, es flutschte einfach. (Ok, bis auf die hirnrissige Implementation von Dateiübertragungen per Bluetooth bei Android — auch bei wechselseitig autorisierten Geräten muß eien Dateiübertragung auf dem Zielgerät per Fingertipp angenommen werden; alleine dafür gehört meines Erachtens jemand in Zwangsjacke in eine Gummizelle gesteckt, aber diesmal jemand von Google.)
Ein anderes ziemliches Ärgernis: beim »Einfügen« vorher kopierter Texte wird immer das letzte Wort bzw. das letzte Satzzeichen zwangsselektiert — und somit beim Einfüger des Textes überschrieben. Das war auch vor ICS nicht der Fall.

Hinsichtlich der Akkulaufzeit kann ich keine tollen Veränderungen berichten; lt. Android schluckt der HD/4-Bildschirm des Sensation 30-70% über die üppige Laufzeit von 2-5 Stunden (abhängig von der Nutzungsintensität) — das war IIRC auch vor ICS nicht anders, und ist mit klar zu wenig. Aber auch mein Nokia N95 hielt seinerzeit nicht länger als 3-4 Stunden durch, wenn als mobiles UMTS-Modem verwendet; insofern ist es erträglich, und da die modernen Reisekoffer ja eh’ Rollen haben, fallen die 3, 4 kg an USB-Zusatzakkus im Gepäck fast nicht ins Gewicht …

Und um die sicherlich kommende Frage zu beantworten, warum ich das olle Gerät nicht einfach roote und mit einem Custom-ROM glücklich werde: Ich habe jenes gatan, beim Motorola Milestone als auch bei meinem Tegra2-Tablet, einem PoV Mobii aka Advent Vega. Da ist auch nicht alles Gold, was glänzt, es dauert doch relativ lange, bis man die jeweilgen Root- und Flash-Prozeduren gefunden und, ohne das Gerät zu bricken, umgesetzt hat, und dann kommt es immer mal wieder vor, daß Teile der Hardware eben doch nicht ganz unterstützt werden, im nächsten Snapshot geht dann das Booten ins Recovery auf einmal nicht mehr und es werden wirder lange Nächte, bis man das umschifft hat. Nein, für meinen täglichen Bedarf will ich ein Telefon, das «einfach tut«; und wenn es das nicht tut, dann haue ich den Hersteller, und da das bei Software ja nicht wirklich funktioniert, haue ich ihn halt per Rant in die Wolke — klar in der Hoffnung, daß andere sich vorab noch einmal gründlicher informieren, als ich es damals tat, bevor sie etwas kaufen, was sie nachher ärgert.

Was ich hier vielleich hinzufügen sollte: ich sehe mich eher als Poweruser und ich bin von Natur aus ein Painseeker — daher kaufte ich mir das Milestone — den ersten Androiden mit 848x480er Auflösung –, das Sensation — als eines der frühen DualCore-Geräte — oder eben das Tegra2-Tablet mit Android 2.x. Meine bessere Hälfte ist mit ihrem HTC Desire S, bis auf die im Vergleich zum vormaligen Nokia 6630 mit ausgelutschtem Akku doch arg geringe Standby- und Laufzeit, zufrieden, und K1 ist mt dem 99,– EUR Huawei-Androiden auch glücklich (nur der interne Speicher für Apps sei zu klein; schlägt wohl nach dem Papa ;)).
Übringens bin ich nicht der Meinung, daß Android 2.x nicht auf Tablets funktionieren würde; der einzige Grund, warum ich auf CM7 ging war, daß nur da 2.3.4 (oder größer), die Gingerbread-Version mit Videochat-Unterstützung für Google Talk, verfügbar war. Und u. a. dafür wollte ich ein Tablet …