Telekom Entertain to go … or not to go

Auf der diesjährigen IFA¹ stellte die Telekom unter anderem ‘Entertain to go’ vor, was später im Jahr dann gelauncht werden soll. Zitat aus der Pressemitteilung:

Mit Entertain to go wird Fernsehen mobil
Entertain to go bringt Fernsehen auf PC, Laptop, Tablet und Smartphone – zunächst im heimischen Netzwerk und im zweiten Schritt via Mobilfunk für unterwegs. Zum Start von Entertain to go sind rund 40 Sender verfügbar. Darunter die Öffentlich-Rechtlichen wie ARD, ZDF und 3sat sowie Privatsender wie ProSieben, SAT.1 und kabeleins. Das bedeutet, mit Entertain to go wird nicht nur ein zweiter Fernseher überflüssig, auch die Parallelnutzung bietet dem Kunden höchste Flexibilität. So kann während des Fernsehens auf dem TV-Gerät gleichzeitig via Tablet-PC nach weiteren interessanten Sendungen gesucht werden, um diese mit einem Klick auf den großen Bildschirm zu bringen. Zudem haben Entertain to go-Kunden auch über Mobilfunk und WLAN Zugriff auf die Onlinevideothek mit einer großen Zahl an Inhalten. So kann am Flughafen, in der Bahn und im Park der Lieblingsfilm genossen werden. Entertain to go wird Ende des Jahres als Zubuchoption für monatlich 4,95 Euro mit einer Vertragslaufzeit von nur einem Monat für alle Entertain-IPTV-Kunden erhältlich sein. Als kleinen Vorgeschmack kann Entertain to go zum Start in einer Promotionsphase kostenfrei und unverbindlich getestet werden.

Das ist eine richtig coole Sache, und die Demo, wie man den laufenden Film vom Tablet (und ggf. 3G-Verbindung) auf den heimischen Fernseher zum weiterschauen rüberschieben kann, das war schon beeindruckend. Spannend wird sicherlich, wie die Qualität über 3G/4G später aussehen wird, denn trotz 4,95 extra im Monat, die Bandbreite im Funknetz ist endlich, und wenn der Dienst größflächig angenommen wird (und AFAIK gibt es kein Multicast im Mobilfunknetz, sprich jeder Stream bedeuten 1x Bandbreite), ist sie dann auch schnell … am Ende :-) Eine andere Frage ist, wer wohl einen Film im Zug (wo es faktisch keine Netzabdeckung gibt) beginnt und zuhause dann weiterguckt — aber alleine die Option finde ich cool.

Soweit, so schön; bei der Frage-Antwort-Runde wurde dann leider schnell klar, was alles nicht gehen wird, zumindest nicht so schnell:

  • Streaming der Aufnahmen vom Media Receiver auf’s Tablet scheitert vorerst an Lizenzen
  • Die RTL-Gruppe wird sich wieder vornehm zurückhalten
  • In-App-Käufe von VOD-Titeln werden evtl. nicht auf allen Plattformen möglich sein
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Mit VDR seit zig Jahren Realität: TV irgendwo.

Da muß ich mir wieder mal an den Kopf fassen; der Würgegriff der Content-Mafia hat die (verschlüsselten) Inhalte auf meiner Entertain-Box, dem Media Receiver, augenscheinlich auch nach dem Speichern fest im Würgegriff. Daß RTL nicht mitmacht, geschenkt — auf IBES, DSDS, GZSZ und andere »Meilensteine« kann ich ganz gut verzichten. Aber daß die lokal vorliegenden Aufnahmen nicht durch mein eigenes Netz auf ein anderes Gerät von mir gestreamt(!) werden dürften, das halte ich dann doch für eine rechtliche Fehlentwicklung. Die gute alte VHS-Kassette kann ich in jedem VHS-Recorder abspielen, bei digitalem Content, der letztlich auch magnetisch gespeichert wurde, soll das nicht erlaubt sein? Herr, schmeiß Hirn nach Berlin und Karlsruhe.

Lustigerweise bietet VDR seit Jahren die Möglichkeit, den DVB-Stream via HTTP auszuliefern — mplayer drauf angesetzt und schon grinst der Tagesschau-Onkel auch auf dem Androiden oder Netbook. In eine ähnliche technische Richtung wie nun Entertain (was ja auf Mircosofts »Mediaroom«(?) aufbaut) geht seit Jahren MythTV, welches generell auf einem Master-Slave-Ansatz beruht. Nunja, die Idee ist gut, aber für mich zeigt es wieder einmal, daß, wenn es um digitale Inhalte geht, man sich auf keine Verschlüsselung einlassen darf, um nicht vom König zum Bettler Kunde zu werden. Bin mal gespannt, wie das beim Kindle wird …

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¹ Disclosure: zum Besuch der IFA wurde ich seitens der Deutschen Telekom eingeladen, wir (ein paar Blogger sowie ein paar Telekom-Mitarbeiter) bekamen wie im letzten Jahr Anreise, Übernachtung (beides für mich als Halb-Berliner nicht relevant) sowie ein IFA-Tagesticket. Vor Ort gab es eine Führung über den Stand mit der Vorstellung inkl. kurzer Frage-Antwort-Möglichkeit der diesjährigen Highlights.