Von Entertain, Rechten und meinen Visionen

Ich muß mal wieder etwas Luft ablassen, eine Kategorie »Contentmafia« ist wohl langsam überfällig … Wie dem auch sei, die Vorstellung von »Entertain to go« möchte ich zum Anlaß nehmen, ein bißchen über das technisch machbare, aus meiner Sicht notwendige Grenzen der Einflußnahme der Rundfunkanstalten sowie meine Visionen hinsichtlich des Medienkonsums (Schwerpunkt Bewegtbild; Musik ist abgedeckt durch Squeezecenter und -player) zu reden.

Ein MR3040 und ein HSPA-Stick sorgten für gute Anbindung ...

In einem älteren Artikel schilderte ich ja schon, daß ich auch dieses Jahr im (Italien-) Urlaub »always on« war. Das ist mittlerweile so selbstverständlich, daß wir einplanten, das meine bessere Hälfte an einer Online-Vorlesung vom toskanischen Zeltplatz aus teilnimmt. (Daß dies aufgrund logistisch-technischer Probleme der Fernuni nicht stattfand, nunja.)
So ein Accesspoint ist schnell zusammengehäkelt heutzutage und läuft auch über Wochen stabil — und falls nicht, dank OpenWRT bleibt man Herr des Geschehens …

Das HTC Sensation als Ausgabegerät für den F1-Stream

Dieses Jahr lag wieder einmal ein Formel-1-Rennen in meiner Urlaubszeit, und so habe ich — für mich selbstverständlich — dieses mir wieder auf meine Geräte am Urlaubsort geholt. RTL ist in der Hinsicht ja nicht wirklich fortschritlich, siehe HD »Plus«, aber das ist mir ja egal; ich empfange das Signal legal in Deutschand, wo ich es aufzeichne und zu einem späteren Zeitpunkt (in datenreduzierter Form) zum mir an meinen aktuellen Aufenthaltsort schicke. Diesmal habe ich allerding neben dem vorbereiteten Livestream eben auch eine datenreduzierte Aufzeichnung bereitgelegt und während des Strandtages nach Italien kopiert, sodaß ich mir das Rennen in Ruhe, wie vom VDR zu Hause gewohnt, abends ansehen konnte. (All dies nur per Streaming zu tun wäre technisch möglich, wirtschaftlich aber nicht sinnvoll gewesen (5 GB-Grenze des Vodafone-Tarifs).)

Screenshot des F1-Streams

Mit ein Grund für den Timeshift war auch, daß in der sengenden toskanischen Sonne das Ansehen des Rennens auf einem spiegelnden Smartphone keine sonderlich erquickende Tätigkeit ist — dann lieber bei einem Bierchen/Wein nachts, wenn es nicht nur dunkler sondern auch kühler ist :-)

Nun, ich bin ein Kind, welches mit dem Videorekorder aufgewachsen ist, auch noch mit der LP, und TV-Aufnahmen waren immer »frei«; man zahlte einen Obolus pro Leermedium, daß man dort ggf. uhrheberrechtlich geschütztes Material speicherte und gut war’s; meine Video2000-Tapes konnte ich zwar zu niemandem mitnehmen (mangels Abspielgerät), mit dem Wechsel zum rottigen VHS wurde aber genau das Realität: meine Aufnahmen konnte ich »überall« abspielen, und das legal. Selbiges galt, noch viel mehr, für meine LPs oder, später, CDs.

Mit dem Wechsel vom analogen zum digitalen Medium allerdings, ja, da kamen komische Ideen auf: plötzlich sollte man eben kein Eigentum mehr an den Songs erwerben (gut, hat man vorher auch nicht; der Datenträger allerdings war frei benutzbar) und sie nur noch auf 1, 2 oder ein paar, je nach Anbieter, Geräten abspielen dürfen; so richtig billiger als herkömmliche Datentäger allerdings waren Downloads nicht. Und auch im Bereich TV/Video möchte der Anbieter mich einkerkern, siehe Telekoms Entertain — ich bebloggte das schon in 2009.

Demonstration auf der IFA '12, wie Entertain to go einmal aussehen könnte

Dank der Contentmafia kann mir die Telekom »Entertain to go« nicht so anbieten, wie ich es gerne hätte: alle Programme, die ich auf meinem TV empfangen kann (per Telekoms Set-Top-Box aka Media Receiver), kann ich auch parallel auf einem Tablet gucken. Gibt’s nicht, denn der Telekom werden die (in Deutschland) notwendigen Lizenzen nicht gewährt. Und auch das, was schon auf des Media Receivers Platte vor sich hin schimmelt — off-limits für mein Tablet (und IIRC auch in Teilen für einen zweiten Media Receiver im Haushalt, der trotz ggf. vorhandener Platte selbst nicht aufzeichnen darf), weil … tja, so richtig weiß ich es nicht, denn schon rein technisch spielte nicht die Telekom die Aufnahmen einem Dritten vor, sondern ich mir in meinem Haushalt selber. (Ja, daß meine Aufnahmen nicht per 3G gestreamt werden können, da einerseits mein Upstream dafür nicht ausreicht und die Telekom bei zentraler Ausspielung jede Sendung speichern müßte, die irgendein Meda Reciever speichert, geschenkt. Aber im verfickten Heimnetz? Contentmafia, narf.)

Ich kann die Einschränkungen von »Entertain to go« verstehen; gutheißen kann ich sie nicht. Meine Vision ist es, nach Vorstellung von Nexus 7 und Kindle HD mehr denn je, daß wir, d. h. meine Familie, unabhängiger werden vom 47″ Zentralgestirn des Wiohnzimmers, dem Fernseher. »Entertain to go« wäre das, was ich für mich und meine Familie als nächsten Schritt sehen würde: ein, zwei Tablets, über die auf die Aufnahmen oder das Live-TV zugegriffen werden kann, Bücher gelesen oder Webseiten besucht. Gut, »Entertain to go« und Kindle HD werden ggf. nicht zueinander finden, und die Entertain-Aufnahmen bleiben ja off-limits für’s Tablet …

Amazon bietet in D und UK nun auch den Kindle Fire (HD) an

Nun, ich bin nicht gewillt, weiter zu warten, denn dank VDSL2, HSPA und LTE ist die Netzwerktechnik dort, wo »ich sie brauche«; mit 4 Sat-Karten im Keller (bzw. USB-Adaptern am GoFlex Net) können 4 Transponder (ja, VDR kann RTL und VOX parallel aufnehmen mit nur einem DVB-Gerät; alles, was auf einem Transponder liegt, geht im Prinzip parallel — im Prinzip, denn die Bandbreite ist bei ARM-Kistchen doch etwas begrenzt) beackert werden, was mit ARD, ZDF, RTL Group, P7S1 das Gros für D ausmacht. Da mein Multiswitch 8 Ausgänge hat, ist da durchaus Luft nach oben ;) Und nachdem der jüngste Virenbefall des Familienlaptops die Entscheidung, den Kids statt Laptop/Netbook eher ein Tablet an die Hand zu geben, die Hardwarefrage klärte, wird die Anschaffung von Nexus 7/Kindle HD hierfür der nächste Schritt, parallel zum Aufbohren der Keller-VDRs …

Ja, wir leben in interessanten Zeiten ;) Ausstehende Frage allerdings: VDSL-25 mit Entertain aufgeben und statt dessen 2x Annex-J (je 16 MBiut/sec down, ca. 3 MBit/sec up) ordern? Wenn die Kids Entertain nicht mehr zum aufnehmen nutzen, ist’s ja eher überflüssig …