Fritz!OS 5.50, oder: das Ende der Kompatibilität

Letzten Donnerstag habe ich auf meiner 7270 v3 mal die aktuelle Fritz!OS-Version 5.50 ausprobiert, frei nach dem Motto »mal eben schnell am Donnerstag abend upgraden, vielleicht kitzelt es ja auch noch’n MBit/sec mehr raus«.

Nun, es war ein Abend, den ich so schnell nicht vergessen werde — Fritz!OS 5.50 (Labor) war ein das Heimnetz und den Internetzugang killendes Desaster :(

tl;dr: Ab Fritz!OS 5.50 bietet AVM keine Interoperabilität a) zu Fremdherstellern als auch b) zu älteren AVM-Geräten mehr. Für VDSL und ISDN nach wie vor kein adäquater Nachfolger der 7570 vorhanden. Beware of Fritz!OS 5.50.

ADSL-Router Berlin und Funkbrücke inhouse; 5.50 war da ziemlich scheiße.

Es hätte mich wohl warnen müssen, daß für meine 7270v3 (schwarze 1&1-Kiste, mit int. Version der Firmware (»avme«) geflasht) gar kein Update auf 5.50 angeboten wurde. Aber da ich mir die v3 ja u. a. gekauft hatte, um »zukunftssicher« zu sein — dabei hätte ich Depp schon vom Debakel bei der 7570 gewarnt sein können, daß AVM auf schon verkaufte Hardware nicht viel gibt und nur am Neugeschäft interessiert ist — und die neuen Features ausprobieren zu können, dachte ich, okay, wenn sie das für EU noch nicht freigeben, wird halt schnell per »ruKernelTool« auf DE umgeflasht. 1000 mal gemacht, und 985 mal über den nötigen Windows-Reboot wg. »Mediasensing« geflucht — ansonsten ist das eigentlich schmerzfrei, und der große Vorteil der 5er Firmware, aka »Fritz!OS«, ist ja endlich die Übernahme der Konfigurationsdaten über Gerätegrenzen hinweg …

Ende der Fahnenstange bei 7570

Nun, nicht bei der Fritz!OS-Labor, die ich dann flashte: die ADSL-Zugangsdaten wurden nicht übernommen — natürlich mit das Wichtigste, denn ohne DSL ist schlecht internetten, zumal konsequenterweise die Einstellung, über den angesteckten E160-3G-Stick ersatzweise online zu gehen, ebenfalls ignoriert wurde.

Speedport 503: schnuckeliger Repeater (AVM-WDS, 802.11a)

Erst nach dem Wiederherstellen des DSL-Zuganges durch händische Eingabe der zum Glück vor Ort vorhandenen Einwahldaten bemerkte ich dann, daß einige Systeme nicht mehr erreichbar waren — nämlich jene hinter der 300 MBit/sec-Funkbrücke, die die 7270 zu einer »Speedbox 7270v1«, einem gefritzten Speedport W503V, eigentlich aufbauen sollte.

Händisch nachgeguckt, nix geht; aber da war der Hinweis, daß »WDS« ab Fritz!OS 5.5 nicht mehr unterstützt würde — bei AVM im Web liest sich das so:

Warum gibt es eine neue Lösung zur Reichweitenvergrößerung?

WDS wird als Spezifikation seit längerem nicht mehr von der IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) weiterentwickelt und basiert aus heutiger Sicht auf veralteten und unsicheren Verschlüsselungsverfahren (offen/WEP). WDS konnte bisher nur mit Hilfe zusätzlicher proprietärer Erweiterungen (beispielsweise dem AVM-WPA2-Verfahren) überhaupt noch sicher genutzt werden. Durch die Nutzung dieser proprietären Erweiterungen für den sicheren WPA2-Betrieb war jedoch nur die Interoperabilität innerhalb der FRITZ!Box-Familie mit entsprechender Firmware gegeben. Eine universelle Interoperabilität zu Routern anderer Hersteller ist nur auf Basis des mittlerweile seit Jahren unsicheren WEP bzw. einer unverschlüsselten WLAN-Verbindung möglich.

Da die IEEE die Weiterentwicklung von WDS eingestellt hat, gibt es keinerlei Fortschreibung bzw. standardisierte Anpassungen an aktuellere WLAN-Sicherheits- und Geschwindigkeitsstandards wie WPA2 und WLAN 802.11n. Damit sind weitere Entwicklungsschritte hin zu mehr Sicherheit und Geschwindigkeit im WLAN auf Basis einer standardisierten, herstellerübergreifenden Option zur Reichweitenvergrößerung unter Benutzung von WLAN-Routern nicht mehr gegeben. AVM möchte seinen Kunden beginnend mit dieser Firmware-Generation eine technisch verbesserte Nachfolgelösung zum bisherigen WDS anbieten.

Dies sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen: »WDS konnte bisher nur mit Hilfe zusätzlicher proprietärer Erweiterungen (beispielsweise dem AVM-WPA2-Verfahren) überhaupt noch sicher genutzt werden. Durch die Nutzung dieser proprietären Erweiterungen für den sicheren WPA2-Betrieb war jedoch nur die Interoperabilität innerhalb der FRITZ!Box-Familie mit entsprechender Firmware gegeben.«

Genau diese »Interoperabilität innerhalb der FRITZ!Box-Familie« ist war der Grund, warum ich in den letzten Jahren verstärkt Speedports aus AVM-Fertigung und 7570er gekauft habe; die 7570 (eine 7270v3 mit VDSL2/ADSL2-Modem) als Basis, die Speedports als »AVM-WPA2-WDS«-Gegenstellen. Bei Bedarf kombiniert mit 7170/7150 (Speedport W900V; 7170 plus DECT-Basis), wenn am Ende der Verlängerung man ISDN/ISDN+DECT haben möchte.

Aber das ist jetzt Geschichte, eine generelle »Interoperabilität innerhalb der FRITZ!Box-Familie« existiert seit Fritz!OS 5.50 nicht mehr. Den Support für die 7570, den bei VDSL häufig performanteren Vorgänger der 7390, hat AVM schon vor einem Jahr eingestellt — mit Fritz!OS 5.50 stempelt AVM diese agile, leistungsfähige Box — im Kern eine 7270 mit »nur« einem anderen Modem — nun endgültig zu Sondermüll.

Dabei hat AVM einen adäquaten Ersatz für ADSL2 und VDSL2 inkl. ISDN in- wie extern nach wie vor nicht im Angebot; die 7390 hat Modemprobleme an manchen Anschlüssen, der 7360 (hat keinen internen S0) kann sie nicht das Wasser reichen (allerdings: auch die 7570 vergibt ein paar MBit/sec an meinem aktuellen congster-VDSL-Anschluß nach eigener Messung). Eine 7370 — 7360 mit ISDN & DECT — wäre schick, mag AVM aber grade nicht bauen …

Ich finde es, auch wegen meiner mittlerweile fünf 7570, sehr bedauerlich, daß AVM nicht wenigstens den »Fritzern« durch die Bereitstellung von entsprechenden Treiber-Binaries für die neuen Kernelversionen die Möglichkeit läßt, die auf 72er-Technik basierende Hardware auch mit Fritz!OS zu betreiben; aber augenscheinlich geht es AVM heute mehr darum, Neukunden zu gewinnen, denn bislang zufriedene Kunden bei der Stange zu halten.

VDSL-Router Berlin: kein Update angezeigt

Daß die 5.50 für die 7270 v3 ein solches Desaster für mich war, hat zwei Gründe: zum einen der Wechsel des Funkbrückenstandards; sowas in einen Update der Minor Version zu verstecken, ist ein no-go — wie es auch in meinen Augen der Verzicht auf den WDS-Standard ist. Fakt: ab Fritz!OS 5.50 bietet AVM keine Interoperabilität a) zu Fremdherstellern als auch b) zu älteren AVM-Geräten mehr. Der andere »Lapsus« war die rottige Datenübernahme aus dem vermeintlich anderen Gerät — daß aus 5.23 (der internationalen Firmware für die 7270 v3) nicht einmal die DSL-Einwahldaten nach 5.50 übernommen wurden, ist mehr als ein »Labor-Patzer«.

Für mich heißt dies, daß mit 5.22/5.23 das Ende der Fritz-Evolution erreicht ist; ich kann meine Geräte nicht auf eine höhere Version bringen, denn damit schlösse ich aus, sie mit älteren Geräten zu nutzen. Zitat AVM:

Welche Alternativen gibt es?

Wenn Sie die bisherige WDS-Lösung mit Ihrer vorhandenen Hardware bevorzugen, sollten Sie Ihre FRITZ!Box nicht auf diese neue Version von FRITZ!OS updaten. Dies ist insbesondere dann ratsam, wenn sie noch veraltete, WDS-fähige Hardware nach dem WDS/WEP-Standard einsetzen möchten, trotz der damit verbundenen Sicherheitsbedenken, oder wenn Sie ältere FRITZ!Box-Modelle verwenden.

Schon spannend, diese Lösung zu lesen, ist doch 5.50 quasi der heilige Gral lt. AVM:

Mit dem neuen kostenlosen FRITZ!OS 5.50 beschert AVM Ihrer FRITZ!Box mehr Geschwindigkeit, Komfort und weitere nützliche Funktionen. Neuerungen rund um Telefonbuch, Anrufbeantworter, MyFRITZ!, Smart Home, FRITZ!Fon und NAS schaffen mehr Möglichkeiten und führen zu einem Plus an Komfort.

Schade, AVM. Es war eine schöne Zeit — als Ihr noch für Kunden entwickelt habt …