Deutungshoheit bei der #fsa13?

Leider bin ich derzeit nicht so gut zu Fuß, daß ich, wie vor dem Urlaub noch angedacht, an der #fsa13, der Demo »Freiheit statt Angst«, in Berlin teilnehmen hätte können. Etwas an der Berichterstattung irritiert mich allerdings.

Normalerweise bin ich ja unter der Woche in Berlin, am Wochenende in Gütersloh — die Zelte reißt man in meinem Alter als Familenvater nicht mehr so einfach ab, wie damals als liierter Single … Insofern wäre die Teilnahme an der FSA gleichbedeutend mit einer Wochenendheimfahrt weniger — nach drei Wochen Urlaub mit der Familie eigentlich kein großer Akt.
Da ich nun operationsbedingt nicht teilnehmen konnte, versuche ich mich, im Netz zu informieren, und da stolpere ich grade über einen Satz in einem Artikel bei Golem.de:

Nach Angaben der Veranstalter sind über 20.000 Demonstranten bei der Demonstration Freiheit statt Angst am 7. September 2013 in Berlin. Ein Sprecher der Berliner Polizei wollte wegen Absprachen mit dem Veranstalter keine Angaben zu den Teilnehmerzahlen machen. “Es sind hier wirklich viele Menschen unterwegs”, sagte er.

Wie bitte? Die Polizei hat einen Absprache mit dem Veranstalter, keine Angaben zu (geschätzten?) Teilnehmerzahlen zu machen? Das finde ich dann doch … bemerkenswert.

Tendentiell halte ich die Teilnehmerzahlen, die Veranstalter kommunizieren, für überhöht, jene, die z. B. von der Polizei genannt werden, für sehr konservativ gezählt. Daher fand ich die Idee, Teilnehmer »auszumessen«, für recht interessant — Daniel Bröckerhoff kommt in seinem Blog auf interessante Zahlen:

Anruf bei befreundeten Physikerin, die wir noch mit den Parametern “Teilnehmer pro Reihe”, “Schrittgeschwindigkeit”, “Abstand zwischen den Reihen” füttern mussten und die dann für uns 14.000 Teilnehmer errechnete. Der AK Vorrat gab währenddessen per Twitter 20.000 Leute bekannt, aber Veranstalterzahlen muss man ja mit Vorsicht genießen.

Wenn es doch jedem Anwesenden offensichtlich recht einfach möglich war, zu solchen Zahlen zu kommen, warum gibt es dann »Absprachen mit dem Veranstalter[,] keine Angaben zu den Teilnehmerzahlen [zu] machen«?

Nennt mich paranoid, aber das klingt komisch …

One thought on “Deutungshoheit bei der #fsa13?

  1. Das klingt nach einem Entgegenkommen für den Veranstalter. Dessen Angaben sind idR. deutlich, um bis zu dem Faktor 2 überhöht. Insofern freut sich jeder Veranstalter, wenn seine Zahlen unwidersprochen bleiben.

Comments are closed.