Welche Rechte hat das RIPE NCC an IP-Netzen?

Ich wollte dies initial im Kommentar beantworten, aber ich denke, es ist doch einen eigenen Beitrag wert.

Sorry, Hugi ;)

Aber deine Position verstehe ich dennoch nicht ganz. Du hast keinen Vertrag für das Netz, und deshalb gehst du davon aus dass es dir gehört.

Hugi, ich gehe davon aus, daß es eine Vertragsbeziehung gibt, ich denke, Juristen machen aus jedem Geben-Nehmen einen Vertrag …

Ich habe seinerzeit auf Basis von internet-number-template.txt (Version von April 1993, davor habe ich nur eine NIC.DDN.MIL-Version von 1990 gefunden) in der Version von 1992 ein Netz für »Research« beantragt, als ich hoffte, über die Uni und hanse.de ans Netz zu kommen.
Das zog sich aber hin, und mittlerweile hatte die mcshh über EUnet zeitweise Internetzugang. Das war aber ein »kommerzieller Zugang«, also habe ich das Template 1993 nochmal genommen und mit im Prinzip den gleichen Daten erneut ein Netz für »Commercial« bei hostmaster@internic.net beantragt … Ich hatte damals 2 Rechner zu Hause, entsprechend waren die Angaben für jetzt, in ein, zwei und fünf Jahren recht konservativ — aber für ein »Class C«, heute als /24 geläufig, reichte das, damals.

Wie auch immer, das zweite Netz ist das, um das jetzt geht; meine Anfrage an hostmaster@internic.net fiel wohl in die Aufteilung der Adressvergabe von zentral – Internic – zu regional – RIPE, APNIC, … – und die Anfrage wurde seitens Internic weitergeleitet. Es gab eine Nachfrage wegen meines anderen Netzes von R. V. mit einer Mailadresse der Uni Dortmund; ich begründete die neue Anfrage mit der Trennung von »Forschung« und »Kommerz« und bekam mit dem belustigten Hinweis, das wäre sein erster Netzantrag, um was zu trennen, mein zweites Class-C-Netz zugeteilt, eingetragen wie folgt in der RIPE-DB:

changed: cp@deins.Informatik.Uni-Dortmund.DE 19930417

Wenn es also eine vertragliche Verbindung gibt, dann zwischen mir und der Universität Dortmund (oder dem Vorläufer des DE-NIC, als das die Leute da wohl die IP-Vergabe vornahmen).
Vertragsgegenstand aus meiner Sicht: gegen den Nachweis des Bedarfs bekommt der Antragsteller (hier: ich) von der Vergabestelle (hier, lt. RIPE, die Uni Dortmund als »registry of last resort« im Auftrag des RIPE; aus meiner Sicht die Uni Dortmund als seinerzeitige deutsche Vergabestelle) einen seinem Bedarf entsprechenden IP-Bereich zugewiesen (solange die initialen Angaben zutreffen/auf Ewigkeit). Zzgl. Datenbank-Services (whois, (Reverse-) DNS).

Generell stellt sich natürlich sowieso die Frage, wem denn »die« IP-Adressen gehören. Das RIPE hat auch nur Adressen zur Verwaltung, sprich Zuweisung, bekommen, ein Eigentum dürften weder ich, noch das RIPE, noch irgendein anderer Adressinhaber geltend machen können. Wobei, bei Domains, einem ähnlichen Konstrukt, gibt es IIRC eine Rechtsprechung, die einen eigentumsähnlichen Status zuweist — dann müßte das auch für zugewiesene IP-Adressen gelten. Aber: IANAL.

Anyway. 20 Jahre lang war alles Friede, Freude, Eierkuchen; aber nun hat das RIPE sich eine »Policy« geben lassen, die das RIPE NCC durchzusetzen versucht: wer nicht RIPE-Mitglied ist oder nicht über eine LIR Adressraum bekommen hat, habe nun entweder wahlweise RIPE-Mitglied (2k+/Jahr) zu werden oder einen kostenpflichtigen Vertrag mit einer LIR abzuschließen. (Die LIR hat pro »PI«-Netz, derzeit, 50,–/Jahr an das RIPE zu entrichten.)

Und das versucht man durchzuziehen, obwohl man schon in der Policy-Begründung feststellt, daß das RIPE keinerlei Vertragsbindungen in der Vergangenheit forciert hätte und obwohl dem RIPE klar sein muß, daß das, was es durch das RIPE NCC von den IP-Adresseinhabern zu erpressen versucht – die Unterwerfung unter später implementierte »Policies« sowie uneingeschränkt jegliche zukünftige Policyänderung – ganz absolut jeglicher Rechtsgrundlage entbehrt.

Zumindest in meinem Fall ist das, denke ich, unbestreitbar: selbst RIPE-048 aus 1992 oder RIPE-107 aus 1994 nennt keine Bedingungen, wie sie das RIPE [NCC] heute für diese Zuweisungen rückwirkend implementiert wissen will.

Mit ein klein wenig Mühe und geringen Kosten bleibt dir das Netz erhalten, auch wenn du keinen vertraglichen Anspruch darauf hast.

Hugi, ich denke doch, daß ich einen vertraglichen Anspruch auf das Netz habe. Ich habe alle Bedingungen erfüllt, warum sollte mir das Netz also genommen werden können, konkret »mit welchem Recht«? Und das ist schon eines der Probleme: mit welchem Recht bricht das RIPE NCC geltendes Recht (durch, meines Erachtens, Nötigung)? Welches Recht hat das RIPE NCC an dem durch die Uni Dortmund mir zugewiesenem IP-Bereich, daß sie meint, ihn mir wegnehmen zu können, nur weil ich ihren willkürlichen neuen Regeln nicht zustimme, die niemals Gegenstand der initalen Zuweisung waren (bei der RIPE nie Vertragspartner war)?

Die »geringen Kosten«, von denen Du so verniedlichend sprichst, sind für mein /24 pro IP immerhin das 65536fache(!) von dem, was z. B. das »PI«-Netz 53/8 zum Vergleich pro IP kostet: Auch dieses »PI« wird die Daimler-LIR »nur« 50,–/Jahr kosten. Verhältnismäßigkeit ist dem RIPE offensichtlich fremd. (Effektiv kostet einen Endbenutzer eine de-Domain nicht einmal einen EUR/Monat, und die Dienstleistung des DeNIC hier ist 1:1 vergleichbar mit dem, was das RIPE [NCC] einem Adressinhaber bietet: whois & (Reverse-) DNS-Verweise. Höhere Kostenansätze sind mithin als rein politisch abzulehnen.)

Alle “Netzleichen” werden so aber ganz effektiv bereinigt.

Wie könnte RIPE hier besser vorgehen?

Ganz platt gesprochen? Ohne vorsätzlichen Rechtsbruch.

Nichts ist dagegen einzuwenden, daß das RIPE periodisch bei den eingetragenen Netzinhabern sich nach deren Wohlbefinden erkundigt; das ist im Domainbereich ja auch gang und gäbe … Mit dem Erhalt eines Netzes hat man auch seine Kontaktdaten zwingend in der RIPE-DB hinterlegt, wen das RIPE nicht erreichen kann, dessen Netz können sie meines Erachtens (sofern es nicht mehr genutzt/geroutet/blabla wird) gerne recyclen.

Hier aber nötigt das RIPE [NCC] Adressinhaber dazu, zusätzliche Verpflichtungen einzugehen, ohne ein Recht hierzu zu haben.

Spätestens, wenn es Widerspruch seitens der Adressinhaber zum Vorgehen gibt, hätte beim RIPE [NCC] ein alternativer Ablauf stattfinden müssen. Das, was das RIPE NCC derzeit praktiziert – wer nicht spurt, verliert seine Netze, Stinkefinger – ist jedenfalls hochgradig fragwürdig, wenn nicht illegal. Und ich denke nicht, daß das RIPE NCC mit »aber unsere Community hat das so beschlossen« vor Gericht gut darstehen wird. (BTW: Ich suche noch immer einen auf diesem Gebiet erfahrenen Anwalt, Pointer bitte an mich.)

4 thoughts on “Welche Rechte hat das RIPE NCC an IP-Netzen?

  1. Ich verstehe die ganze Diskussion nicht.

    Du hast quasi einen Altvertrag, mit dem Dir ein IP-Netz zugeteilt wurde. Dieser Altvertrag wird jetzt durch einen neuen Vertrag ersetzt, der neue Bedingungen enthält. Den kannst Du abschließen oder auch nicht und demnach das Netz zu den neuen Konditionen behalten oder nicht.

    Wie Du darauf kommst, dass eine einmalig 1993 erfolgte Vergabe in alle Ewigkeit unwiderruflich Bestand haben muss, ist mir nicht klar. Es ist doch gerade Kennzeichen solcher Dauerschuldverhältnisse, das man sie kündigen kann.

    • Dauerschuldverhätnis ist eine schöne Idee; nur, wieso sollte das ein solches gewesen sein? Es gab einen einmaligen Austausch (ich Antrag, Registry Netz), das war’s, 20 Jahre lang.

      An anderer Stelle wurde schon mit »Lizenz« (zur Nutzung des IP-Bereichs) gedanklich operiert; das trifft auf die Situation heute imho zu, wo man im normalen Providerumfeld einen Adressbereich »auf Zeit« (Dauer des Vertragsverhältisses) zugewiesen bekommt. Die Zuteilung eines öffentlichen Netzes war »damals« aber anders angelegt; wer die Voraussetzungen (die zugegebenermaßen niedrig waren) erfüllte, dem wurde ein Netz oder wurden mehrere Netze zugeteilt, ohne wenn, aber oder Rückforderungsklauseln.

      Aus meiner Sicht war die damalige Delegation ein in sich abgeschlossener Vorgang, und eben kein Dauerschuldverhältnis. Für ein solches hätte es meiner Meinung nach einer entsprechenden Willensbekundung bedurft; die Formulare hingegen stellen auf einen einmaligen Vorgang ab, die nicht explizit befristete Zuordnung der Resource IP-Netz N zur (juristischen) Person P. Das mag aus heutiger Sicht suboptimal aussehen, aber kann diese kollektive Erkenntnis vertragliche Rückwirkung entfalten?

  2. Wusel, was wurde dir denn damals gegeben? Das Recht, bestimmte Nummern zu verwenden, verbunden mit dem Verbot für alle anderen, dieselben Nummern für die Adressierung zu verwenden. Das ist ein sehr immaterielles Recht, ähnlich eines Nutzungsrechts an einer Telefonnummer. IP-Adressen gab es damals wie Sand am Meer, niemand konnte sich vorstellen, dass die jemals ausgehen würden. Viele Netze wurden damals gar nicht mit dem Internet verbunden, sondern nur intern verwendet.

    Die Situation heute ist eine andere.

    Ein Jurist würde vielleicht fragen, ob dein Nutzungsrecht eingeschränkt oder zeitlich begrenzt ist, ob der Lizenzgeber damals überhaupt das Recht an der Vergabe hatte. Ob das Recht vererbbar ist. Wer der Rechtsnachfolger der damaligen Lizensierungsstelle ist.

    Ich will mich an dieser Stelle aus der Diskussion wieder ausklinken, denn da bin ich nicht gut genug bewandert.

    Ich finde es grundsätzlich gut, dass RIPE sich hier die Mühe macht Leichen zu finden, das kommt dem Internet als ganzem zugute. Das Verfahren ist über mehrere Jahre angelegt, sodass niemand einen extremen Druck dabei hat.

    Ja es ist ärgerlich. Mich hat es damals auch geärgert, dass ich für meine Domain, die jahrelang umsonst verwaltet wurde, auf einmal Geld zahlen sollte. Aber zumindest hatte ich dann die Sicherheit, dass die Domain auch weltweit eindeutig bleiben würde.

    Es ist dein gutes Recht, vom RIPE eine Legitimation ihres Anspruchs zu verlangen. Oder bei der IANA nachzufragen ob RIPE das darf.

    Bislang ist das alles nur lästig. Erst wenn dich eine Firma 192.145.146.0 Inc. (Beispiel) auf Verletzung ihrer Namensrechte verklagt, wird es ernst. Ich weiss nicht, wie weit wir davon noch entfernt sind. :-/

    • Hugi, 1992/1993 war schon der Beginn der Erkenntnis, das, so wie 640 kB Hauptspeicher absolut doch etwas knapp sind, 32 Bit doch eher nicht für jedes potentiell zu versorgendes Gerät reichen würde; »niemand konnte sich vorstellen, dass die jemals ausgehen würden« stimmt jedenfalls nicht. Um 1993 wurde auch (endlich) die Gruppierung in A/B/C aufgelöst und dank CIDR optimiertere Vergabeverfahren angewendet; zumindest durch RIPE, was die Amis damals machten, keine Ahnung.

      Und ja, ich sehe es auch am ehesten als ein Nutzungsrecht. Telefonnummer ist eine Analogie, die mir auch in den Sinn kam. Und aus meiner Sicht kommt plötzlich, nachdem ich +49172… nun fast (~5 Jahre weniger schätze ich) solange wie besagtes IP-Netz nr Nutzung zugewiesen bekommen habe, die ITU daher und sagt: »Alter, uns gehört +49, darunter nutzt Du eine Nummer, dafür mußt Du jetzt einen Vertrag mit A, B, X oder Y machen (und Summe X/Jahr zahlen), im Vertrag muß übrigens u. a. stehen, daß Du jedwede etwaige zuküftige Änderung der Vertragsparameter durch uns akzeptierst. Wenn nicht, küsse Deine Nummer zum Abschied ein letztes Mal …«
      Ich verstehe wirklich nicht so richtig, das dieses Vorgehen nur ich befremdlich finde :)

      Keine Frage, das RIPE sollte periodisch nach Leichen Ausschau halten. Daß man »keinen extremen Durck dabei hat« sehe ich aber eben signifikant anders. Würde sich das RIPE darauf beschränken, nach Leichen zu suchen, wäre alles schick. Nur nimmt sich das RIPE halt das Recht raus, Jahrzehnte nach der Delegation rückwirkend Bestimmungen, die erst vor wenigen Jahren kodifiziert wurden, Geltungsrang anzudichten, und dies mit »friß oder stirb« zu kommunizieren. DAS das ist nicht OK. Weder ethisch noch juristisch. Für mein dem RIPE im Rahmen von ERX zur Verwaltung zugefallenes Netz steht mir der Spaß ja nochmal bevor — allerdings scheint das RIPE da verstanden zu haben, daß sie mit der Brechstange nicht weiterkommen und bieten, soweit ich das verstanden habe, die Beibehaltung des Status Quo an.

      Kostenlose Domains? Meine Domains haben immer Geld gekostet, dort wird aber auch »seit jeher« eine Vereinbarung auf Zeit geschlossen. Das war bei IP-Adressen 1992/1993 anders; heute bekommt man nötigen Addressraum (auf Zeit) vom jeweiligen ISP, auch das steckte damals bestenfalls in den Kinderschuhen.

      IANA einzuschalten dürfte so witzlos sein, wie um 1995 herum, als im Kundenauftrag wir (ich) versuchten, eine Domain der Art “9zehn.de” vom DeNIC, die damals entgegen RFC 1123 (der ist von 1989) führende Ziffern ausschlossen, registriert zu bekommen. Die Antwort auf unsere Beschwerde an IANA ob der Ignorierung von RFC1123 war sinngemäß: “da mischen wir uns nicht ein”. Immerhin, ein paar Wochen später paßte das DeNIC seine Domainrichtlinien RFC1123 an …

Comments are closed.