Wardriving 2014 — ein alternder Geek weint

Ach je. Da willste nach 7 Jahren mal wieder »wardriven«, um für den Gütersloher Freifunk besser planen zu können — und die Softwarewelt erweist sich als Scherbenhaufen.

Grafik

»gpsmap« in Aktion (2007)

Um 2007 herum datieren meine Graphiken zu »gpsmap« hier im Blog, die alte Aktionswebseite sietland.net dürfte mehr haben, ist aber längst in Rente [1]. Für die mit der Gnade der späten Geburt, »gpsmap« war seinerzeit Teil von »Kismet«, grabschte sich von einstellbaren Quellen eine Bitmap als Karte und konnte dann auf dieser Bitmap per Kismet vermessene WLANs auftragen — und dabei auf Basis von Signalstärke und GPS-Position auch deren Standort sowie die Reichweite recht gut darstellen. Offline (als Bild) zwar, aber es ging, damals, schnell und schmerzlos (wenngleich nicht zwingend legal, Kartenmaterial war vor OpenStreetMap ja ein weiteres Minenfeld im Internet).

Soweit, so gut. Nun wurde Kismet 2009 komplett überarbeitet — und gpsmap links liegen gelassen, ohne einen Ersatz zu bieten. Und so stehe ich hier im Vorherbst 2014 mit meinen regennassen Kismet-Tracks und kann sie nicht visualisieren.
Nichts gegen den Fortschritt — so eine Zentralheizung im Neubau ist schon ein Komfortgewinn gegenüber dem Lagerfeuer in der Felshöhle —, aber warum hier, und warum jetzt (ok, vor fünf Jahren)?

Die vorletzte Nacht habe ich mir um die Ohren geschlagen, nach tauglichen »heat­map«-Lösungen für »Leaflet«, einer JavaScript-Bibliothek für OpenStreetMap, zu suchen. Witzig, wie man dann wieder feststellt, daß auch das große G richtig untauglich wird bei den passenden Begriffen. Und das Hinz und Kunz auf dem kleinen G, github, offensichtlich jeden Scheiß mindestens zweimal forken …

Screenshot

Texteraten mit Google ;)

Irgendwann — wenn ich dermaleinst das Update gemacht haben werden und auch auf meinem Nexus 4 »OK, Google« sagen kann — werde ich meinem Telefon zurufen: »OK, Google! Nenne mir einen Ersatz für gpsmap, online oder offline, der mit Kismet-Newcore funktioniert.«

Wenn das dann genausogut funktioniert, wie derzeit bei der Google-Spracheingabe, habe ich wenigstens Spaß gehabt — wenngleich auch dann nichts gefunden ;)

Screenshot

Mühsam, Eichhörnchen. Leaflet und etwas Postprocessing der Freifunk- und Kismet-Daten …

Notgedrungen habe ich mir letztlich doch was Eigenes gebaut: Parser, der das nodes.json nach CSV konvertiert (nur Latitude, Longitude, Knotenname, Knoten-ID), ein bißchen awk, welches aus Kismet-Logfiles und unseren Daten Overlays für die OpenStreetMap-Karte erzeugt, … und Kismet 2013-03-R1 auf einem Rapsberry Pi für jenen durchkompiliert, auf daß ich diesen Mittwoch endlich mal durch die Stadt radeln kann und unsere (Freifunk-Güterloh) Reichweite vermessen … und danach in der Karte interaktiv begutachten.

Sicher ist das mit einer Online-Anwendung schöner als mit einer Offline-Karte. Aber der Zeitaufwand, mit dem Online-Kram mal in Gang zu kommen … Und »gpsmap« war sowieso klüger, so! ;)

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[1] sietland.net war 2005 bis 2007 mein Versuch, die verfahrene Situation in der Hauptgemeinde der damaligen Samtgemeinde Sietland (heute zusammen mit Otterndorf zur Samtgemeinde Land Hadeln verschmolzen) bzgl. schnellem Internet anzugehen: quasi als Bürgerinitiative Mitstreiter zu finden, um dann DSL-Anschlüsse aus Nachbargemeinden (4-8 km Luftline über die norddeutsche Tiefebene) per WLAN nach Ihlienworth zu »verlängern«.
Abgeschaltet (Webserver runtergefahren) habe ich die Seite, da ein damaliger Akteur nach ein paar Jahren ein Recht auf Vergessen einforderte, dem ich so nicht nachzukommen bereit war (geht man im Bundesarchiv etwa mit dem Edding durch die Archive und schwärzt Zeitzeugnisse?!), aber weder Zeit noch Lust hatte für eine rechtliche Klärung, zumal auf meine Kosten. Da die Site sich seit dem überraschenden Aufbau von Outdoor-DSLAMs Ende 2006 eh’ überlebt hatte, habe ich sie letztlich beerdigt. Fällt archive.org eigentlich auch unter das dämliche europäische »Recht-auf-Vergessen«-Urteil? Ich hoffe nicht …

 

2 thoughts on “Wardriving 2014 — ein alternder Geek weint

    • DIe Paderborner arbeiten an etwas (für Android, wie ich hoffe ;)), aber auch das malt mir keine Bilder, sondern läuft als interaktive Karte AFAIK.

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