Streik der GdL …

… meine Güte, was für gequirrlte Scheiße muß man da lesen, auch und grade in den ach-so-sozialen Medien.

Natürlich ist das nervig, mit diesen relativ planbar-überraschend kommenden Streiks bei der Deutschen Bahn. Und natürlich ist die Frage erlaubt, ob das denn so sein müsse.

Doch, mal ehrlich, was ist denn die Alternative für die GdL? Die Gesetzespfuscher wollen »Spartengewerkschaften« ans Streikrecht, nicht mehr und nicht weniger ist in der Diskussion. Ohne für die eigenen Mitglieder aber streiken zu können, ist es nur noch eine Gewernerschaft, ein Ding ohne Biß und ohne Sinn.

Sofern es stimmt, was zu lesen war, daß nämlich der ach-so-unterschriftreife Kompromißvorschlag der Bahn vorsah, daß die GdL, falls sie mit der Bahn nicht einig würde für ihre Mitglieder, die nicht Lukas heißen keine Lökführer sind, nicht nur für besagte Mitglieder nicht streiken dürfte sondern jene auch von den Segnungen des mit der EVG ausgehandelten Ergebnisses abgeschnitten wären, also, falls das stimmt — finde ich nur rd. 100 Stunden Ausstand eine extrem maßvolle Antwort.

Nein, Weselsky ist kein Mann des Wortes. Er ist auch kein Sympath. Daß sein Vorgänger im Amt, den ich zu seinen Streiks deutlich rumpelstilzchenhafter und polternder in Erinnerung habe, sich nun abfällig über Weselsky äußert, hat der imho nicht verdient. Aber so eine greise Stimme aus dem Off dürfte sein geringstes Problem sein.

Das Thema Weselskys eignet sich nicht für Twitter oder TV-Interviews; es erscheint jedenfalls komplex, und der Eindruck entsteht, wie die von einem Toten verlegte Bild-Zeitung so wortbildungsorginell titelte, es liefe ein »Bahnsinniger« generalstreikstiftend durch’s Land. Ich glaube, Maß und Mitte haben andere verloren.

Screenshot

100% der ICEs von Berlin Richtung Köln sollen morgen fahren? Hmmm…

Ich schreibe dies aus einem ICE gen Gütersloh – der grade kurz hinter Hannover ungeplant stehen geblieben ist –, denn ich kann den Aussagen der Bahn, morgen Nachmittag würden 100% der ICE zwischen 16 und 20 Uhr ab Berlin gen Bielefeld verkehren, nicht so recht glauben. Ich mußte ein paar Termine verschieben und so andere Kollegen mit meinem Reiseproblemen behelligen, verpasse persönliche Meetings mit Kollegen und Vorgesetzten aus den USA — ja, der Streik ist ›doof‹.

Es wird morgen also spannend sein, die Abweichung von heutigem Plan und morgiger Realität zu beobachten. Aber vielleicht hat die Bahn ja wirklich mittlerweile soviel Routine mit ihren Notfahrplänen, daß die GdL sich das Streiken schenken kann.

Denn: »stell’ Dir vor, es ist Streik, und keiner merkt’s …« ist wohl das dümmste, was der GdL passieren kann. Und genau deshalb muß dieser Konflikt leider auch auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen werden.

IMHO. YMMV.