»550 … Not talking to net.terrorists«

Am Montag riß mein Geduldsfaden mit Spamhaus …

Vorbemerkung: Es sollte sich jedes Unternehmen und jede Privatperson gut überlegen, ob man mit den »Netz-Taliban« von Spamhaus wirklich gemeinsame Sache machen möchte, sprich, deren will­kür­lichen und im Einzel­fall falschen Listen trauen und darauf basierende Services nutzen — welche be­wiesener­maßen un­be­tei­lig­te Dritte aus er­pres­serischen Motiven in Mit­lei­den­schaft ziehen.

Wie schon berichtet, hat Spamhaus eines meiner IP-Netz in Sippenhaft genommen; und auch nach neuerlicher Darlegung des Sachverhaltes stellt man an die Löschung des un­ge­recht­fer­tigten Ein­trages Be­dingungen:

Since […] is your customer and ignoring our abuse reports, it is now within your responsibility to take the appropriate actions against the offensive customer according to your ToS/AUP.

Wer also den großen BrockSpamhaus ignoriert, ist per Default böse. Und man konstruiert nicht existierende Kunden-Lieferanten-Beziehungen, um das Overblocking zu recht­fer­ti­gen. Zeit für den Finger — meine Replik:

a) They are not my “customer”.
b) As their service is perfectly legal, there’s no ToS/AUP to be discussed. And, as your claims have been ignored by the IP upstream, there’s no discussion there, either. As I said, you’re barking at the wrong tree. You might not like proxies into the “Darknets”, but in general, they are legal; with the stuff that’s beyond legal, the […] deal with after being told about it.

Ernsthaft, ich bin weder Sittenwächter noch Babysitter. Der fragliche Nutzer auch nicht, ich würde soweit gehen zu behaupten, was den relevanten (d. h. deutschen) erlaubten rechtlichen Rahmen betrifft, ist er mehr im Bilde als die ganze Spamhaus-Bande.

Naja, meine Geduld mit diesem Erpresserpack ist jedenfalls am Ende, am späten Sonntag habe ich ihnen die Freundschaft gekündigt:

We would hence appreciate if either you or your customer ([…]) could send us an update regarding the described abuse issues and what action has been take to solve. We will then review the SBL listings.

Nö, so läuft das nicht. Cease & desist:

Ich fordere “The Spamhaus Project” letztmalig gütlich auf, die ungerechtfertigte Denunziation und Rufschädigung, die aus dem sachlich bewiesenermaßen falschen Eintrag für 192.251.226.0/24 für mich persönlich herrührt, unverzüglich einzustellen. Was immer “Spamhaus” für Probleme mit dem Nutzer von 192.251.226.200/29 hat, diese haben nichts mit 192.251.226.0/24 zu tun. Willkürlich andere Nutzer in Sippenhaft zu nehmen für ein behauptetes Fehlverhalten eines Einzelnen Dritten ist schlicht Erpressung, zumal die Spamhaus-Liste effektiv nur den Mailversand betrifft: während durch den Spamhaus-Eintrag also legitime Nutzer des Adressraums 192.251.226.0/24 von fremden Sites (z. B. gmx) aufgrund des Eintrages beim Mailversand abgewiesen werden, wird der sonstige Zugriff auf die vermeintlich “bösen” Seiten keinesfalls behindert. Dies ist Spamhaus durchaus bekannt, die Beeinträchtigung des Mailverkehrs wird als “Mittel zum Zweck” wohlwollend in Kauf genommen, genauso wie das Overblocking zur Erpressung eines “Spamhaus”-genehmen Verhaltens praktiziert wird.

Nase voll. Als weitere Maßnahme ist spamhaus.org nun in meiner NML, der »no mail list«, SMTP-Verkehr wird unterbunden. Als ich vorhin noch mal prüfte, ob 192.251.226.0/24 noch immer fälschlicherweise eingetragen ist, mußte ich erfreut-überrascht feststellen, daß es das nicht ist … Und Suche im Logfile bestätigte den Kommunikationsversuch:

Mar 16 08:46:08 famine sendmail[13937]: t2G7k3Io013937: ruleset=check_mail, arg1=, relay=mail-out.spamhaus.org [82.165.36.226], reject=550 5.0.0 ... Not talking to net.terrorists
Mar 16 08:46:08 famine sendmail[13937]: t2G7k3Io013937: from=, size=8537, class=0, nrcpts=0, bodytype=8BITMIME, proto=ESMTP, daemon=MTA, relay=mail-out.spamhaus.org [82.165.36.226]

Ich würde ja gerne glauben, daß Spamhaus zur Vernunft gekommen ist, aber wirklich glauben tue ich es nicht — und da sie sich den Titel »net.terrorist« bei mir hartnäckig erkämpft haben, weiß ich auch nicht, unter ggf. welchen will­kür­lichen Be­dingungen der Ein­trag rausgenommen wurde. Aber ich hoffe, daß Spamhaus das Overblocking generell einstellt, denn mit solchen Aktionen schaden sie sowohl sich als auch der – an sich mal gutgemeinten – Sache.