Speedport W724V: teurer Elektroschrott

Ja, harsches Urteil. Begründung folgt.

An sich wollte ich in Berlin für meinen neuen VDSL-Anschluß ja auf diese coole Hybrid-Geschichte zurückgreifen, denn das klingt nach unendlichen Bastelmöglichkeiten — sowie einem Fallback-Datenpfad, sollte VDSL ausfallen (siehe meine Erfahrungen mit 1&1 zu dem Thema). Gab’s aber nicht, wohl weil, so verstehe ich den Telekom_hilft-Tweet, festgestellt wurde, daß dafür keine LTE-Ressourcen mehr zur Verfügung stehen (wenn dem so wäre, Respekt: die Telekom schützte dann sich und ihre Kunden vor (massiver) Überbuchung).

Also buchte ich dann nacktes VDSL50 (mehr gibt’s dort in Berlin Mitte nicht — okay, 1&1 Glasfaser wäre angeblich verfügbar, mit rd. 2k EUR Installationskosten in einer Mietwohnung vielleicht nicht ganz so sinnvoll), und kaufte aus dem offerierten Guthaben einen W742V dazu (der, wie ich heute weiß, bei Amazon günstiger zu kaufen ist). Gebraucht hätte ich ja keinen weiteren [V]DSL-Router, am normalen VDSL tut’s auch noch die 7570, und über 7340 und 7490 verfüge ich ja auch noch; aber als Freifunker und alter FON-Aktivist finde ich, auch wenn sie mittlerweile ziemlicher pervertiert wurde, die FON-Idee gut und wollte »WLAN 2 Go« mit genauer anschauen …

Leitungsschaltung war Donnerstag vor einer Woche, und nachdem der Techniker weg war, habe ich mir den 724 genauer angesehen. Und bin nach keiner halben Stunde zu dem Schluß gekommen, daß das nichts weiter als Elektroschrott ist:

  • keine Weiterleitung von rohen IP-Frames, kein IPSec-Pass-Through
  • keine Funktion »exposed host«, keine DMZ
  • kein SIP-Registrar, Forenberichten nach Probleme bei SIP hinter dem 724
  • keine Eingabemöglichkeit für interne Routen
  • kein VPN-Funktionalität

Gut, mein Netz ist etwas komplexer als ein typisches 192.168.178.0/24-Netz, aber dennoch halte ich das Fehlen der Konfigurierbarkeit interner Routen für gravierend. Ebenso ist der Wegfall (im Vergleich zu den bisher eingesetzten FritzBoxen von AVM) der Fernwartungsmöglichkeit via VPN ein no-go. Daß IPSec nicht einmal durchgeschleift werden kann, ist dann fast konsequent, wie es auch die fehlenden SIP- und DMZ-Features sind.

Screenshot

Starker Tobak: entweder erlaubt man der Telekom den Vollzugriff auf den Router — oder man verliert den FON-Hotspot.

Richtig krass wird es, wenn man sich auf dem 724 mal etwas umsieht: als geradeheraus unwirksam empfinde ich die Aussage, daß aktivierter »EasySupport« Vor­aus­setz­ung für »WLAN 2 Go« sein soll: ich habe das Blech gekauft und somit entscheide ich, wer es konfigurieren darf — und eben auch, wer nicht. Denn »EasySupport« ist nichts weiteres als ein Persilschein für die Telekom, an meinem Eigentum beliebige Änderungen ohne mein Wissen oder gar meine Zustimmung vorzunehmen. Bei einem Mietverhältnis kann ich nachvollziehen, daß man diesen Zugriff sich einräumt; bei in Kundeneigentum befindlicher Hardware mit Featureentzug – und ggf. genau des Features, weshalb der Vertrag so, wie geschlossen, überhaupt geschlossen wurde – zu antworten, nunja. Kann man so machen, ist dann aber auch scheiße.

Kurzum: nach keiner halben Stunde war klar, daß aufgrund fehlender Features der Speedport W724V und ich/mein Netz nicht miteinander kompatibel zueinander würden. Flugs die 7340 grundkonfiguriert und, was Wunder, alle waren glücklich und zufrieden, der Telekom-Anschluß konnte als Drop-In-Replacement des 1&1-Zugangs genutzt werden. Ich würde ja gerne noch eine Möglichkeit finden, das der 724 sein FON-WLAN ausstrahlen kann — aber die Leitung terminieren wird er bei mir nicht mehr, und das mit dem »EasySupport« kann die Telekom sich auch abschminken.

4 thoughts on “Speedport W724V: teurer Elektroschrott

  1. Beim Hybrid Anschluss wie würdest du es lösen? Hinter den Speedport einen openwrt mit openvpn? fb mit IPSec geht dann ja wohl nicht. dann hat man aber wieder keine von Redundanz.

    • Ich bin recht froh, das »Problem« nicht zu haben, der SP Hybrid ist ähnlich featurefrei wir der 724 nach dem, was ich lese. Technisch würde wohl nur OVPN hinter SP gehen, was ein weiteres Gerät bedingt.

      Aktuell suche ich gerade nach einer Beschreibung, was der 724 über den blauen »Link«-Port erwartet (scheint PPPoE zu sein) und den darüber zumindest für den Fon-Hotspot zu nutzen …

  2. Die Speedports sind gnadenlos auf niedrige Supportkosten und Anwendung bei Oma Druse optimiert. Dass Du jemals auch nur eine Sekunde lang gedacht hast, sowas wäre für Dich auch nur in Ansätzen brauchbar, erstaunt mich ernsthaft.

    • Nunja, ich hatte einen Speedport 300HS mit einem 701V als VDSL25-Anschluß-Kombo; sonst hatte ich keine Berührung mit Speedports, und die, die ich später anschaffte, waren von AVM und wurden gefritzt … Daß ich nicht einmal mehr als einen Adressbereich hinter dem Speedport W724V betreiben kann, überraschte mich ehrlich; das ist ein so billiges Feature, was zudem doppeltes NAT überflüssig macht, daß ich es für aufwändiger halte, es nicht einzubauen als umgekehrt ;)

      Großes Kino auch die PPPoE-Pass-Through-Option — die anfangs existierte, aber nur an ADSL (d. h. ohne VLAN) funktionierte und dann rausgepatcht wurde. Anyway, habe ich jetzt einen 724 zum (zer-) spielen, gibt schlimmeres. Mal gucken, vielleicht kann man ja via Link-Port und Dummy-PPPoE den FON-Hotspot zumindest an den Start bekommen ;)

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