Mein 7960G & Asterisk

Ich fürchte, dieser Beitrag hebt das Nerd-o-Meter auf neue Höhen ;)

Well, you have been warned … ;)

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Das geht doch an Fritz!Box & Asterisk?!

In den frühen 2000ern stellte mein damaliger Brötchengeber – ich weiß nicht, ob es noch mediaWays war oder schon die daraus entstandene Telefónica Deutschland – von der guten, alten, Bosch-Telefonanlage aus Bertelsmann-Zeiten auf VoIP um. ›Eat your own dogfood‹ quasi, bereitete man doch den Weg für das spätere »Telefónica-Festnetz« auf VoIP-Basis. Die verantwortlichen Kollegen hatten es nicht leicht, denn ein »ISDN-Komfort« gewohnter Telefonienutzer findet es gar nicht lustig, wenn er statt der orginären Anrufernummer bei weitergeleiteten Gesprächen nur die Nummer seines internen Anschlusses sieht … Und, mal ehrlich, gerade für seine Zentrale sollte ein angehender Telefonieanbieter das ja wohl hinkriegen ;)
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Ciscos »CTU-Phone« an Fritz!Box & Asterisk. »Fast« funktional.

Anyway, bevor ich vollkommen in die Memorylane abbiege: wir wurden seinerzeit mit »Cicso IP Phones« ausgestattet, Modelle 7960 und »kleiner«. Ich bekam seinerzeit ein 7960, und ›irgendwie‹ habe ich es gemocht. Klar, es war ersichtlich »un-europäisch« (›unsere‹ Telefone waren flach und hatten ein kleines Display; die 79x0er von Cisco hingegen sahen einerseits wie Spielzeuge aus, hatten andererseits aber auch ein paar nette Features zu bieten). Aber irgendwie hatte diese ›aufgestellte‹ Form, im Kontrast zu den europäischen Tischtelefonen (die so heißen, weil sie eigentlich einen eigenen Tisch für sich beanspruchen), auch ihren Charme.

Wie auch immer: Jahre später habe ich mir ein 7960(G), wie ich es seinerzeit hatte, aus der Bucht gefischt, und nach dem Anlanden des Fangs kam unweigerlich die Frage auf, was man damit nun anstellen sollte. Da ich »in da Cloud« einen Asterisk 1.8 laufen hatte, war das Ziel schnell klar. Aber letztlich war in meinem 1-Zimmer-Appartment in Berlin nicht wirklich Platz für mehrere Festnetz- und DECT-Telefone; die Anzahl der Gespräche, die man sinnvoll parallel führen kann, ist durch die Anzahl an Ohren und Mündern vorgegeben und liegt um und bei bei einem …

Und als ich kürzlich mich in Asterisk wieder einlesen durfte, erinnerte ich mich an die schlafene Schönheit — und erweckte sie zu neuem Leben.

Allerdings: der Prozeß war langwierig und schmerzhaft: Cisco-Telefone sprechen, ähnlich wie Kram von Microsoft, nicht »einfach nur so SIP«, es stehen immer (von den Standards meist gedeckte) ›Interpretationen‹ im Weg, sodaß eine direkte Nutzung nicht möglich ist. Schöne neue Welt.

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Finally ;-)

Allerdings bringt Zeitablauf auch Vorteile: andere haben ggf. die gleichen Ideen und berichten darüber. Und so hatte ich jenes 7960G in Berlin auch schon lauffähig, an einer Fritzbox dort im LAN. Allerdings: die TFTP-Konfiguration dazu ist verschollen, genauer: liegt auf einem für den Transport zerlegten System im heimischen Keller. Aber es kann ja nicht sooo schwer sein, mit all’ den Anleitungen da draußen, oder?

Kurzum: doch. Hat mich rund drei Abende gekostet, letztlich aufgrund des Ansatzes, es »richtig« machen zu wollen :-(

10 Jahre alte Beiträge geben die Richtung vor, auch für die direkte Anbindung an Fritzboxen gibt’s HowTos.
Was man nicht tun sollte: aus verschiedenen Quellen sich die Infos zusammenkleben; trust me ;) Wie auch immer, an die lokale FB klappte es recht schnell nach Neukonfiguration, aber zum Asterisk im RZ durch den Tunnel, nee, das tat gar nicht. Hintergrund ist ein »Security Feature« dieser Telefone: die Anfragen kommen von anderen Ports als denen, auf denen tatsächlich gelauscht wird. Dies ist vom Standard her wohl vorgesehen, und die Fritzbox frißt das auch einfach — nur mein 1.8er Asterisk sagt »watt’n Unsinn« und antwortet auf den Ausgangsport. Was das Cisco 7960-SIP-Telefon mit »ICMP Port Unreachable« quittiert.
Und da ich ja kein NAT brauche, fragte ich mich nach unzähligen Kon­fi­gu­ra­tions­än­der­ung­en, Telefon-Reboots und tcpdumps, warum zum Henker es von 192.168.x.a (7960) zu 192.168.y.b (FB) klappt, aber von 192.168.x.a zu 12.34.z.c (Asterisk) nicht. Beides NAT-los erreichbar (und entsprechend »nat = 0« gesetzt), beides in einem anderen Netz; Cisco wird doch nicht RFC 1918-Adressraum anders behandeln als andere IPv4-Bereiche?

tcpdump bestätigt, daß das nicht der Fall ist. Nur versteht die FB offensichtlich, was Cisco will, der alte Asterisk nicht, siehe Link.

Und die Lösung ist dann so einfach wie nur irgendwas gewesen: einfach auf Cisco-Seite NAT aktivieren, schon gehen die Pakete via Port 5060 raus und kommen entsprechend auch vom Asterisk richtig an. Testtelefonat klappte, yeah! Und auf meiner italienischen Rufnummer klingelt nun in Gütersloh ein 7960G mit CTU-Klingelton: Dirp-Dirp-Di-Duu! ;-)

P.S.: Eine frühere, unfertige Version wurde ver­sehend­lich ver­öffent­licht und später ent­sprechend ge­löscht; da hatte ich wohl den fal­schen Knopf gedrückt zwischenzeitlich ;)
P.P.S.: Die ersten zwei, drei Staffeln »24« fand’ ich seiner­zeit ganz gut, aber an einem Punkt war der Bogen dann über­spannt, hat der liebe Jack Bau­er ein­fach zu viele aus­weg­lose Si­tua­tionen zu un­realistisch über­lebt. Aber die Räume mit Cisco-IP-Phones sahen schon cool aus.
P.P.P.S.: Freue mich auf Staffel 2 von »Designated Survivor« …