Kein Hubschrauber …

… brachte mein Ersatztelefon, sondern ein Fahrer von/für GLS.

Am Sonntag vormittag ist mein Samsung Note 4, gekauft im Dezember 2015 bei 1&1, ein letztes Mal ausgegangen, und danach nicht wieder an. Auch ein eilig beschaffter Ersatzakku änderte nichts: mit ca. 70% Akku ging das Note 4 aus, nachdem es schon eine Woche davor anfing, extremst rumzuzicken und was von defektem Flash-Speicher rebootschleifte und in der, rückblickend, letzten Nacht noch mehrfach mitten während der Benutzung rebootete.

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Wenn die Ba­sis­ver­sion zu alt ist, sich selbst zu aktu­alisier­en …

Am Montag Nachmittag, als klarer wurde, das nichts mehr hilft – und nach einem ersten Anruf bei der Hotline, der mit der Info endete, dies sei ein bekanntes Problem nach dem letzten Android-Update und bei 90% alle Nutzer verschwände der Spuk nach 24 Stunden (bei mir leider nicht) –, meldete ich das Note 4 also bei der 1&1-Hotline als final defekt. Es wurde ein Austauschgerät für den nächsten Tag avisiert, Reparatur solle ca. 14 Tage dauern. Das Austauschgerät sei eines mit Micro-SIM-Steckplatz, mehr Details gab es nicht.

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Selbsthilfe

Am nächsten Tag brachte dann GLS tatsächlich ein Ersatzgerät und nahm im gleichen, voradressierten, Karton, mein Note 4 mit. Erst lieblos in den Karton geworfen, konnte ich immerhin noch auf die Luftpolsterfolie verweisen, die dem Paket beilag und die mein Gerät hoffentlich nun bis zum Ziel schützen würde.

Am Donnerstag kam die Info von 1&1, daß mein Gerät im Reparaturbetrieb eingetroffen sei — immerhin. Also Zeit, sich mal anzusehen, was 1&1 denn so als Leihgerät (welches bei ausbleibender Rücksendung nach Erhalt meines reparierten Note 4 200 EUR kosten solle) geschickt hat …

Vorab: doch, ich bin schon grundsätzlich dankbar, daß 1&1 überhaupt ein Ersatzgerät für ein 1,5 Jahre altes Telefon stellt — auch wenn ich erwarte, daß sie dazu verpflichtet sind. Allerdings erwarte ich auch grob adäquaten Ersatz, aber dazu kommen wir nun.

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Plötzlich klappt’s auch mit dem ›Restore‹.

Das Ersatzmobiltelefon ist ein Moto G der ersten Generation. Es kam, für meinen Geschmack, mit etwas viel fettigen Fin­ger­ab­drücken daher, ansonsten aber gewiped und mit ca. 60% Akku. Soweit, so hmm.

SIM rein, eingeschaltet, und erstmal voll aufladen. Dann mit dem WLAN verbinden und Restore triggern — erster Aha-Moment: nur mein Nexus 4 wird als Quellkonfiguration genannt, weder mein Note 4 noch mein Honor 7. Hmm? Naja, das Note beerbte das Nexus, insofern: Feuer frei.

Allein: außer »Google Play Store wurde beendet« tat sich nichts. Die App wurde wie von Geisterhand (Installationsaufruf aus der Wolke) gestartet — und crashte nach ca. 10 Sekunden. Klasse.

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Speicher knapp

Tante G wußte dann was von apkmirror.com zu berichten, ergo flugs das Playstore-APK auf das Moto gezogen und installiert — welch eine Freude, nun tröpfeln die 163 Apps, die ich auf meinem Nexus 4 offensichtlich installiert habe, auf’s Moto G.

Ja, tröpfeln, denn trotz 100/10 MBit/sec-GlasfaserKoax-Anbindung (sprich: Internet via Breitband-Kabelnetz) kommen selten über 1 MBit/sec auf’s Gerät. Am WLAN dürfte es nicht gelegen haben, auch der Abschluß zu Hause (an 100/40 VDSL2) war nicht wirklich schneller. Also Zeit für viiiiel Kaffee ;-)

Gut, wie fast zu erwarten: es passen längst nicht alle Apps in den Speicher des Moto G, aber irgendwas ist ja immer.

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System alt und unsicher

Schwerer als die magere Speicherausstattung wiegt in meinen Augen aber die indiskutable Sicherheitsstufe – bzw. das Fehlen dieser –, denn das Moto G hat im März 2016 sein letztes (Sicherheits-) Firmwareupdate bekommen, d. h. ich bin nun mit einem 1,5 Jahre ungepatchten Android unterwegs. Klar, das Schicksal teile ich mit Millionen anderer Android-Nutzer, aber macht das dies besser?

Daß ich mangels LTE-Empfangsmodul meinen LTE einschließenden Mobilfunkvertrag mit dieser Ersatzhardware nur eingeschränkt nutzen kann, ist in der Gesamtbetrachtung fast schon ein Nebenkriegsschauplatz. Fast.

Fazit: anders, als in der Werbung suggeriert, kommt das Ersatzgerät nicht per Hubschrauber direkt in den Garten der Nutzerin (augenscheinlich noch bevor sie bemerkt hat, daß ihr altes Gerät defekt ist?) — aber immerhin am nächsten (Werk-) Tag per GLS (ob das auch Samstags klappen würde?).

Auch anders, als zumindest bei mir der Eindruck erweckt wurde, kommt kein funktional identisches Ersatzgerät oder gar ein wieder aufgearbeitetes, welches man dann behalten würde; es kommt irgendwas von der Resterampe, mit höllisch großen Sicherheitslücken und, eigentlich, dysfunktional.

Denn: ohne die Installation einer aktuellen Version der Playstore-App (aus »unbekannten Quellen«, was erst einmal Änderungen der Systemkonfiguration voraussetzt) würde das Ersatzgerät noch immer in der Start-Crash-Schleife verharren und außer Telefonie wäre nichts möglich.

Um es kurz zu machen: ich zähle die Minuten, bis ich mein Note 4 wieder habe. Denn mit dem Moto G ist kein Staat zu machen, alleine die zu investierende Zeit, aus Speichermangel fehlende Apps nachzuinstallieren (nachdem man ersteinmal andere gelöscht hat), rechtfertigte den Kauf eines neuen mindestens Mittelklasse-Androiden. Und daß sich 1&1 erdreistet, veraltete und bekanntermaßen unsichere Geräte als Ersatz herauszugeben, nunja. Fragt sich, wer bei einem etwaigen Hack für den entstehenden Schaden geradestehen müßte …

Aber immerhin mußte ich weder meine SIM auf’s Nano-Format umschnibbeln noch den dummerweise an der Handynummer hängenden WhatsApp-Account groß umkonfigurieren. Mehr als WA und Telefon-Spammer ignorieren allerdings tue ich auf mit dem Ersatzgerät nicht …