borderlinx oder: Service am Arsch

DHL-Versand aus USA, klingt doch gut; leider war borderlinx’ erste Lieferung gleich ein Desaster.

Ich wollte endlich mit einem Echo Connect rumspielen, und da Amazon US jenen auch nicht nach Kanada liefert (wo derzeit K2 weilt), dachte ich, okay, probiere ich mal borderlinx aus. Gesagt, getan und den Amazon Echo, einen Obihai- und einen Cisco-SIP-Adapter sowie ein US-Telefon mit Rufnummernanzeige bestellt. Berichten zufolge kann der Echo Connect in D die Rufnummer des Anrufers nicht erkennen; dem wollte ich mit US-SIP-Adaptern ein Schnippchen schlagen, und zwecks Test halt noch ein 15-USD-Telefon mit Display dazu.

Screenshot

Partial Delivery.

Tja. Amazon hat seine Seite des Deals eingehalten, die Bestellung vom 9. März war am 11. März bei borderlinx; leider arbeitet dort wohl sonntags niemand, sodaß erst am 12. März die Zustellung erfolgen konnte.

Vom Wareneingang bis zur Bereitstellung zum Versand dauerte es dann nochmal rund zwei Tage; daß Amazon die Lieferung in zwei Pakete aufteilte, sollte borderlinx keine Probleme bereiten — aber leider war das wohl der Auslöser für einen 50%igen Ausfall …

Daß transatlantischer Postversand sauteuer ist, haben wir schon beim 5kg-Osterpaket für K2 feststellen dürfen: die knapp 39 EUR überstiegen den Warenwert deutlich. Anyway, da mußte ich nun also durch:

Versandgebühren              USD 53.04
Treibstoffzuschlag           USD 3.32
Wertsicherung (SafetyLinx)   USD 10.00
Abgaben & Zölle              USD 0.00
Steuer                       USD 39.46
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Bezahlte Summe               USD 105.82
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Das Ganze für ein tatsächliches Gewicht von 1,84 kg (welches borderlinx zu einem »Volumengewicht« von »3,90459016393443 kg« aufgrund der Paketmaße umrechnete) — wie so oft, das im Video angepriesene Schnäppchen macht wohl eher der Dienstleister als der Endkunde.

Aber gut, am 16. März war meine Sendung, die am 12. März bei borderlinx in den USA angekommen war, »schon« in Köln. Leider hing sie dort bis zum 21. März fest — und die Verzögerung war auch nur so »kurz«, da ich mehrmals täglich den Status überprüfte und beim Hinweis »Zoll zickt, DHL wird Absender oder Empfänger kontaktieren« direkt selbst bei DHL anrief.

Denn obwohl ich »geliefert verzollt (DDP)« bestellt habe (»Bezahlen Sie die anfallenden Zollsteuern und -gebühren an der Borderlinx-Kasse. Kunden, die DDP versenden, werden bei der Lieferung des Pakets keine zusätzlichen Zollsteuern und -gebühren entrichten müssen«), war das offensichtlich kein Garant für einen reibungslosen Ablauf beim Zoll: obwohl ich borderlinx die Amazon-Rechnung noch vor dem Versand übermittelte (denn borderlinx hatte leichte Probleme mit der Zollwertangabe), war keine im Paket. Ergo wollte DHL Deutschland eine Rechnung von mir, und das ganze Hin- und Her hat meine Sendung leider rund fünf weitere Tage beim Zoll aufgehalten — ganz im Ernst, nächstes Mal beauftrage ich einen Penner vom Bahnhof mit dem Versand, das klappt garantiert besser als mit borderlinx :-(

Und die finale Ernüchterung – ja, ich hätte es am Tracking früher ahnen können, aber es war ja meine erste borderlinx-Lieferung – kam prompt bei der Übergabe des Päckchens »2/2«. Auf meine Nachfrage an den DHL-Boten nach Paket 1 von 2 kam nur »das wird wohl noch kommen« und irgendwas mit Verspätung.

Aber, auch der Blick auf’s Tracking machte dann klar: augenscheinlich hat es nur ein Teil der Lieferung aus borderlinx’ Lager zu DHL geschafft. (Gut, es war die »wichtigere« Hälfte, die mit Echo Connect und Obihai, aber trotzdem ist das so kacke.)

Nachverfolgungsanfrage bei DHL ergabt am gleichen Tag: »hmm, sieht so aus, als sei das andere Paket nie zu DHL gekommen, bitte fragen Sie beim Versender nach, wir klären das aber auch noch mit den Kollegen im Absendeland«. Am Montag drauf dann die Bestätigung, DHL wurde Paket 1 von 2 nie übergeben.

Soweit die positiven Infos — das Handling auf Seiten borderlinx war weniger rühmlich. Am 23. März um »19:21 IST« (13:51 GMT) mahnte ich den Versand des fehlenden Teils meiner Lieferung bei borderlinx an. Um 18:00 GMT hieß es:

We have received your concern and are coordinating with the relevant department to resolve/fix the problem. Please allow us couple of business days, though we always try to resolve all issues as soon as possible.

Once we have a resolution or an update on the matter, you will be contacted through an email.

We appreciate your continued patience in this matter.

Baukastenantwort. Naja, mal abwarten, was DHL über’s Wochenende rausfindet.

DHL fand leider über das Wochenende heraus, was borderlinx erst, ungelogen, eine Woche später, nämlich am 31. März, herausgefunden hat:

We are writing this email in reference to your Order 4***0 with Waybill: 1***1

Unfortunately, your items have been misplaced at the warehouse and despite our best attempts to locate them the result is negative. We are extremely sorry for this situation and will be forwarding the matter to our claim team to initiate the claim process.

The order will be cancelled and the full (if that is the only shipment) or proportional shipping fee will be refunded for the items we did not ship to you.

Truly sorry for the delay and the inconvenience caused due to this.

Always look on the bright side: für den Safetylinx-Service habe ich ja sogar noch 10 USD bezahlt, ist doch toll, daß sich diese Investition nun lohnt …

50% Ausfall. Bei einem Logistiker. Das ist Inkompetenz fast schon auf einem Niveau wie Elbphi oder BER; aber eben nur fast. Immerhin, vor soviel Un-Vermögen muß man eigentlich den Hut ziehen — wäre der nicht auch irgendwo in den Weiten der Logistik verschollen.

Am 4. April fragt mich dann ein »Support Champion | Customer Services«:

May you please share the purchase invoice of the shipment you haven’t received?

Bedient antworte ich dem Champignon:

I already sent the invoice during preparation for customs, please check your files related to this order.

Sumpfnasen. Daß der Support nach indischer Zeit tickt, besagt eigentlich alles. Bin mal gespannt, wie borderlinx den DDP-Krempel rückabwicklen möchte — von Amazon US habe ich gerade einen 17 EUR-Refund auf meinen nach Kanada exportierten Amazon-US-Einkauf erhalten; und das ganz ohne, als daß Amazon hier was verbockt hätte (ganz im Gegenteil). Mein Gefühl sagt mir, daß ich mich mit borderlinx noch um die Höhe der zu erstattenden Zoll-, Einfuhr- und Versandkosten auf den US-Cent werde streiten müssen …

Fazit: dann doch lieber eBay, _ohne_ borderlinx.

Nachtrag: da es ggf. nicht allgemein bekannt, dieses Details aber latent wichtig ist: borderlinx klebt nicht nur ein neues Adressetikett auf die Päckchen, sondern öffnet sie, kategorisiert den Inhalt (u. a. auch für die Verzollung) und faßt logisch mehrere Sendungen zu einer zusammen, um Grundgebühren für den Versand zu senken. Umverpackt werden leider nur T-Shirts, von Elektronik lassen sie die Finger; sprich: bei Amazon & Co. ggf. besser auf so wenig Pakete wie möglich setzen — aber auch das kann durch viel Leerraum die Kosten in die Höhe treiben. Anyway, konkret bedeutet dies, daß eines meiner beiden Amazon-Pakete, und IIRC das zuerst bearbeitete, _nach_ der Öffnung verschollen ist, denn was drin war, hat borderlinx tapfer in ihrem System vermerkt …