Wenn Politiker von »Medienkompetenz« reden

Es ist schon komisch, sollte ich eigentlich mit zunehmendem Alter ruhiger werden, ist eher das Gegenteil der Fall.

Lustiger Artikel bei golem.de: “Zur Medienkompetenz gehört, nicht immer online zu sein”. Mal ganz davon ab, daß in deutschen Schulen »offline« der Standard ist, bringt man nicht eigenes Gerät und eigene Konnektivität mit – ich könnte jetzt schon im Strahl kotzen –, was soll diese Floskel?

Ein striktes Handy- und Smartphone-Verbot an Schulen nach französischem Vorbild hat der Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM), Andreas Fischer, gefordert. “Ich halte den Weg, den Frankreich geht, aus medienpädagogischer Sicht für richtig”, sagte Fischer der dpa in Hannover. “Zur Medienkompetenz gehört auch, nicht immer online zu sein.” Ein Verbot an Schulen wie in Frankreich, wo Schüler bis 15 Jahren keine Smartphones mehr mit in die Schule bringen dürfen, könne bei Kindern das Bewusstsein schaffen, dass es gut ist, an bestimmten Teilen des Tages offline zu sein.

Zum Glück versieht Herr Fischer seinen Dienst im Bundesland meiner Geburt und nicht im Bundesland, in dem meine Kinder zur Schule gehen — anderenfalls hätten wir beide ein Problem: Meine Kinder haben mit Besuch der weiterführenden Schule ein Mobiltelefon bekommen, schlicht um ob der chronischen Unzuverlässigkeit des deutschen Schulsystems mit uns, den Eltern, in Kontakt zu bleiben. Und daran liesse ich erst rühren, käme zur Schulplicht auch eine Verläßlichkeitspflicht der Schule, die Schüler gemäß Stundenplan zu unterrichten. Die Realität sah und sieht nämlich doch eher so aus, daß Stunden am Ende des Tages ausfallen, statt mit Vertretung gegeben zu werden. Das fällt bei uns wiederum nicht ins Gewicht, da die Kids ca. 2 km zwischen Schule und Wohnung überwinden müssen — aber den Luxus hat eben nicht jeder, zu meiner Schulzeit waren es 8 km über Land, und entsprechend weit hatten es auch die Eltern zu ihren Arbeitsplätzen. Hier jetzt mit völlig fehlgeleiteten Handy-Mitbringverboten arbeiten zu wollen, kann nur auf dem realitätsfernen Mist eines DINK-Karrieristen (doube income, no kids) gewachsen sein. Zumal es eben zunehmend keine öffentlichen Fernsprecher mehr gibt, gerade weil die Durchsetzung mit Mobiltelefonen so hoch ist.

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