Neuland gehört abgebrannt

Manchmal ist ein »redo from scratch« die effizientere Option.

Und was »Digitalisierung« angeht, haben wir in Deutschland diesen Punkt aus meiner Sicht erreicht.

Ich bin nicht mehr ganz jung, das Abitur liegt so um und bei 3 Jahrzehnte zurück. Ich habe in mein Abitur Noten im Fach »Informatik« eingebracht. Beifang, ja. Mit Infomagie hatte das auch wenig zu tun, was am Wirtschaftsgymnasium an den BBS Cuxhaven da Mitte/Ende der 80er gelehrt wurde — jedenfalls fällt für mich die Bedienung eines Tabellen­kal­ku­la­tions­pro­gram­mes eher nicht unter »Informatik« im engeren Sinne. Naja, damals.

Sprung nach 2018: In dieser Woche hörte ich einen Schulleiter eines Gymnasiums sinngemäß sagen, Informatik sei ja auch ein recht neues Fach und man müsse mal schauen, ob man das auch als Grund- bzw. Leistungskurs anbieten könne.

Ersthaft?! Kultusminister in Land und Bund, was habt Ihr verfickte dreißig Jahre, noch immer rund ein halbes Menschenleben, eigentlich gemacht?! »Finger in den Po, Mexiko«?

Maaaaaannnnn! Ich habe mittlerweile meinen Renteneintritt vor Augen (gut, ja, noch nur klein und arg unscharf), und meine Kinder werden noch immer mit prähistorischem Ballast malträtiert. K1, unser Erstgeborenes, wird es wohl nicht mal mehr erleben (im Schulalltag), daß das Städtische Gymnasium flächendeckendes WLAN in allen Unterrichtsräumen hat:

WLAN-AUSBAU […] sind die 17 städtischen Grundschulen in gewisser Weise schon mit Endgeräten und WLAN für mehrere Klassenräume versorgt. Der weitere Ausbau der Schulen erfolgt nun stufenweise. […] Zeitplan: Für dieses Jahr [2018] sind folgende Schulen vorgesehen: […] erste Bauabschnitte […] am Städtischen Gymnasium […]. Im kommenden Jahr […] sowie das Städtische Gymnasium […]. 2020 folgen die dritten Bauabschnitte an […] Städtische […]. 2021 und 2022 schließlich folgt der Abschluss an den beiden Gesamtschulen und am Städtischen.

Seriously, 4 Jahre für WLAN im Städtischen Gymnasium?! Da könnt Ihr doch, wenn der letzte – schon hoffnungslos veraltete – Accesspoint endlich hängt, gleich vorne mit der Mo­der­ni­sier­ungs­in­stand­setz­ung anfangen! Was für Grottenolme planen denn solche Schildbürgerstreiche?!

Und K2, unser zweitgeborenes Kind, hat’s auf dem ESG nicht zwingend besser. Das Evangelisch Stiftische Gymnasium, irgendwie eine öffentliche Schule, aber irgendwie auch nicht, hat schon länger WLAN — das 2018 auch deutlich aktualisierungsbedürftig ist, und wo die kommunizierte Wahrnehmung der Verantwortlichen in einem interessanten Kontrast zur täglichen Erlebniswelt der Schüler steht. Bezeichnend, daß der Bericht in der NW bzgl. WLAN das ESG komplett außen vor läßt; nur bei der Glasfaseranbindung wird Vollzug für beide Gymnasien für 2018 vermeldet. Allein, wenn an der GBit-Glasfaser nur das Schulfax hängt, hätte man sich den Ausbau auch schenken können — Fax tut auch mit 9,600 Bit/sec, dafür braucht es keinen 1,000,000,000 Bit/sec-schnellen Anschluß.

Verglichen mit $woanders ist dies sicherlich ›Jammern auf hohem Niveau‹. Oder auch nicht, denn im Grunde hat die deutsche Bildungspolitik die letzten 30 Jahre stumpf verschlafen — aber dabei sicher super verdient.