Told you so …

Hachja, nun wird das unsägliche europäische ›Leistungsschutzrecht‹ im ersten EU-Staat umgesetzt — und die Verleger jammern wieder, bis die Ohren bluten.

Irgendwie ist es ein Gefühl zwischen Wut und Fremdschämen; die Verlegerlobby hat das Konzept des »Leistungsschutzrechts«, das in Spanien wie in Deutschland schon krachend gescheitert war, in EU-Recht überführen lassen. Frankreich spielt den Umsetzungs-Musterknaben. Und die Verleger heulen wiedermal lautstark, daß die Welt, und insbesondere Google, so böse zu ihnen sei:

Der donnerstag 24. Oktober, hätte zu einem großen Tag in der Geschichte des Internets werden können. Mit Inkrafttreten der europäischen Urheberrechtsrichtlinie in Frankreich sollte die Presse erstmals für die von ihr produzierten Inhalte, die über Google, Facebook und andere Plattformen verbreitet werden, eine Vergütung erhalten.
[…]
Das EU-Parlament hat im Frühling für diese Richtlinie gestimmt. […] Und doch droht diese lang erwartete Richtlinie schon vor ihrer Umsetzung bedeutungslos zu werden.

Indem Google jede Verhandlung ablehnt, lässt es den Medien die Wahl zwischen zwei Übeln:

Entweder sie unterschreiben einen Blankoscheck für Google, verzichten auf Bezahlung, und das derzeitige Modell bleibt bestehen. […]

Oder sie weigern sich und hoffen weiterhin auf eine Vergütung ihrer Arbeit. Ihnen werden beängstigende Repressalien angekündigt: Die Sichtbarkeit ihrer Inhalte auf den Plattformen wird auf ihre einfachste Form reduziert. Kein Foto, kein Text, nur ein Teil der Überschrift würde künftig noch in den Suchanfragen der Internetnutzer auftauchen.

Das wäre Selbstmord für die Presse. Denn Google ist für die Internetnutzer die Eingangstür zu jeder Nachrichtenseite. Andere Suchmaschinen sind zu klein. Die Verlage wissen, dass sie nicht über die finanziellen Mittel verfügen, dem daraus folgenden dramatischen Rückgang der Nutzung ihrer Nachrichtenseiten standzuhalten.

Tja, told you so. Leute, ernsthaft? Was habt Ihr denn erwartet‽

Suchmaschinen erbringen eine für Euch (offensichtlich) wertvolle Funktion: sie aggreggieren Informationen und lenken somit Nutzer dorthin, wo die von Nutzern ge­suchten Inhalte liegen. Nun habt Ihr ein Gesetz ge­wollt, daß es den Such­ma­schinen­be­trei­bern un­ter­sagt, auf Eure Inhalte mit Zitaten Eurer Texte zu ver­weisen, ohne daß die Such­ma­schinen­be­trei­ber Euch Nach­richten­an­bieter quasi pro Link, der zu Euch führt, bezahlen.
Also quasi so, als ob eine Touristen-Info jedem Hotel, jedem Veranstalter, dessen Adresse, Foto, weitere Infos sie einem fragenden Touristen nennt, eine Vermittlungsgebühr zahlen müßte. Ja genau: dafür, daß die Touristen-Info kostenlos die Touristen zu Hotels oder lokalen Veranstaltern lenkt, wollen die Hotels oder lokalen Veranstalter eine Gebühr von der Touristen-Info.

Daß Google nun kein gesteigertes Interesse daran haben kann, auf eigene Kosten die Daten zu suchen und dann für die Weitervermittlung noch zahlen zu müssen, dürfte jedem Drittklässler klar sein: Google setzt das Gesetz also um und Medien, die die kostenlosen Dienste Googles nicht nutzen wollen, werden entweder aus dem Index genommen oder, gesetzeskonform, nur noch per Link angezeigt. Wie schon zuvor in Deutschland oder Spanien.

Liebe Verleger, Ihr könnt nicht auf der einen Seite die Dienste Googles kostenlos einfordern, andererseits von Google für die Diensterbringung auch noch eine Entlohnung verlangen. (Ok, doch, klar, könnt Ihr, tut Ihr ja. Ist dann aber halt … Ihrwisstschon.)

Das, was Ihr Google vorwerft, nämlich aus den Leistungen anderer einen Profit zu ziehen, versuchtet Ihr mit dem »Leistungsschutzrecht« staatlich sanktioniert auch tun zu können. Dumm nur, daß Google auf Euch, Ihr aber nicht auf Googles Zubringendiente, verzichten könnt.

Told you so …