›Vorgezogene Ferien‹ vs. Präsenzpflicht bei #Corona

Starker Tobak. Während der Ministerpräsident von »vorgezogenen Ferien« spricht, fordert der Rektor am ESG Gütersloh, Zitat, »eine Online Präsenzpflicht für alle Schüler*innen und Lehrer*innen während der Unterrichtszeit«.

Von den gravierenden Schnitzern bezüglich der, für eine Schule verbindlichen, Regeln zur deutschen Rechtschreibung (»Online Präsenzpflicht« vermißt mindestens einen Bin­de­strich, eher aber müßte es ein Wort sein; »*innen«-For­men sind nach wie vor nicht Teil des amt­lich­en Re­gel­werks und haben mit­hin nichts in der Au­ßen­kom­mu­ni­ka­tion der Schule ver­loren) ab­ge­sehen, was bitte geht hier ab?

Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfahlen verkündete am Freitag, dem 13. März 2020, dieses:


 
»Die Schulen […] werden durch das Vorziehen des Beginns der Osterferien ab sofort, also ab Montag, dem 19. April, geschlossen.«

Gut, »ab sofort« am 13.03. kann nicht Montag, den 19. April, meinen, sondern der Ministerprädident meinte kommenden Montag, den 16. März.
Aber ja, solche Daten nicht zu vertüddeln, wäre schon hilfreich. Einmal mit Profis …

Anyway, also beginnen »ab sofort« ›vorgezogene Ferien‹, also unterrichtsfreie Zeit für die »SuS«.

Kommt ja auch noch mal später: »Wichtig: vorgezogene Ferien bedeutet: für _Kinder_ vorgezogene Ferien.«

Damit muß das Ansinnen des lokalen Schulleiters hinfällig sein:

Ab Mittwoch ist Online Unterricht für alle über NERDL verpflichtend, d.h. alle Stunden finden zu den im Stundenplan vorgesehenen Zeiten statt, dies betrifft auch Nachmittagsunterricht.

Es ist ja nachvollziehbar, daß diese Gelegenheit, »Online-Unterricht« mit den Tools des ESGs mal auszuprobieren, genutzt werden soll. Aber AFAICS sieht das deutsche Schulrecht genau keine »Online-Präsenzpflicht« vor, generell keinen, wie auch immer gearteten »Online-Unterricht« anstelle von normalem Unterricht in der Schule.

So fehlt es z. B. an der Verpflichtung(smöglichkeit) der Eltern, für adäquate Online-Arbeitsbedindungen der schulpflichtigen Jugendlichen im häuslichen Umfeld zu sorgen. Dies kann auch nicht per Web-Verlautbarung eines Rektors auf der Schulhomepage an einem Freitag Nachmittag verlangt werden. Hochzuhalten hingegen ist die Chan­cen­gleich­heit, und schon deswegen ist ver­pflich­ten­der On­line­unterricht derzeit in #Neuland nicht möglich.

Auch sind natürlich arbeits- wie versicherungsrechtlichte Themen zu klären: was, wen der schulpflichtige, zur online-präsenz verdonnerte, Jugendliche auf dem Weg zum heimischen Abort stolpert und sich relevent verletzt? Da türmen sich im deutschen Rechtssystem schon beim Thema »Home-Office« Berge an spannenden Fall­kon­stella­tionen auf — mit der Verfügung zur »Online-Präsenz« von zuhause müßte die Schule/der Schulträger vollumfänglich für jedwede Gefahr haften, ist das geklärt?

Kurzum: ich hoffe, die Schulleitung zieht die eigenmächtige »Verpflichtung zur Online-Präsenz« rechtzeitig noch am Wochenende zurück, ich habe weder Zeit noch Lust, auch hier eine rechtliche Prüfung durchführen zu lassen — aber aufgrund der Art und Weise der Verkündung müßte ich dies ab Montag im Eilverfahren klären lassen.

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