#Corona und der Faktor Zeit

Eine nicht unwichtige Frage ist die, wann denn die – im Kontext der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, auf der unser Staat fußt – drakonischen Grund­rechts­ein­schränkungen wieder aufgehoben werden (können): Die Antwort wird Teile der Leserschaft verunsichern.

In der Tat, was der SPIEGEL recherchierte, klingt gar nicht spaßig:

Szenario 1: Ungebremster Ausbruch
[…]
In diesem Szenario wäre die Coronakrise am schnellsten vorbei – aber zu einem Preis, den niemand bezahlen möchte. Der Modellrechnung zufolge bräuchten bis zu 500.000 Menschen zugleich intensivmedizinische Betreuung. […] Mehr als 700.000 Menschen könnten deshalb binnen weniger Monate sterben. Mehr als 70 Millionen Deutsche hätten sich in den Monaten bis zum Sommer mit dem Coronavirus infiziert und die Infektion dann überstanden. […]

Szenario 2: Gebremster Ausbruch
[…]
Statt 22 Millionen sind dann nur noch knapp 8 Millionen zugleich infiziert. Im September würden die tagesaktuellen Infiziertenzahlen dann unter den Wert von 100.000 sinken.

[…] In der Spitze bräuchten wohl mehr als 200.000 Menschen gleichzeitig intensivmedizinische Betreuung – fast zehnmal so viele wie es Plätze gibt. Laut Simulation gäbe es etwa 500.000 Tote. […]

Szenario 3: Flache Kurve
[…]
Die Infiziertenzahlen erreichen demnach erst im Januar 2021 ihren Höhepunkt – bei etwa 450.000. […] Die Zahl der Todesopfer würde den Berechnungen zufolge bis zum 1. März 2021 bei knapp 100.000 liegen. […] Dieses Szenario birgt aber einen gravierenden Nachteil: Es dauert sehr lange, bis sich die Situation wieder entspannt. Es wäre weder im Januar 2021 so weit noch im März 2021. Und während dieser ganzen Zeit müssten die Schutzmaßnahmen beibehalten werden. […]

Kurzum, ohne überraschend gegen SARS-CoV-2 wirksame, schon zugelassene Medikamente, ist es mit der Rückkehr zur Normalität Essig.

Da aber ein Impfstoff bestenfalls in 12 Monaten verfügbar sein wird, müßten die aktuellen Maßnahmen (Kontaktverbot/Ausgangssperre) den Modellrechnungen nach satte 12 Monate aufrechterhalten werden. Mindestens.

Da stellt sich dann schon die Frage, wie sieht der »Plan B« der Bundesregierung aus? Denn während die Akzeptanz der Grundrechtaufhebungen bei einer Dauer von zwei bis vier Wochen gegeben sein mag, bei Monaten bis Jahren dürfte die Zustimmung erodieren.

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