Vodafone verspricht, liefert aber nicht

Das »Gigabit«-Versprechen, was Vodafone nach der Unitymedia-Übernahme auch in Nordrhein-Westfalen lauthals kommuniziert, kann das Netz, kann der Konzern, nicht halten.

Vor rund drei Wochen schrieb ich:

Mehr als doppelter Down-, mehr als doppelter Upstream, Beibehaltung meiner Rufnummern und von DualStack, und das für weniger Geld als zuvor und ohne Umstellungsgebühren — ein No-Brainer, oder?

Ich möchte ein Statusupdate geben.

Meine Historie mit Unitymedia war auf Prozess- und Vertragsebene ja eher schwierig — aber technisch hatte ich eher keinen Grund zu meckern.

Screenshot

Bestellvorgang — klare Aussage zu den bestehenden Kon­di­tio­nen.

Seit Vodafone das Zepter schwingt, ist dies leider anders, nun saugt neben dem Support auch die Technik.

Wie berichtet, bin ich vom 400/20-2Play-Tarif (mit eigenem Endgerät) auf das »CableMax«-Angebot eingegangen, im Vertrauen auf die im Bestellprozeß gemachten Aussagen.

Nachdem Vodafone die Umstellung schon verkackt hatte – statt »Telefon KOMFORT« wurde ein falsches Telefonprofil aktiviert (nur 2 der 3 SIP-Nummern) und die eigene 6490 deprovisioniert –, hab’ ich mir eine Fritz!Box 6660 gekauft, da sie etwas günstiger als die 6591 war und zudem technologisch frischer ist, u. a. mit 2,5 GBit/sec-Netzwerkanschluß. Übrigens war es unproblematisch, 6591 auf dem freien Markt zu kaufen. Was immer das Problem mit den Unitymedia-ist-jetzt-Vodafone-6591 sein mag, freie Versionen waren Anfang März jedenfalls noch gut zu bekommen.

Da ich nicht gerne telefoniere – aufzeichnen darf man Gespräche nicht ohne weiteres, somit ist das immer nur ein informelles Geplänkel –, versuchte ich seit dem 9. März 2020 erst einmal, meine alte, schon bei Unitymedia-ist-jetzt-Vodafone bekannte, 6490 wieder zu reaktivieren; die 450/20 hätte mir als Backup für/Ergänzung zu VDSL 100/40 erstmal gereicht, es war ja Home-Office und Home-School und Laaangeweile absehbar.

3 DMs also mit Erklärung, warum die VF Station nicht nutzbar ist, am 9. März an »Vodafone 24h Service« (@vodafoneservice), der letzte um 17:51:

Die Mail mit Schaltdatum Anfang April habe ich mittlerweile bekommen; aber was ist bis dahin? Bitte zumindest wieder die 6490 Provisionsorten.

Da keine Antwort, Nachfrage am 10. März um 17:48:

Moin, ping? Was ist bis April? Bitte wieder die 6490 (CM-MAC XX:XX:XX:XX:XX:XX) provisionieren.

Da keine Antwort, Nachfrage am 11. März um 16:50:

Und nachdem Liefertermin 6591 unklar ist, 3. Anlauf: Bitte wieder die 6490 (CM-MAC XX:XX:XX:XX:XX:XX) provisionieren, inkl. TKO und DS. Danke.

Endlich eine Antwort, um 17:41 teilt man mir mit, man habe »derzeit […] ein hohes Aufkommen«, mein Anliegen sei weitergeleitet worden und ich möge mich doch bitte in Geduld üben.

Am 13. März war ich es um 17:59 leid:

Nase voll, 6660 gekauft. CM-MAC: YY:YY:YY:YY:YY:YY — bitte ASAP mit CableMax 1000 provisionieren!

Und schon am 17. März um 12:56 fragte man noch nach der Seriennummer, man würde sich dann »gleich« drum kümmern. Allein, das war zu spät, wie ich um 16:27 erwiderte:

Hi, danke, wurde gestern per Anruf provisioniert. Rückumstellung auf Telefon Komfort und Wiederzuweisung der NNNNNN1 als eine der 3 Nummern steht noch aus.

Ich hatte am Tag davor zähneknirschend bei der Nummer die Unitymedia-ist-jetzt-Vodafone auf unitymedia.de nennt, angerufen, die beiden Nummern durchgegeben und nach dem Reboot nach einer Stunde Sicherheitswartezeit war CableMax 1000/50 endlich provisioniert.

Fazit: Zehn Tage unnütz mit dem »Vodafone 24h Service« (@vodafoneservice) vertan — das kann die Telekom mit @Telekom_hilft deutlich besser.

Aber Vodafone wäre nicht Vodafone, könnten sie dem nicht auch noch die Krone aufsetzen: am 23. März um 10:18 entschuldigte man sich bei mir, und trat dann gleich noch mal in die Weichteile. Zitat

[DDank für Nachricht. Hohes Anfragenvolumen. Yaddayadda]

Bei der Eintragung deiner Fritzbox ist leider ein technischer Fehler aufgetreten. Ich habe diesen nun behoben. Die KOMFORT-Option kann nicht freigeschaltet werden, da du ein Kundeneigenen Router hast. Es geht nur eines von beiden. Es sind aktuell 2 Rufnummern eingetragen. Die 2. Rufnummer kostet 4,99€. Wenn eine 3. Rufnummer eingetragen werden soll, dann kostet dies weitere 4,99€.

Zack. Bei Unitymedia-ist-noch-Unitymedia war das kein Problem, technisch ist es kein Problem (alle Rufnummern werden per einzelnen SIP-Accounts abgewickelt). Trotz der ausdrücklichen Aussage während des Bestellvorganges, daß, »sofern Sie die Telefon KOMFORT Option gebucht haben« – was ich ja habe – diese Option ebenfalls neu beginnt mit einer Laufzeit von 24 Monaten.

Ich habe dies am 23. März um 16:12 und 17:25 moniert

Moin, wieso kann die Komfort-Option nicht freigeschaltet werden? Ich hatte vorher einen kundeneigenen Router, beim Umstieg hieß es, auch die Komfort-Option bliebe erhalten zu den alten Konditionen. Auch steht davon nichts in Euren FAQ, Zitat: “Was passiert mit meiner Gerätefreiheit, wenn ich auf 1000 Mbit/s umstellen möchte? Du brauchst für CableMax ein DOCSIS 3.1-fähiges Gerät. Die Vodafone Station kannst Du kostenlos bekommen.” Also bitte jetzt keine weiteren Probleme kreieren sondern die NNNNNN1 zusammen mit der Komfort-Option wie gebucht aktivieren, danke.

Auch das Gesetz zur Auswahl und zum Anschluss von Telekommunikationsendgeräten sieht keine Leistungsreduktion bei Einsatz eines eigenen Routers vor. Ich erwarte daher Schaltung der Komfort-Option mit den Rufnummern -NN1 bis -NN3 bis zum 26.03.2020 EOB.

Antwort kam am 24. März um 9:36, und zwar, wer ahnt es, wer ahnt es? Genau: Danke für die Nachricht, grade viel los, die Kollegen melden sich so schnell wie möglich.

rrd-Graph

Meilenweit vom GBit entfernt: Vodafone CableMax.

Und zu allem Überfluß drosselt Unitymedia-ist-jetzt-Vodafone offensichtlich Privatkunden-Zugänge massiv zu Gunsten von Businessanschlüssen.

Denn nachdem ich mein Heimnetz umgebaut habe, um die 1000 MBit/sec, die nun aus dem Keller kommen sollten, auch an die Geräte zu bringen, und daraufhin erste Speedtests machte, waren es sagenhafte 20-40 MBit/sec, die mein DOCSIS-3.1-Hyper-Hyper-Anschluß tatsächlich durchsetzte.

rrd-Graph

Meilenweit vom GBit entfernt: Vodafone CableMax.

What the firetruck?

Daraufhin habe ich mal eine provisorische Messung aufgesetzt, sowohl hier als in der weitgehend verwaisten Firma: alle 5 Minuten wird von einem physischen Server mit GBit-Netzanbindung jeweils eine 1 GB-Datei heruntergeladen, nacheinander von zwei öffentlichen Speedtest-Servern sowie von meinem Server beim Hoster Hetzner, ebenfalls mit GBit-Anbindung. Das Ergebnis ist recht eindeutig: nur vom Business-Anschluß in 2 Kilometern Entfernung ist aus dem »Baden-Württemberg extended LAN« (BelWü), dem Wissenschaftsnetz des Landes Baden-Württemberg, annähernd Datentransfer mit Gigabit-Geschwindigkeit möglich — zu bestimmten Tageszeiten. Was das genau bedeutet, ist noch nicht ganz klar; es können die Übergabepunkte in andere Netze überfüllt sein, der Transport in den anderen Netzen oder der Zielserver — oder aber der Engpaß liegt zwischen den Übergabepunkten und dem Kabelmodem, sprich im Unitymedia-ist-jetzt-Vodafone-Netz.

Kraß und absolut inakzeptabel finde ich aber die Diskrepanz zwischen meinem Anschluß zu Hause und dem in der Firma — entweder ist mein Netzabschnitt massiv überlastet oder Vodafone drosselt meinen Endkundenanschluß gegenüber Business-Zugängen; viel anderes fällt mir bei dem Bild nicht ein.

Um ein klareres Bild zu bekommen, habe ich nun von 1 GB auf 100 MB als Testdateigröße umgestellt und werde weitere Ziele hinzuziehen und werde das weiter beobachten; denn auch für den Businessanschluß sind die Durchsätze nicht OK.

2 thoughts on “Vodafone verspricht, liefert aber nicht

    • Nein, ich meine 20-40 MBit/sec, siehe Graph. Tagsüber ist hier das Max beim Vodafone-Coax-Glasfaser-Anschluß bei einem Sync mit 1095,7 Mbit/s ↓, 54,8 Mbit/s ↑ derzeit halt 25 MBit/sec, je nach Ziel jedenfalls.

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