#Entertain-Beschiß-Update

Ein Update zum großflächigen Kundenbetrug der Deutschen Telekom bei der Umstellung auf MagentaTV.

Ist ja schon wieder ein paar Monde her, der letzte Beitrag, Zeit für ein kurzes Update.

Ende Januar hat sich die Telekom zu einer Antwort auf meine Vorstandsbeschwerde herabgelassen:

[…] Sie haben sich mit Ihrem Schreiben vom 15. Januar 2020 an unseren Vorstand gewandt. Ihr Schreiben wurde an uns weitergeleitet, um den Sachverhalt zu prüfen und Ihnen zu antworten.

Wir bedauern es sehr, dass Sie solche Unannehmlichkeiten hatten.

Wie von Ihnen gewünscht, haben wir Ihr SEPA-Lastschriftmandat aus unserem System gelöscht und Sie als Barzahler hinterlegt.

Eine Rückumstellung auf Ihren alten Tarif mit Entertain ist leider nicht möglich.

Wir haben lediglich den Namen des Produktes geändert. Unser IP-TV läuft nun über eine andere Plattform, allerdings hat sich dadurch nichts am Leistungsumfang geändert.

Ihnen sind durch die Änderung keine Zusatzkosten entstanden, auch gibt es keine Vertragsänderungen.

Die einzige Änderung die Sie betrifft, sind leider Ihre alten Aufnahmen, die man nicht auf Ihren Media Receiver mitnehmen kann, was wir sehr bedauern.

Unser Ziel ist Ihre Zufriedenheit!

Sollten Sie mit unserem TV Angebot gar nicht zufrieden sein, würden wir Ihnen ein Sonderkündigungsrecht anbieten. […]

Thema verfehlt, sechs, setzen.

  1. Ich war mit dem Enterain-TV-Angebot zufrieden, eine Kündigung kommt daher nicht in Frage; ich verlange nur, daß die Deutsche Telekom den gültigen Vertrag erfüllt.
     
  2. Ich würde den ersatzlosen Verlust der Aufnahmen – für dessen Vermeidung die Telekom nicht willens war, eine technische Lösung zu realisieren – weder als »nichts am Leistungsumfang geändert« noch als »keine Zusatzkosten entstanden« bezeichnen:
     
    Um beispielsweise einen hypothetisch gespeicherten »Star Wars«-Film mir noch mal ansehen zu können, wann ich es möchte, müßte ich nun ein kostenpflichtiges Disney+-Abo abschließen oder den Film als DVD kaufen. Diese Mehrkosten entstehen für jede, durch die Telekom unzugänglich gemachte, Aufnahme, und dafür ist die Telekom meines Erachtens ersatzflichtig.
     
    Bei 500 GB und einem Wiederbeschaffungswert je Aufnahme von nur 5€ kommen da mehr als Null an realen Kosten raus.
     
  3. Wie denn nun, eine »Rückumstellung auf Ihren alten Tarif mit Entertain ist leider nicht möglich« widerspricht direkt der nächsten Floskelantwort, nämlich daß man nicht den Tarif, sondern »lediglich den Namen des Produktes geändert« habe, und IPTV nun »über eine andere Plattform« laufe, sich aber »dadurch nichts am Leistungsumfang geändert« habe. Nunja, mit der »anderen Plattform« laufen meine 3 Eigentums-Receiver – die den AGB meines Vertrages entsprechen – nicht mehr, das ist schon eine marginale Änderung am Leistungsumfang: Funktion vs. Nichtfunktion.

Die Telekom bleibt also bei ihrer Linie: eine Änderung der dem IPTV-Angebot zugrundeliegenden Technik (weg von Microsofts Mediaroom) könne sie nach Gutdünken jederzeit durchführen und muß dabei weder AGB (die explizit Mediaroom-Receiver spezifizieren) noch den Vertrag (der bei Entertainaltkunden deutlich teurer als aktuelle MagentaTV-Verträge ist) anpassen. Mein erster Reflex war, meinerseits einfach die Währung des Entgelts von EUR auf BGN (1 BGN == 1 DEM ~= 0,5 EUR) zu ändern: »ich habe nur die Währung der Entlohnung geändert. Bulgarischer Leva entspricht besser ihrem aktuellen Angebot, allerdings hat sich dadurch nichts am Leistungumfang geändert, die Summe ist identisch«.

Aber Sarkasmus verstehen deutsche Richter eher nicht, daher habe ich eine 25%ige Minderung der Grundgebühr kommuniziert und vorgenommen. Dieser Tage kam die schriftliche Mahnung, die ich eigentlich ignorieren könnte; aber ein süffisanter Widerspruch per Fax mit Verweis auf die Korrespondenz macht mehr Freude.

Langjährige Entertain-Kunden wie ich zahlen z. B. für Entertain L 54,94/Monat (VVDSL 100/40) — MagentaTV L (VVDSL 100/40) kostet »nur« 49,95/Monat, und anders als die Entertain-Verträge kennen die MagentaTV-Verträge keinen Malus für Treue (Entertain-Verträge wurden nach 24 Monaten *teurer*). Es ist nachvollziehbar, warum die Telekom glauben möchte, ihr Vorgehen sei legal.

Fazit: die Telekom vernichtet gezielt und ersatzlos immatrielle Werte ihrer Entertain-Kunden (Aufnahmen im Mediaroom-Setup), sie weigert sich aktiv, Schaden von ihren Kunden abzuwenden und zieht es vor, überhöhte Preise aufgrund nicht mehr erbrachter Dienste zu kassieren, anstatt rechtskonform den Kunden per Änderungskündigung eine Wahl zu lassen. Und weil die BRD nachwievor großer Anteilseigner ist (»Der Anteil des Bundes, inklusive des Anteils der KfW, Kreditanstalt für Wiederaufbau, liegt bei rund 32 %.«), geht der Staat nicht gegen seine Wertanlage vor, zulasten seiner Bürger.

Ziemlich beschissene Gemengelage; dennoch, das Vorgehen der Telekom beim Wechsel von Entertain zu MagentaTV war und ist illegal, nächster Schritt ist nun die Einbeziehung der Verbraucherzentrale als hoffentlich unabhängiges Gremium.