MoCa vs. G.hn vs. TechniLAN vs. Bohrung

Lockdown und die Folgen für die Heimvernetzung …

Als wir unser Eigenheim planten, beauftragte ich von jedem Raum ein Leerrohr zum Kabuff (man würde Hausanschlußraum sagen, hätten wir keinen Keller), und von dort derer zwei in unseren Kellerraum (MFH, wissen schon).

Der ausführende Elektriker mag Anfang des Jahrtausends den Sinn nicht verstanden haben, oder, ehrlich gesagt wahrscheinlicher, meine Distanz zu seiner Preisvorstellung, gepaart mit meinem beherzten »Danke, aber nein, danke« zu verschiedenen Angeboten, persönlich genommen — jedenfalls sind zwei der drei Erdgeschoß-Leerrohre undurchlässig, und nur eins der zwei Leerrohre in unseren Keller kommt auch dort an (das zweite wurde fälschlich in den angrenzenden Heizungsraum gelegt — einmal mit Profis …). Dies muß ich vorausschicken, denn es wird 2020 nun relevant: die abgehängten Zimmer im EG sind die der Kinder, und coronabedingt ist nun eine zeitgemäße Internetabdeckung dieser Räume wichtig.

Nach Versuchen mit WiFi-Mesh und Powerline-WiFi – die zwar um die ein- bis dreihundert MBit/Sec bringen, zumindest lt. Anzeige und die ist eher Brutto –, steht nun eine Lösung für GBit an — was zwar Unitymedia-ist-jetzt-Vodefone nur knapp ansatzweise liefert, aber auch innerhalb des Hausnetzes sind Übertragungskapazitäten wichtig.

Aufgrund der Sternverkabelung für Satelliten-TV liegt in jeden Raum aus dem Keller einmal Koax. Sat-TV nutzt eines der Kinder, hier wäre die »TechniLAN« genannte Lösung von Technisat spannend: ein Modem (im Keller) moduliert IP in den Frequenzbereich 2 bis 65 MHz, im Zimmer kommt ein weiterer Modem-Adapter auf die (auszutauschende?) Dose, fertig ist die Laube. Lustigerweie basiert die Technik, wie bei meinen Powerline-Geräten, auf dem HomeplugAV-Standard; anders als beim Stromnetz allerdings (da sind 2000er-Adapter im Zulauf), ist TechniLAN bei »200 MBit/sec« (80-90 davon wohl Brutto und parallel in beide Richtungen) stehen geblieben. Das ist ok für Streaming und TV per SAT>IP, aber nicht, wenn man auf den Filer im Hausnetz sein Backup schieben will. Ganz günstig wird das auch nicht, ein TechniLAN-kompatibler Sat-Switch (5/8) (EUR 139) plus 2 Dosen (je EUR 11) plus zwei Modems (je EUR 69), schlappe EUR 299,– für einmal 100 MBit/sec. Gut, jede Erweiterung wird dann günstiger (EUR 80), aber alle Geräte teilen sich, wie bei WLAN und Powerline, die Gesamtbandbreite => das ist sicher technisch interessant, aber nicht zukunftssicher. Aber immerhin soll Sat parallel darüber laufen können.

Eine Alternative scheint G.hn über Coax zu sein, in den USA könnte ich ein 1200er (brutto) Pärchen für USD 90 schießen, leider liefert das Amazon nicht direkt nach D; insofern sind die Gesamtkosten auch eher unbekannt :-( Merkwürdig ist auch die Bezeichnnug: »Comtrend GCA-6000KIT G.hn Powerline 1200Mbps Ethernet Over Coaxial Kit (2-Units)« — Powerline und EoC? ;-)

G.hn über Coax gibt’s (oder: gab’s, so um 2017 herum) auch in Deutschland, z. B. ALL-GHN102-Coax soll wohl so um die 500 MBit/sec schaffen, ist in homöopathischen Dosen auch noch käuflich — leider aber mit ca. EUR 130/Gerät auch nicht gerade günstig (das Bundle aus 2 Geräten lag 2018 bei ca. EUR 190).

Relativ aktuell scheint MoCA – Multimedia over Coax Alliance – zu sein; dort werden Datenraten um 1 GBit/sec für MoCA 2.0 kolportiert. Aber augenscheinlich gibt’s das wieder einmal nicht in Europa/Deutschland. Aus USA bestellt kostet ein Paar TL-MC84 MoCA 2.5-Adapter leider auch EUR 213,42, immerhin sollen damit auf dem Coax-Kabel bis zu 3 GBit/sec möglich sein.

Irgendwie alles Grütze; auch die 2000er Powerline-Adapter (mittlerweile sind sie angekommen) reißen es nicht raus, trotz eines Stromkreises sind die Nettoraten eher so unterhalb denen eines VVDSL-Anschlusses — und je nach Sonnenstand und Jupiter-Aszendenten ist Powerline auch mal faktisch tot :-(

Es läuft wohl doch auf Schlagbohrer, Kabelkanäle und Cat.5e-/Cat.6-Verlegekabel hinaus. Immerhin kann man in ein paar Jahren da noch 10 GBit/sec drüber fahren — oder das Kupfer durch Glas tauschen (die neuen Kabelkanäle an der Flurdecke werden ggf. sogar Kupfer und Glas aufnehmen können).

Schade, ich hätte ja gerne moderne Technologien unterstützt, aber beim aktuellen Sachstand greife ich doch lieber zum 16mm-Bohrer und ersetze die dysfunkionalen Leerrohre im Boden durch Kabelkanäle an der Decke.